Spitalsärzte wollen weiterhin verlängerte Dienste schieben

Empfehlung der Kammer zeigte Wirkung.
90 Prozent optierten aus EU-Regelung.
Dornbirn. (VN-mm) Die Umstellung der Arbeitszeit für Krankenhausärzte von 72 auf EU-konforme 48 Wochenstunden dürfte in Vorarlberg weniger Probleme bereiten als befürchtet. Der Empfehlung der Ärztekammer, einen bis September 2015 begrenzten Austritt aus der neuen Arbeitszeitvorschrift zu unterschreiben, ist ein Großteil der 700 angestellten Spitalsärzte gefolgt (die VN berichteten). In den Landeskrankenhäusern haben laut Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) 90 Prozent der Ärztinnen und Ärzte dafür optiert. Nach derzeitigem Auswertungsstand liegt die Rate in Feldkirch, Bludenz und Hohenems bei über 90, in Rankweil und Bregenz bei 75 Prozent.
Die Frist verlängert
Das bedeutet, dass in diesen Häusern auch ab Jänner mehr als die dann gesetzlich erlaubten Stunden gearbeitet wird. Das Krankenhaus Dornbirn hat die Frist zur Entscheidung für seine gut 120 Ärzte zwar bis 31. Dezember 2014 verlängert: „Wir befinden uns aber ebenfalls auf einem guten Weg“, lautet die zuversichtliche Prognose aus der Kommunikationsabteilung. Dass nicht alle Ärzte optierten, liegt unter anderem daran, dass es zahlreiche Teilzeitbeschäftigte gibt, die schon jetzt nicht mehr als 48 Stunden arbeiten.
Während in anderen Bundesländern die Spitalsärzte auf die Barrikaden gingen, und noch immer zähe Gehaltsverhandlungen geführt werden müssen, schlug die Ärztekammer in Vorarlberg einen moderateren Weg ein. Sie gab an die angestellte Kollegenschaft die einstimmig beschlossene Empfehlung aus, sich befristet aus der EU-Regelung zu verabschieden. Das soll den Krankenhausträgern genügend Zeit für die nötigen Strukturveränderungen einräumen. Dafür musste sich Spitalsärztesprecher Hermann Blaßnig zwar auch den Vorwurf gefallen lassen, einen Kuschelkurs zu fahren. Aber: „Im anderen Fall hätten wir das vertraglich erstrittene Arbeitszeitprojekt, das derzeit läuft, selbst torpediert“, sagt er. Die Krankenhausbetriebsgesellschaft will dazu bis April 2015 erste Ergebnisse und Lösungen vorlegen.
Dienste und Überstunden
Zudem erkannte die Standesvertretung der Ärzte die bereits durchgeführte Gehaltsreform an. Noch offen ist allerdings die Frage der Abgeltung von Diensten und Überstunden. „Es darf keinen Einkommensverlust geben“, betont Blaßnig in diesem Zusammenhang. Für die Implementierung der 48-Stunden-Woche gibt es in Österreich eine Übergangsfrist bis 2021. Das Land will jedoch bereits 2016 gerüstet sein.