Eine musikalische Partnerschaft

Zett_Be / 03.03.2017 • 13:06 Uhr
Stephanie WendelDort, wo sich Jugendliche aufhalten, könnte das SOV Filmmusik kombiniert mit modernen Stücken spielen, zum Beispiel von Ludovico Einaudi, einem italienischen Komponisten. Man sollte dort anknüpfen, wo junge Leute das Gefühl haben, sie erkennen etwas wieder.
Stephanie Wendel

Dort, wo sich Jugendliche aufhalten, könnte das SOV Filmmusik kombiniert mit modernen Stücken spielen, zum Beispiel von Ludovico Einaudi, einem italienischen Komponisten. Man sollte dort anknüpfen, wo junge Leute das Gefühl haben, sie erkennen etwas wieder.

Bildungseinrichtung und Kulturinstitution arbeiten eng zusammen.

Feldkirch. Das Gymnasium Schillerstraße lebt derzeit in einer intensiven Kulturpartnerschaft mit dem Symphonieorchester Vorarlberg. Diese besondere Beziehung ermöglicht es, dass die SchülerInnen den größten Klangkörper Vorarlbergs näher kennenlernen können. Das Symphonieorchester gestaltet zu diesem Zweck besonders reizvolle Angebote: Workshops, Dialogveranstaltungen mit KünstlerInnen und Manager, Probenbesuche, Austausch mit dem Organisationsbüro, Besuch der Konzerte u.a.m.

„Partnerschulen“

Thomas Heißbauer, Geschäftsführer des Symphonieorchesters, sieht die Musikvermittlung als wesentliche Aufgabe des Orchesters. Die Zusammenarbeit mit Schulen ist ihm ein großes Anliegen: Dazu gibt es längerfristige Kooperationen mit sogenannten „Partnerschulen“, zum Beispiel mit der Sportmittelschule in Hohenems und derzeit mit dem Gymnasium Schillerstraße in Feldkirch.

Ihm geht es dabei vor allem um die Erarbeitung von „Werken“ aus dem Konzertprogramm des Orchesters, das möglichst partizipativ geschehen soll, also nicht in Form eines Vortrags, sondern gemeinsam mit den Schü­lerInnen entwickelt.

Anna Schuchter, Schlagzeugerin im Orchester, konzipiert dafür Workshops für SchülerInnen, die bereits im Gymnasium Schillerstraße stattgefunden haben und laufend weiter angeboten werden: „Am Donnerstag, dem 24. November, besuchten die 2. und 3. Klassen im Rahmen einer Schulpartnerschaft zwischen dem GYS und dem Symphonieorchester Vorarlberg (SOV) einen Musikworkshop. In diesem Workshop wurde zu Tschaikowskys Musik musiziert. Zwei Musikerinnen des SOV, eine Geigerin sowie eine Schlagwerkerin brachten uns dessen 4. Sinfonie näher. Musikbegeisterte konnten Instrumente mitnehmen und zu ausgewählten Stellen aus Tschaikowskys Musik mitmusizieren. Dies machte uns allen sehr viel Spaß und bei manchen Schülern wurde die Begeisterung für Musik geweckt.“

Live-Hörprobe

„Eine Woche später besuchten wir eine Probe des SOV, bei der wir dann Ausschnitte aus Tschaikowskys 4. Sinfonie live zu hören bekamen. Uns Schülern hat dieser zweiteilige Workshop gut gefallen und wir sehen nur positiv auf dieses Erlebnis zurück. Wir freuen uns über zukünftige Workshops bzw. Probenbesuche beim SOV“, beschreiben Raphael Wittwer und Daniel Fetz von der 3c-Klasse ihre Begegnung mit dem Orchester. Die aktuelle Schulpartnerschaft ermöglicht aber nicht nur die Begegnung und Auseinandersetzung mit dem musikalischen Geschehen, sondern auch das Kennenlernen der Aufgaben hinter den Orchesterkulissen: So haben 14 SchülerInnen des Wahlpflichtfachs Kulturmanagement das Orchesterbüro des Symphonieorchesters Vorarlberg besucht. Thomas Heißbauer und Ruth Wohlgenannt haben den SchülerInnen dabei einen Einblick in das spannende Berufsfeld eines Orchestermanagers eröffnet, der künstlerische Planung und kaufmännische Planung sorgsam aufeinander abstimmen und wesentliche Entscheidungen ebenso für wie mit den Musikerinnen und Musikern treffen muss. Besonders interessant gestaltet sich der Dialog über das Thema Publikumsbindung. „Vor allem die Zielgruppe der Jugendlichen ist nicht einfach anzusprechen“, betont Thomas Heißbauer. Denn obwohl das Symphonieorchester aktuell über 1924 Abonnenten verfügt, macht der Besucheranteil des jungen Kulturpublikums gerade einmal neun Prozent aus. Ein Grund mehr für den Geschäftsführer, gemeinsam mit engagierten Orchestermitgliedern die Maßnahmen im Bereich der Musikvermittlung zum Beispiel über Schulpartnerschaften aktiv zu intensivieren.

