Tierschützer „retten“ zwei Kälber vor Export

„Ungewollte Kälber“: Tierschützer setzen sich für ein würdevolles Leben der Tiere ein.
Schwarzach. (VN-mig) Das Schicksal der „ungewollten Stierkälber“ im Land bewegt immer mehr Vorarlberger. Weil sich die Kälbermast in Vorarlberg nicht lohnt, werden die Tiere zu Tausenden nach Italien oder Spanien verkauft. Für ein paar Euro sollten auch „Franzi“ und „Gitti“ auf einen Transporter verladen werden. Dass dies nicht geschehen ist, haben die beiden Kälber Andrea Frick und Michaela Bonmassar vom Tierschutzverein Rankweil zu verdanken. „Sie werden jetzt bei uns aufgezogen“, so die Tierschützerinnen. „Ein ,nutzloses‘ Leben, aber kein sinnloses“, sagt Frick. Schließlich sollen die beiden Kälber dabei helfen, auf die Problematik der ungewollten Stierkälber aufmerksam zu machen.
Immer weniger Mastbetriebe
So sei zwar die Nachfrage nach Kalbfleisch groß, die Mast der Tiere lohne sich aber nicht. „Das Tränken eines Kalbes kostet den Landwirt beim aktuellen Milchpreis hochgerechnet rund 950 Euro, der Erlös für ein Tier liegt aber nur bei 600 Euro“, rechnen die beiden vor. Da verwundere es nicht, dass es immer weniger Mastbetriebe gibt.
Andererseits gehe es aber darum, respektvoll mit den Tieren umzugehen. Die Kälber einfach im Alter von zwei Wochen auf einen Transporter zu stellen, könne keine Lösung sein.
„Die Kälber sind teils über 24 Stunden ohne getränkt zu werden unterwegs. Das muss verhindert werden.“ Viele der Tiere überleben den Transport nicht, werden bei Zwischenaufenthalten aussortiert. Am Zielort, so die Informationen der Tierschützer, würden die Tiere mit allem aufgefuttert, was im Land verboten sei.
Schuld an der Misere habe die falsche Agrarpolitik. „In Vorarlberg liegt der Fokus ganz auf der Milchproduktion, die 250 Prozent des Eigenbedarfes erreicht hat.“ Die Fleischproduktion liege dagegen nur bei 20 Prozent. Ein Umstieg auf Zwei-Nutzungsrassen wäre aus Sicht der Tierschützer sinnvoll. „Es gibt einen Fleischbedarf. Es wird auch in Zukunft nicht ausschließlich Veganer im Land geben“, ist Michaela Bonmassar realistisch. Die aktuelle Situation sei allerdings unhaltbar. „Die Stierkälber sind das Abfallprodukt der Milchwirtschaft“, sagt sie.
Der Rankweiler Tierschutzverein versucht, mit der heimischen Landwirtschaft zu kooperieren. Man mache es sich viel zu einfach, die ganze Schuld bei den Bauern zu suchen. Vielmehr solle man das eigene Konsumverhalten überdenken. „Wenn schon Kalbfleisch, dann soll den Tieren bis zur Schlachtung wenigstens ein würdevolles Leben in Vorarlberg ermöglicht werden.“
Ein Schicksal, das den fünf Wochen alten Kälbern „Franzi“ und „Gitti“ gewährt wird.