Erinnerungen sind Unikate

Zett_Be / 04.03.2016 • 14:21 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Julia Fuchs,16 Jahre, HAK BludenzEs war schwierig, sich auf eine Erinnerung festzulegen, da es mehr als nur eine schöne Erfahrung gibt. Das Papier war sehr toll, da jedes ein Unikat ist – genauso wie die Erinnerungen! Gut gefällt mir, dass wir das Buch auch noch in mehreren Jahren im Voralberg Museum bestaunen können.
Julia Fuchs,

16 Jahre, HAK Bludenz

Es war schwierig, sich auf eine Erinnerung festzulegen, da es mehr als nur eine schöne Erfahrung gibt. Das Papier war sehr toll, da jedes ein Unikat ist – genauso wie die Erinnerungen! Gut gefällt mir, dass wir das Buch auch noch in mehreren Jahren im Voralberg Museum bestaunen können.

280 Vorarlberger Jugendliche schreiben einen gemeinsamen Erinnerungskodex.

Feldkirch. (GYS) Schlüssel, Handy, Hausaufgaben? Wir alle kennen das dumpfe Gefühl, etwas vergessen zu haben. Wie aber fühlt es sich an, wenn alle Erinnerungen nach und nach verschwinden? Um diesem Gefühl nachzugehen, haben sich 280 Vorarlberger Schülerinnen und Schüler verschiedener Schulen auf Initiative der Aktion Demenz, des Vorarlberg Museums und des Gymnasiums Schillerstraße auf die Suche nach ihrer kostbarsten Erinnerung gemacht. Festgehalten haben sie diese Erinnerungen in einem großformatigen Buch, das ab April im Atrium des Vorarlberg Museums im Rahmen der Ausstellung „Da war doch was! Demenz ganz nah“ zu sehen sein wird.

Mit Himalaya-Papier arbeiten

Seit November sensibilisieren engagierte Lehrerinnen und Lehrer der HAK Bludenz, des BG Bludenz, des Gymnasiums Schillerstraße Feldkirch, der PTS Dornbirn und des BG Gallus Bregenz ihre Schülerinnen und Schüler in verschiedenen Unterrichtsfächern für die Qualität der Erinnerung. Dafür boten die Lehrkräfte in Deutsch, Ethik, Biologie oder auch Religion ganz unterschiedliche Impulse an. Während einige Klassen zu Beginn des Jahres das Jugendtheaterstück ‚Mehl in der Schublade’ im Theater Kosmos in Bregenz, das Sozialzentrum Bürs, die Senecura in Bludenz oder aber einen Vortrag des Demenzexperten Primar Dr. Albert Lingg besuchten, setzten sich andere mit literarischen Texten oder auch Kinofilmen auseinander. Dabei erhielten die 13–18-jährigen Jugendlichen nicht nur zahlreiche Informationen rund um die Krankheit Demenz, sondern wurden sich auch der eigenen wertvollen Momentaufnahmen ihres Lebens zunehmend bewusster. In mitunter aufwendigen kreativen Prozessen setzten die Heranwachsenden ihre Erinnerungen an Erlebnisse, Menschen, Gerüche oder auch Melodien in Zeichnungen, Collagen und Texte um. Festgehalten wird dieser Erinnerungsschatz auf über 250 überdimensionalen Seiten handgeschöpften Papiers, das die Hagenpur Manufaktur aus Lustenau für das Projekt zur Verfügung gestellt hat. Dieses Himalaya-Papier stammt aus Bhutan und Nepal, wird nach traditionellen Verfahren und ohne jegliche Chemie hergestellt. Der Rohstoff des Papiers, der Lokta-Strauch, wächst auf 2000 bis 3000 Metern Höhe. Jedes der Blätter ist ein Unikat und spiegelt damit die Einzigartigkeit der jugendlichen Erinnerungen auf besondere Weise wieder.

Verständnis wecken

„Ich habe zuerst ein ‚FreeWriting’ gemacht und für mich Erinnerungen definiert. Dann habe ich die Texte zerschnitten und auf die Buchseite aufgeklebt. Der Text ist unlesbar geworden. Ich finde, Erinnerungen sind auch unlesbar, man weiß nie warum gerade die Erinnerung bleibt und nicht eine andere“, beschreibt Rudolf Benzer (16) vom Gymnasium Schillerstraße Feldkirch sein Erinnerungsblatt. Daniela Egger, Projektleiterin der Aktion Demenz, ist beeindruckt vom Engagement der Jugendlichen sowie ihrer Lehrkräfte und sieht eines der zentralen Anliegen der Aktion Demenz erfolgreich umgesetzt: „Dieses Projekt weckt bei den Jugendlichen Verständnis für die, die an Demenz erkranken. Gleichzeitig zeigt es den Schülerinnen und Schülern Möglichkeiten auf, wie sie auf demente Menschen zugehen können.“

Organisatorisch begleitet wird das Projekt von den Schülerinnen und Schülern des Wahlpflichtfachs Kulturmanagement am Gymnasium Schillerstraße. Die jungen Kulturmanagerinnen und Kulturmanager sind neben der Koordination der Projektteilnehmenden auch für Teile der Öffentlichkeitsarbeit und für die Projektfinanzierung verantwortlich. Um das Binden der Seiten zu einem Buch sowie die Prägung des Buchdeckels zu finanzieren, haben die Jugendlichen eigens ein Crowdfunding auf der Plattform www.mit.einander.at ins Leben gerufen, das es jedem ermöglicht, das Projekt zu unterstützen.