Besonderes Tool

Die SchülerInnen der Wahlpflichtfächer Kulturvermittlung und Kulturmanagement am Gymnasium Schillerstraße haben Thomas Heißbauer auch in die Schule eingeladen und mit ihm über das Thema Musikvermittlung diskutiert. Er hat ein besonderes „Musikvermittlungs-Tool“ entwickelt, in dessen Rahmen ZuhörerInnen an die klassische Musik herangeführt werden und auf ein Musikstück reagieren sollen: Anfangs werden von den TeilnehmerInnen Adjektiva genannt, die dem Charakter der Musik entsprechen. Dabei gibt es keine „falschen“ Adjektiva, weil jeder Zuhörer, jede Zuhörerin Musik mit anderen Emotionen und Bildern verbindet. Nach dem Anhören von weiteren Musiksequenzen geht es dann darum, Bilder zu beschreiben oder gar ganze Szenen zu erzählen, die über die Musik gelegt werden können. Das Feedback wird also immer komplexer gefasst und die Eindrücke vielfältiger aufbereitet. Für eine zeitgemäße Musikvermittlung erscheinen Thomas Heißbauer drei Punkte wesentlich: „Musikvermittlung muss altersgerecht sein, Partizipation ermöglichen und das Orchester als Gesamtheit vermitteln. Es geht darum, das Orchester in seiner ganzen ,Wucht‘, als großen Klangkörper zu vermitteln. Aus diesem Grund sind die Probenbesuche besonders wichtig“, meint er.

Annika LinsWenn die Lehrer über das Angebot informiert sind, dann besteht die Möglichkeit, ein Konzert mit der ganzen Klasse zu besuchen. Die Verknüpfung von Film und Musik finde ich auch einen guten Weg, junge Leute zu begeistern: Bekannte Filme mit E-Musik kombinieren!
Annika Lins

Wenn die Lehrer über das Angebot informiert sind, dann besteht die Möglichkeit, ein Konzert mit der ganzen Klasse zu besuchen. Die Verknüpfung von Film und Musik finde ich auch einen guten Weg, junge Leute zu begeistern: Bekannte Filme mit E-Musik kombinieren!

Jordan NilsonDie Kommunikation sollte auf die jungen Leute abgestimmt werden: Über neue Medien wie Facebook und WhatsApp sind sie viel besser erreichbar. Außerdem wäre es hilfreich, wenn Plakate dort angebracht werden, wo viele Jugendliche sind: im Zug, am Bahnhof, im Bus.
Jordan Nilson

Die Kommunikation sollte auf die jungen Leute abgestimmt werden: Über neue Medien wie Facebook und WhatsApp sind sie viel besser erreichbar. Außerdem wäre es hilfreich, wenn Plakate dort angebracht werden, wo viele Jugendliche sind: im Zug, am Bahnhof, im Bus.

Elisabeth KochJugendliche müssten direkt angesprochen werden, indem zum Beispiel eine Veranstaltung für Jugendliche, ein Verein vielleicht, besucht wird, um die Jugendlichen dort gemeinsam „abzuholen“, denn als Gruppe geht man viel lieber zu so einem Ereignis.
Elisabeth Koch

Jugendliche müssten direkt angesprochen werden, indem zum Beispiel eine Veranstaltung für Jugendliche, ein Verein vielleicht, besucht wird, um die Jugendlichen dort gemeinsam „abzuholen“, denn als Gruppe geht man viel lieber zu so einem Ereignis.

Nele HauckVielleicht lässt sich Filmmusik mit zeitgenössischer E-Musik mischen, indem Musik aus so bekannten Filmen wie Star Wars oder Herr der Ringe aufgegriffen wird. Musik könnte mit Filmen kombiniert werden, zu denen junge Leute Zugang haben, die sie kennen und mögen.
Nele Hauck

Vielleicht lässt sich Filmmusik mit zeitgenössischer E-Musik mischen, indem Musik aus so bekannten Filmen wie Star Wars oder Herr der Ringe aufgegriffen wird. Musik könnte mit Filmen kombiniert werden, zu denen junge Leute Zugang haben, die sie kennen und mögen.

