Jeden Tag fünf neue Bewohner im Land

Vorarlberg / 22.04.2014 • 18:46 Uhr

Vorarlberger Bevölkerung wächst konstant. Große Unterschiede zwischen Gemeinden.

Schwarzach. Allein heute wird Vorarlberg um fünf Personen wachsen. Seit zehn Jahren schon ist das nun jeden Tag so. 18.453 Personen haben seither in Vorarlberg einen neuen Hauptwohnsitz. In Summe macht das 376.347 erste Wohnsitze – 2498 (+ 0,7 Prozent) mehr als noch im Jahr davor. Noch dynamischer zugelegt haben die „weiteren Wohnsitze“. Sie sind um 6,2 Prozent auf 28.015 angewachsen.

Bei den Hauptwohnsitzen fällt die Verteilung innerhalb der Gemeinden höchst unterschiedlich aus. Während Regionen wie Arlberg/Klostertal und das Montafon unter Abwanderung leiden, boomen die wirtschaftlich starken Ballungszentren wie das Rheintal und der Walgau. Vier von fünf der neuen Bewohner lassen sich hier nieder, wie jüngste Daten der Landesstatistik zeigen.

VN-Daten-Analyse

Mehr Geburten- als Sterbefälle (plus 1014) und mehr Zu- als Abwanderung (plus 1484) treiben die Bevölkerungszahl in die Höhe. Der VN-Datenreport zeigt, welche Gemeinden besonders davon profitieren konnten und wo gegen Abwanderung angekämpft wird.

So liegt im Zehn-Jahresvergleich das Plus an Hauptwohnsitzen im ganzen Land bei 5,2 Prozent. Einzig im Bezirk Bludenz ist die Bevölkerungszahl zurückgegangen (minus 0,5 Prozent). 18 der 29 Gemeinden des Bezirkes haben mit einem Minus zu kämpfen. Eine der Ausnahmen ist Ludesch, mit einem Plus von 15,2 Prozent Zweiter im Wachstumsranking unter allen Vorarlberger Gemeinden. Starke Wirtschaftsbetriebe und größere Wohnbauprojekte sowie teils moderate Grundstückspreise hätten ihre Wirkung nicht verfehlt, sagt Bürgermeister Dieter Lauermann. „Aktiv werden wir jetzt kein Wachstum mehr betreiben. Wir müssen die Infrastruktur auf Schiene bringen“, so der Gemeindechef zu den wachsenden Herausforderungen für die Kommune.

Sorgen, die andere Bürgermeister gerne hätten. In Klösterle wird zwar auch kräftig in die Infrastruktur investiert. Der Grund ist allerdings ein anderer. „Wir kämpfen um jeden Hauptwohnsitz“, sagt Bgm. Dietmar Tschohl. Mit einem Minus von 12,2 Prozent hat der Ort mit Abwanderung zu kämpfen. Tschohl macht die Arbeitsplatzsituation als Hauptproblem aus. „Wir müssen die Voraussetzungen schaffen, dass die Familien im Dorf bleiben“, so der Gemeindechef. Kinderbetreuung zählt da ebenso dazu wie etwa ein neues Schwimmbad. „Wir investieren in die Attraktivität des Ortes.“

Das macht auch Martin Netzer in Gaschurn. Auch das Montafon zählt zu den Talschaften, die um jeden Bewohner kämpfen müssen. „Wichtig ist, leistbares Wohnen zu ermöglichen“, so der Bürgermeister, der zuletzt auf erfolgreiche Bauprojekte verweisen kann.

Und in den anderen Bezirken? Bregenz liegt mit einem Plus von 4,8 Prozent (5946 Bewohner) leicht unter dem Landesschnitt. Neun der 40 Gemeinden verzeichnen sogar einen Rückgang bei Hauptwohnsitzen, am stärksten betroffen ist Warth mit -18,2 Prozent. Die anderen legen teils deutlich zu.

Im Bezirk Feldkirch liegt das Plus innerhalb der letzten zehn Jahre bei 6,4 Prozent (6103 Personen). Nur fünf der 24 Gemeinden haben Bewohner verloren.

Mit einem Plus von 8,6 Prozent (6684 Personen) ist Dornbirn der Wachstumstreiber unter den Bezirken. 3822 neue Hauptwohnsitze gehen allein auf das Konto der ­Messestadt.

Attraktives Zuwandererland

Vorarlberg ist ein Zuwandererland. Immer mehr Menschen legen ihren Lebensmittelpunkt ins Ländle. Die stärkste Gruppe sind mittlerweile die Deutschen mit 14.885 Hauptwohnsitzen, gefolgt von Türken (13.515).

Auch beim Ausländeranteil gibt es innerhalb der Gemeinden große Unterschiede. Während er in Bregenz bei 21 Prozent liegt, kommt die Kleingemeinde Buch nur auf einen Anteil von 3,3 Prozent.

Wir kämpfen um jeden einzelnen Wohnsitz im Ort.

Dietmar Tschohl, Klösterle