Anita Müller,14 Jahre, BG Gallus BregenzBesonders bereichernd fand ich die Chance, meine Erinnerungen aufzuarbeiten und mir dabei bewusst zu werden, wie viel ich bereits erlebt habe. Auch war es erstaunlich schwierig, mich für ein einziges Erlebnis zu entscheiden.
Anita Müller,

14 Jahre, BG Gallus Bregenz

Besonders bereichernd fand ich die Chance, meine Erinnerungen aufzuarbeiten und mir dabei bewusst zu werden, wie viel ich bereits erlebt habe. Auch war es erstaunlich schwierig, mich für ein einziges Erlebnis zu entscheiden.

Ajla Ljubijankic,17 Jahre, GYS FeldkirchDa ich die Arbeit der Schüler mitverfolgen konnte und währenddessen im Fach Kulturmanagement die Präsentation des „Sammelbandes der Erinnerungen“ vorbereitet habe, freue ich mich sehr auf die Vorstellung des Buches im Vorarlberg Museum.
Ajla Ljubijankic,

17 Jahre, GYS Feldkirch

Da ich die Arbeit der Schüler mitverfolgen konnte und währenddessen im Fach Kulturmanagement die Präsentation des „Sammelbandes der Erinnerungen“ vorbereitet habe, freue ich mich sehr auf die Vorstellung des Buches im Vorarlberg Museum.

Jessica Gächter,14 Jahre, Poly DornbirnEs hat mir besonders gut gefallen, dass wir ein Buch mit sehr persönlichen Gegenständen machen durften. In meinem Text geht es um eine Person, die mir sehr am Herzen lag und die ich sehr vermisse. Es war sehr besonders, aber auch nicht leicht, so ein tolles Papier zu gestalten.
Jessica Gächter,

14 Jahre, Poly Dornbirn

Es hat mir besonders gut gefallen, dass wir ein Buch mit sehr persönlichen Gegenständen machen durften. In meinem Text geht es um eine Person, die mir sehr am Herzen lag und die ich sehr vermisse. Es war sehr besonders, aber auch nicht leicht, so ein tolles Papier zu gestalten.

Emilia Bahl,13 Jahre, BG BludenzMir hat besonders gut gefallen, dass wir unsere Kreativität ausleben konnten, und dass man keine genauen Vorgaben bekam. Es ist mir auch nicht schwergefallen, eine bestimmte Erinnerung auszusuchen, denn ich habe über meine Freunde geschrieben, und wir haben schon sehr viel gemeinsam erlebt.
Emilia Bahl,

13 Jahre, BG Bludenz

Mir hat besonders gut gefallen, dass wir unsere Kreativität ausleben konnten, und dass man keine genauen Vorgaben bekam. Es ist mir auch nicht schwergefallen, eine bestimmte Erinnerung auszusuchen, denn ich habe über meine Freunde geschrieben, und wir haben schon sehr viel gemeinsam erlebt.

Das Liegen in der Blumenwiese entpuppt sich als wertvolle Erinnerung. Foto: Frauke Kühn
Das Liegen in der Blumenwiese entpuppt sich als wertvolle Erinnerung. Foto: Frauke Kühn
280 Vorarlberger Schülerinnen und Schüler halten ihre wertvollsten Erinnerungen in einem gemeinsamen Buch fest. Foto: Barbara Winkler
280 Vorarlberger Schülerinnen und Schüler halten ihre wertvollsten Erinnerungen in einem gemeinsamen Buch fest. Foto: Barbara Winkler
Nicoline Gamper,18 Jahre, GYS FeldkirchIm Zuge der Vorbereitungen für das Projekt hat mich besonders der Vortrag von Primar Dr. Albert Lingg über Demenz fasziniert. Dieser lieferte mir viele neue bisher unbekannte Informationen über dieses durchaus wichtige Thema.
Nicoline Gamper,

18 Jahre, GYS Feldkirch

Im Zuge der Vorbereitungen für das Projekt hat mich besonders der Vortrag von Primar Dr. Albert Lingg über Demenz fasziniert. Dieser lieferte mir viele neue bisher unbekannte Informationen über dieses durchaus wichtige Thema.

zett-be-Umfrage. Was wird dir vom Projekt in Erinnerung bleiben?

» Das Erinnerungsbuch ist Teil der Ausstellung „Da war doch was! Demenz ganz nah“, die am Freitag, 1. April 2016, um 17 Uhr im Atrium des Vorarlberg Museums eröffnet wird, und das Thema Demenz künstlerisch, szenografisch und literarisch auslotet. Alle Informationen unter: www.blog.aktion-demenz.at