Mehr Sicherheit statt Wegelagerei im Blitzgewitter

Vorarlberg / 29.11.2017 • 22:23 Uhr
Hard ist mit Radarboxen schon gut bestückt. VN/Schuster
Hard ist mit Radarboxen schon gut bestückt. VN/Schuster

Immer mehr Gemeinden werden gegen Raser aktiv. Droht Radarboxenschwemme?

Schwarzach Hard ist, abgesehen vom Verkehrsfluss auf der Rheinstraße, grundsätzlich ein recht ruhiges Pflaster, gesäumt von verkehrsberuhigten Zonen mit Geschwindigkeitsbeschränkungen im Bereich von 30 bis 40 km/h. Aber dann das: Ein Autofahrer raste mit 120 km/h durch die 40 km/h-Beschränkung, und das nicht als Einzelfall, bis das Rathaus reagierte. Es schaffte in Eigenregie und auf eigene Kosten fünf Radarboxen an. Seit einem Jahr registrieren die Geräte Verkehrssünder auf Gemeindestraßen. Geblitzt wird mit einem Messgerät, mit dem die Boxen abwechslungsweise bestückt werden. Seither sind rund 5000 Anzeigen bei der Bezirkshauptmannschaft Bregenz eingegangen. Das wirkte: „Spitzen wie 120 km/h sind seitdem Geschichte“, sagt der Harder Amtsleiter Martin Vergeiner: „Die Durchschnittsgeschwindigkeiten sind überhaupt deutlich runtergegangen, und das sehr zur Freude der Bevölkerung.“ Also keine Abzocke oder Wegelagerei im Blitzgewitter.

Kooperationsmodell

Doch eigentlich sind Geschwindigkeitsüberwachungen schon lange keine Sache der Gemeinden mehr, zumindest bis zum Jahr 2008, als ein Bescheid der Datenschutzkommission dieser Praxis einen Riegel vorschob. Arbeitet die Kommune allerdings mit der Verkehrsbehörde und der Polizei zusammen, kann sie heute nach wie vor selbst für die Verkehrsüberwachung sorgen. Das nennt sich „Kooperationsmodell“, ein Modell, das für immer mehr Gemeinden interessant wird. Und zwar im Sinne der Reduktion von Verkehrsunfällen und der gleichzeitigen Senkung des volkswirtschaftlichen Schadens, wie der Initiator, die Österreichische Forschungsgesellschaft Straße-Schiene-Verkehr (FSV) argumentiert. Mittels Fachtagungen mit Verkehrsexperten wird versucht, das Kooperationsmodell noch mehr Gemeinden schmackhaft zu machen.

Einmaliger Kostenaufwand

Nach Hard folgt in Vorarlberg jetzt Bürs. Für die Kommunen bedeutet dieser Schritt zu mehr Verkehrssicherheit einen einmaligen Kostenaufwand. So ist die Gemeinde nur für die Anschaffung der Geschwindigkeitsmessgeräte zuständig, die Übertretungen selbst werden von Polizei und Sicherheitswachen, sprich Verkehrsbehörde, exekutiert. 20 Prozent der Strafgelder gehen an die Polizei, der Rest an die Gemeinde.

Wird allerdings auf Bundes- oder Landesstraßen geblitzt, kommen die Bußgelder dem jeweiligen Straßenerhalter zugute. Lieferant der Messgeräte ist das Unternehmen „Jenoptik“, deren Vertreter Benno Schrief und Andreas Hartl die VN über die ersten Schritte informierten: „Zunächst werden mit den interessierten Gemeinden Risikozonen eruiert und Verkehrssicherheitskonzepte erstellt.“

Mario Leiter, Vizebürgermeister von Bludenz, zertifizierter Verkehrssicherheitsexperte und Bundesvorsitzender der Gemeindesicherheitswachen ist ein akribischer Verfechter des Kooperationsmodells: „Verkehrssicherheit funktioniert nur, wenn sie kontrolliert wird.“ Diese Kontrolle kann auch von den Gemeindesicherheitswachen durchgeführt werden. Leiters Wunschziel: Zukünftig für jede Kommune eine Gemeindesicherheitswache oder zumindest die Möglichkeit ihrer regionalen Vernetzung.

„Verkehrssicherheit funktioniert nur, wenn sie kontrolliert wird.“

Mehr Sicherheit statt Wegelagerei im Blitzgewitter