„Hier tragen Angestellte Hausschuhe“

Zett_Be / 02.12.2022 • 11:43 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Kontakt zu anderen Freiwilligen hat Sonia aus Spanien (ganz rechts auf dem Bild) das Ankommen in Vorarlberg erleichtert. Privat
Der Kontakt zu anderen Freiwilligen hat Sonia aus Spanien (ganz rechts auf dem Bild) das Ankommen in Vorarlberg erleichtert. Privat

Sonia (27) absolviert einen elfmonatigen ESK-Freiwilligendienst im aha und berichtet von ihren ersten Erfahrungen.

Dornbirn Nach einem tränenreichen Abschied von Verwandten und Freund*innen in Spanien startete ich Mitte September in ein neues Abenteuer. In Dornbirn empfingen mich drei Mitarbeiterinnen mit offenen Armen und einem großen Willkommensbanner. Mich einsam zu fühlen, war eine meiner größten Sorgen gewesen, doch diese Angst verflog dank dem Kontakt zu anderen Freiwilligen in Vorarlberg schnell. „Sharing is caring“ – dieser Satz ergibt für mich mehr Sinn denn je. Wir Freiwillige sitzen alle im selben Boot und werden ein Jahr lang eine Familie sein – so wuchs unsere Gruppe schnell zusammen.

In der ersten Arbeitswoche galt es eine große Menge an Informationen zu verdauen, das ganze Team kennenzulernen und zu verstehen, wie die Organisation funktioniert. Alle waren sehr freundlich und verständnisvoll, sie gaben mir von der ersten Minute an das Gefühl, willkommen zu sein, und halfen mir, mich in meine Aufgaben einzuarbeiten. Mein Fokus liegt auf der Erstellung von Social-Media-Inhalten für die Marketingabteilung.

Deutsch lernen

Die erste große Hürde stellte für mich die Sprachbarriere dar, zumal mein Deutschniveau sehr niedrig ist und die Social-Media-Inhalte in deutscher Sprache verfasst sein müssen. Ich freue mich darüber, dass meine Meinung berücksichtigt wird. Wenn ich eine Idee habe, wird sie in Betracht gezogen und umgesetzt, und wenn ich mich für ein Projekt interessiere, kann ich daran teilnehmen. Ich darf sogar eigene Projekte auf die Beine stellen, was ich gut finde, um eine Idee weiterzuentwickeln und neue Fähigkeiten zu erwerben.

Im Kollegenkreis verwenden wir Englisch als Kommunikationssprache. Die Besprechungen finden auf Deutsch statt – eine meiner Kolleginnen ist dann meine Dolmetscherin. Für die Verbesserung meiner Sprachkenntnisse besuche ich einen Intensiv-Deutsch-Kurs. Mein Ziel ist, gegen Ende meines ESK-Freiwilligendienstes fließend Deutsch zu sprechen.

Positive Erfahrungen

Ich habe in den letzten zweieinhalb Monaten in Vorarlberg schon viele Erfahrungen sammeln können. Zunächst die positiven: Die Natur ist wunderschön, wer sich fürs Skifahren und die Berge begeistert, ist hier genau richtig. Jede Stadt ist von Berglandschaften umringt und es gibt eine Vielzahl atemberaubender Wanderwege. Ich kann es kaum erwarten, dass die Skisaison beginnt, damit ich die Pisten ausprobieren kann. Die Weihnachtszeit ist mir die liebste Zeit im Jahr, daher bin ein großer Fan von Weihnachtsmärkten. Hier kann Glühwein geschlürft, die Cuisine genossen, Handgemachtes gekauft und mit Freund*innen um Feuerstellen gekuschelt werden. Und dann die Süßwaren, oh mein Gott! In Österreich sind Süßwaren ein richtiges Kunsthandwerk, sie sind köstlich, auch wenn mir dafür die herzhaften Speisen nicht so gut schmecken.

Kulturschock und Ungewohntes

Allerdings ist nicht alles schön, ein paar negative Aspekte sind mir auch aufgefallen: Erstens, das Wetter. Es regnet viel, sodass man immer einen Regenschirm dabei haben muss aus Angst vor einem drastischen Wetterumschwung. Da ich aus Spanien komme, bin ich täglich schönes Wetter gewöhnt, ich vermisse die Sonne.

Wer nicht die Mittags- und Abendessenszeiten beachtet, endet bei Restaurants eventuell vor geschlossenen Türen. In Österreich wird zwischen 11.30 und 13 Uhr zu Mittag und abends zwischen 18.30 und 19 Uhr gegessen – ein großer Kulturschock für mich, denn in Spanien essen wir mittags zwischen 14 und 15 Uhr und abends zwischen 21 und 22 Uhr. Zum Schluss noch etwas, das ich merkwürdig an der österreichischen Kultur finde: In der Arbeitswelt tragen viele Angestellte im Büro Hausschuhe. Sie tragen sie den ganzen Tag über, bis es Zeit ist, nach Hause zu gehen, und sie wieder in ihre Straßenschuhe schlüpfen.

Mein bisheriges Fazit: Es ist eine einzigartige Erfahrung und ich kann nur jede*n ermutigen, selbst an einem ESK-Freiwilligenprojekt teilzunehmen.

Sonia Figueras Menendez,

27 Jahre, ESK-Freiwillige im aha

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