Ein Haus als Vermächtnis

Kultur / 19.03.2026 • 13:01 Uhr
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Mit „Die Arik Brauer Villa. Ein Gesamtkunstwerk” legt Timna Brauer eine ebenso persönliche wie kenntnisreiche Annäherung vor.Brandstätter Verlag

Timna Brauer gestaltete einen aufwendigen Bildband über die Arik-Brauer-Villa.

Wien Die Villa im Wiener Cottage-Viertel ist kein Museum im herkömmlichen Sinn, sie ist ein begehbares Bekenntnis zur Kunst. Mit dem Bildband „Die Arik Brauer Villa. Ein Gesamtkunstwerk” legt Timna Brauer nun eine ebenso persönliche wie kenntnisreiche Annäherung an diesen besonderen Ort vor. Seit 2012 leitet sie das Arik Brauer Museum im ehemaligen Wohnhaus ihrer Eltern und bewahrt dort das Werk ihres Vaters, der 2021 in Wien starb. Kurz vor seinem Abschied hatte er sie gebeten, dieses Buch zu realisieren. Es ist Vermächtnis und Liebeserklärung zugleich.

Der Band führt durch alle Bereiche des Hauses und des angrenzenden Skulpturenparks. An den Fassaden leuchten Wandgemälde auf Fliesen, im Inneren begegnet man Kindheitsaquarellen, Jugendwerken sowie dem malerischen und bildhauerischen Hauptwerk. Die Beletage öffnet Räume, die einst privat waren: die Garderobe mit Arbeiten von Weggefährten der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, das Stiegenhaus mit dem Tempera-Zyklus „Die Zauberflöte“, das Porträt- und Möbelkabinett, die Küche mit bemalten Fliesenwänden, der Speiseraum mit Werken der Töchter und schließlich das Atelier als Herzstück des Hauses. Draußen setzen Keramikfiguren, Reliefs und ein Bronzeguss markante Akzente.

Was hier sichtbar wird, ist jedoch nur ein kleiner Ausschnitt aus einem kaum zu überblickenden Œuvre. Über 2.000 Öl- und Tempera-Gemälde, Hunderte Zeichnungen und Grafiken, Skulpturen, Schmuck, Möbel- und Objektdesign, Musikinstrumente, Bühnenbilder, Kostümentwürfe und Kunst im öffentlichen Raum zeugen von einer außerordentlichen Produktivität. Zu den spektakulärsten Projekten zählt das Einkaufs- und Kulturzentrum CASTRA im Süden von Haifa, für das Arik Brauer mehr als 300 Quadratmeter Fliesenmalerei schuf, was einen Weltrekord darstellt.

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Arik Brauer, 1929 in Wien geboren, überlebte als jüdisches Kind die Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Diese Erfahrung prägte sein Werk nachhaltig. Nach seinem Studium an der Akademie der bildenden Künste wurde er zu einem der zentralen Vertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, einer Richtung, die altmeisterliche Technik mit surrealen Bildwelten verbindet. Seine detailreichen, oft märchenhaft überhöhten Szenen erzählen von Bedrohung und Hoffnung, von Macht und Ohnmacht und sind bevölkert von Mischwesen und Symbolfiguren.

Brauer war jedoch weit mehr als ein Maler. Er war auch Bildhauer, Grafiker, Architekt, Bühnenbildner, Literat, Liedermacher und Sänger – ein Künstler, der sich einmischte und Stellung bezog. Mit Wiener Schmäh und hintergründigem Witz sang er gegen Engstirnigkeit und Vergessen an.

Der Bildband macht deutlich, wie sich in der Villa Leben und Werk unauflöslich verschränken. Seit dem Spätherbst 2025 sind die Beletage und das Atelier im Rahmen von Führungen zugänglich. Mithilfe von QR-Codes im Buch kann man zudem Brauers Musik hören. So entsteht ein vielschichtiges Porträt eines Ausnahmekünstlers, dessen Haus selbst zum Gesamtkunstwerk geworden ist – lebendig, farbenprächtig und von bleibender Haltung.