Das Symphonieorchester Vorarlberg engagiert sich für Musikvermittlungsprojekte, die junge Leute adressieren. Foto: Dietmar Mathis
Das Symphonieorchester Vorarlberg engagiert sich für Musikvermittlungsprojekte, die junge Leute adressieren. Foto: Dietmar Mathis
SchülerInnen sprechen mit Thomas Heißbauer über Musikvermittlung.
SchülerInnen sprechen mit Thomas Heißbauer über Musikvermittlung.
Sketches. Tipp: Ein Tanzprojekt mit Jugendlichen. Das Symphonieorchester, das jährlich auch ein größeres Musikvermittlungsprojekt initiiert und veranstaltet, wird in Kooperation mit dem Walk Tanztheater gemeinsam mit und für Schüler und Lehrlinge eine Aufführung zur Musik von Alfred Schnittke erarbeiten, welches am 30. Mai 2017 insgesamt zweimal im Festspielhaus Bregenz aufgeführt wird: www.walktanztheater.com
Sketches. Tipp: Ein Tanzprojekt mit Jugendlichen. Das Symphonieorchester, das jährlich auch ein größeres Musikvermittlungsprojekt initiiert und veranstaltet, wird in Kooperation mit dem Walk Tanztheater gemeinsam mit und für Schüler und Lehrlinge eine Aufführung zur Musik von Alfred Schnittke erarbeiten, welches am 30. Mai 2017 insgesamt zweimal im Festspielhaus Bregenz aufgeführt wird: www.walktanztheater.com
Jubiläum. Das SOV hat im vorletzten Jahr sein 30-jähriges Jubiläum gefeiert. Es hat 120 MusikerInnen und über 1900 Abonnenten. Federführend für die Gründung und den Aufbau des Orchesters war der Dirigent Christoph Eberle, seit 2005 ist Gérard Korsten Chefdirigent und zeichnet für die stete qualitative Weiterentwicklung des Klangkörpers verantwortlich. Es spielt im Wiener Musikverein, im Konzerthaus und auf Tourneen in Spanien oder Italien. Bedeutende InterpretInnen wie Heinrich Schiff, Julia Fischer oder Thomas Quasthoff waren bereits zu Gast.
Jubiläum. Das SOV hat im vorletzten Jahr sein 30-jähriges Jubiläum gefeiert. Es hat 120 MusikerInnen und über 1900 Abonnenten. Federführend für die Gründung und den Aufbau des Orchesters war der Dirigent Christoph Eberle, seit 2005 ist Gérard Korsten Chefdirigent und zeichnet für die stete qualitative Weiterentwicklung des Klangkörpers verantwortlich. Es spielt im Wiener Musikverein, im Konzerthaus und auf Tourneen in Spanien oder Italien. Bedeutende InterpretInnen wie Heinrich Schiff, Julia Fischer oder Thomas Quasthoff waren bereits zu Gast.
Begegnungen. Im Herbst besuchten die 2. und 3. Klassen des Gymnasiums Schillerstraße im Rahmen der Schulpartnerschaft mit dem Symphonieorchester Vorarlberg eine Orchesterprobe im Montforthaus Feldkirch. Davor aber haben bereits Begegnungen mit MusikerInnen des Orchesters in der Schule stattgefunden, wo über besondere Musikstücke gesprochen und sogar gemeinsam musiziert wurde.
Begegnungen. Im Herbst besuchten die 2. und 3. Klassen des Gymnasiums Schillerstraße im Rahmen der Schulpartnerschaft mit dem Symphonieorchester Vorarlberg eine Orchesterprobe im Montforthaus Feldkirch. Davor aber haben bereits Begegnungen mit MusikerInnen des Orchesters in der Schule stattgefunden, wo über besondere Musikstücke gesprochen und sogar gemeinsam musiziert wurde.

zett-be-Umfrage. Wie können junge Leute mit E-Musik erreicht werden?

» Am 14. Juni 2017 findet der österreichweite Aktionstag „Orchester für alle“ – eine Initiative der Arbeitsgemeinschaft Musikvermittlung österreichischer Berufsorchester – an einem öffentlichen Platz in Feldkirch statt. Die SchülerInnen gestalten dazu eine kleine Intervention. Nähere Infos unter: www.gys.at bzw. www.symphonieorchester-vorarlberg.at