Luft wird in kleinen Schritten besser

Wissenschaftliche Studie zeigt teils deutliche Verbesserungen der Luftqualität im Land.
Bregenz. Vorarlbergs Luft wird besser. Das zeigen erste Ergebnisse einer bisher noch nicht veröffentlichten wissenschaftlichen Studie des renommierten Schweizer Luftgüteexperten Jürg Thudium. Demnach ist die Feinstaubbelastung seit 2003 jährlich um 3 Prozent zurückgegangen. Und auch bei den Stickoxiden gibt es einen überwiegenden Trend zu geringeren Konzentrationen, so das Fazit zu den um Wettereinflüsse bereinigten Studien-Ergebnissen. In Summe liege der Rückgang jährlich bei einem Prozent, erklärt dazu Bernhard Anwander, Abteilungsleiter im Umweltinstitut des Landes. Die Verbesserungen bei Stickoxid-Belastungen betreffe allerdings nicht flächendeckend ganz Vorarlberg. „Die Gebiete Feldkirch, Lustenau, Höchst und teils auch Wald am Arlberg sind davon ausgenommen. Hier stellt die Studie eine Stagnation fest“, so Anwander weiter.
Auch die Ozonwerte lagen 2012 an allen Messstellen unter der Informationsschwelle von 180 Mikrogramm. In früheren Jahren war dies nur mit regenreichen Sommern (1999 und 2000) der Fall.
Rückblick: das Waldsterben in den 80er-Jahren sorgte für Schlagzeilen. Hohe Konzentrationen von Schwefeldioxid belasteten die Luft über Vorarlberg. „Heute ist SO2 mit normalen Messgeräten kaum mehr messbar“, sagt Arthur Sottopietra, Luft-Sachverständiger im Umweltinstitut. So sind viele Schadstoffe fast gänzlich verschwunden. „Dafür ist in den letzten Jahren das Feinstaub-Thema aufgekommen“, so der Experte weiter.
Flächendeckende Messungen
Vorarlberg misst die Luftqualität seit Jahren flächendeckend. Acht stationäre und eine mobile Messstelle liefern rund um die Uhr Daten, die für das ganze Land repräsentativ sind.
Eine der acht Anlagen steht in Sulzberg – eine Hintergrundmessstelle, die ländliches Siedlungsgebiet in mittleren Höhenlagen abbildet. Einmal tief Luft holen. Oberhalb der Nebelgrenze herrscht Postkartenwetter. Es gibt keine nennenswerten lokalen Emissionen. Fernab von Straßenverkehr und Industrieabgasen muss die Luftqualität besonders gut sein. Das würde man jedenfalls meinen. Die
aufgezeichne-
ten Daten zeigen jedoch ein anderes Bild. Die Ozonbelastung ist hoch. „Obwohl es vor Ort keine Belastungsquellen gibt, kriegen diese Gegenden das Ozon ab“, so Arthur Sottopietra. Er spricht von großräumigen Einflüssen der Ballungszentren zwischen dem Rheintal und München.
Auch wenn es 2012 keine Überschreitungen der Informations- und Alarmschwellwerte gab, wurde an 42 Tagen der Zielwert (120 Mikrogramm) überschritten. Und es sei kein wirklicher Trend eines Rückgangs feststellbar, so Bernhard Anwander. Anders bei Feinstaub und Stickoxiden. Hier sind die ohnedies niedrigen Werte rückläufig bzw. stagnierend.
Maßnahmen greifen
Ortswechsel nach Feldkirch. An der Bärenkreuzung geht es weit weniger idyllisch zu. Die Verkehrsbelastung ist enorm. Erschwerend kommt der enge Taleinschnitt dazu. Feldkirch ist von der Charakteristik ein „Belastungs-Hotspot“. Das dokumentieren seit Jahren auch die Messdaten. Überschreitungen bei Stickoxiden und Feinstaub sind seit 2003 die Regel. Maßnahmen sind längst eingeleitet. Landesweite Bemühungen zur Schadstoffreduzierung zählen ebenso dazu wie lokale. Darunter etwa Tempolimits, Lkw-Durchfahrtsverbote
oder die Umgestaltung der Bushaltestellen an der Kreuzung. Das alles trägt Früchte. Wenn auch langsamer als gedacht. So liegt der Rückgang der Stickoxid-Belastung in Feldkirch jährlich bei einem Prozent, die Feinstaubbelastung ist um 4,5 Prozent pro Jahr zurückgegangen.
Für die Experten des Umweltinstitutes gibt es im Wesentlichen zwei Gründe, warum die Fortschritte nur in kleinen Schritten erfolgen. Zum einen liege es an der konstanten Verkehrszunahme, zum anderen an der schleppenden Entwicklung schadstoffarmer Verbrennungsmotoren. Die EU sei bei der Festlegung der Grenzwerte von einer rascheren technischen Entwicklung ausgegangen. Mit der Einführung der EURO6-Motoren werde es allerdings spürbare Verbesserungen geben, glauben Anwander und Sottopietra.
Verlagerung der Belastung
Zurück zu den Messstationen des Landes. An fast allen sind über die Jahre Rückgänge der Belastungen festzustellen. Es gibt allerdings auch Verschiebungen. Mit der Stauverlagerung Richtung Oberland sind in Wald am Arlberg jetzt erstmals Überschreitungen der Stickoxid-Werte registriert worden. Eine Statuserhebung läuft, Maßnahmen werden diskutiert.
In Vorarlberg selbst läuft seit 2005 ein umfangreiches Maßnahmenprogramm zur Reduzierung der Schadstoffemissionen. Der 30+1-Punkte-Katalog umfasst Maßnahmen bei der Straßenreinigung und dem Winterdienst genauso wie im Bereich der Holzfeuerungen, bei den Verkehrslenkungen oder beim Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). So wurde die gesamte Busflotte mit Dieselpartikelfiltern nachgerüstet. Das haben auch viele Private getan. Die ersten Erfolge zeigen sich jetzt mit dem markanten Rückgang der Feinstaubbelastung.
Die Motoren-Entwicklung läuft nicht mit EU-Prognosen konform.
Arthur Sottopietra

