In Vorarlberg kommt meist der Beste zum Zug

Billigbieter-Prinzip in Vorarlberg kein Thema, aber Ärger über Handwerker-Bonus.
Schwarzach. Die öffentliche Hand soll Bauaufträge nicht automatisch an die günstigste Firma vergeben – das führe dazu, dass „billiges Fremdpersonal“ aus Osteuropa angeheuert werde und heimische Gewerbebetriebe vermehrt durch die Finger schauen, monieren Gewerkschaft und Wirtschaftskammer Österreich. Gemeinsam machen sie für das sogenannte Bestbieterprinzip mobil. Das ist in Vorarlberg bereits gelebte Realität.
Dass Firmen öffentliche Aufträge bekommen, nur weil sie ein billiges Angebot legen, sei vielmehr im Osten Österreichs der Fall, betont Thomas Peter, Spartengeschäftsführer für das Gewerbe und Handwerk in Vorarlberg. „Bei uns gilt in der Regel das Bestbieterprinzip. Dabei steht nicht immer der günstigste Preis, sondern auch Lehrlingsbeschäftigung oder Referenzprojekte im Vordergrund“, so Peter. Er habe den Eindruck, dass die öffentlichen Stellen Wert darauf legen, in einem vernünftigen Rahmen Aufträge im Land zu vergeben. Ausnahmen gebe es nur, wenn die Betriebe aufgrund einer überhitzten Konjunktur zu viel Arbeit hätten. Auch Probleme mit Lohndumping, also das Unterschreiten eines ortsüblichen Lohns, gebe es in Vorarlberg kaum.
Die Stimmung im Gewerbe und Handwerk bezeichnet Peter indes als gut, allerdings versehen mit einem „aber“. „Ich denke, der Markt wird sich beruhigen. Denn das leistbare Wohnen wird zusehends zum Problem“, berichtet Peter. Es werde zwar versucht, verstärkt Mietwohnungen zu bauen, die Nachfrage nach Investorenwohnungen lasse allerdings nach. Und beim Neubau machen die steigenden Preise zu schaffen, genauso wie die Tatsache, dass die Banken mittlerweile 30 Prozent an Eigenmittel verlangen würden. „Früher waren es noch zehn Prozent“, so Peter. Zudem spüre man beim kommunalen Bau die leeren Kassen der Gemeinden und Städte.
„Milchmädchenrechnung“
Dass der Handwerkerbonus spürbare Impulse bringt, davon ist Peter nicht überzeugt. „Ich bin sicher, dass er nicht das bringt, was sich die Politiker davon erwarten.“ Jedenfalls sehe er darin kein wirksames Mittel, um die Schwarzarbeit zu reduzieren. Denn die 600 Euro an Steuerersparnis seien zu wenig und der Verwaltungsaufwand zu groß. „Der ursprüngliche Gedanke war gut, aber in der Form kann ich mir nicht vorstellen, dass es dadurch einen Auftrag mehr gibt“, spricht Peter von einer Milchmädchenrechnung.
Mit Land und Gemeinden besteht ein gutes Einvernehmen.
Thomas Peter, WKV