Architektur als Haltung

Kultur / 21.04.2026 • 14:54 Uhr
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Anna Heringers Projekte waren unter anderem im MoMA New York und auf der Biennale in Venedig zu sehen. Gerald von Foris

„Anna Heringer: Form Follows Love“ ab Donnerstag im Vorarlberger Architekur Institut.

Dornbirn Mit der Ausstellung „Anna Heringer: Form Follows Love“ widmet das Vorarlberger Architektur Institut in Dornbirn einer der profiliertesten Architektinnen der Gegenwart eine umfassende Schau. Vom 24. April bis 19. September gibt die Ausstellung Einblick in das Werk der international tätigen Architektin und in einen Ansatz, der Bauen nicht bloß als formale oder technische Disziplin versteht, sondern als soziales und kulturelles Handeln. Bereits der Titel bringt diese Haltung auf den Punkt: „Form Follows Love“ steht bei Anna Heringer für eine Architektur, die auf Achtsamkeit, Verantwortung und Vertrauen gründet.

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Die METI School in Bangladesch hat die Architektin als Diplomarbeit an der Kunstuniversität Linz entworfen.Kurt Hoerbst”

Im Zentrum der Ausstellung stehen Heringers Bauten, Kooperationen und Arbeitsweisen. Vorgestellt werden Projekte, in denen lokale Ressourcen, handwerkliches Wissen und gemeinschaftliche Prozesse eine zentrale Rolle spielen. Architektur erscheint dabei nicht als abgeschlossener Entwurf, der von oben verordnet wird, sondern als ein gemeinsamer Prozess, der aus dem Ort, seinen Materialien und den Menschen heraus entwickelt wird. Gerade diese Verbindung von Nachhaltigkeit, sozialer Verantwortung und kultureller Verankerung hat Anna Heringer international bekannt gemacht.

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Kurt Hoerbst”

Berühmt wurde die Architektin mit der METI School in Bangladesch, die sie als Diplomarbeit an der Kunstuniversität Linz entworfen hat. Das Projekt wurde zum Ausgangspunkt einer Arbeit, die seither in Asien, Afrika und Europa weitergeführt und vielfach ausgezeichnet wurde. Heringer setzt auf natürliche Baumaterialien wie Lehm, Bambus und Holz und verbindet diese mit dem Anspruch, die Nutzerinnen und Nutzer aktiv in den Bauprozess einzubeziehen. Architektur wird bei ihr zum Werkzeug, um Lebensbedingungen zu verbessern, wie sie selbst sagt.

Internationale Präsenz

Ein eigener Teil der Ausstellung ist der Methode „Claystorming“ gewidmet, die Anna Heringer gemeinsam mit dem Lehmbauexperten Martin Rauch entwickelt hat. Dabei werden Entwurf, Intuition und kollektive Erfahrung miteinander verknüpft. Der gestalterische Prozess wird aus dem Denken mit den Händen heraus entwickelt und eröffnet einen Zugang, in dem Materialerfahrung und räumliche Vorstellung unmittelbar zusammenfinden. Gerade in dieser Arbeitsweise zeigt sich, wie sehr Heringers Architektur vom Dialog, vom Ausprobieren und von gemeinsamer Erkenntnis lebt.

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Günter König

Darüber hinaus beleuchtet die Ausstellung Heringers Lehrtätigkeit, die sie unter anderem an der Universität Liechtenstein, an der Harvard University, an der ETH Zürich und an der TU München ausgeübt hat. Thematisiert wird auch die Rezeption ihres Werkes im globalen Norden, wo ihre Bauten und ihre Haltung als Impuls für neue Formen nachhaltigen Bauens, Lernens und kultureller Zusammenarbeit gelesen werden.

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Günter König

Kuratiert wurde die Ausstellung von Dominique Gauzin-Müller, Clemens Quirin und Verena Jakoubek-Konrad. Eröffnet wird sie am Donnerstag, 23. April, um 19 Uhr. Im Rahmen der Eröffnung sprechen Verena Jakoubek-Konrad, Dominique Gauzin-Müller im Gespräch mit Anna Heringer, David Marold vom Birkhäuser Verlag sowie Clemens Quirin vom afo architekturforum oberösterreich. Begleitend gibt es Ausstellungsgespräche, eine kuratierte Lesezone sowie Workshops für Kinder im Rahmen des Kindersommers. Dass Anna Heringers Arbeit weit über den engeren Architekturdiskurs hinauswirkt, zeigt auch ihre internationale Präsenz: Ihre Projekte waren unter anderem im MoMA New York, in der Cité de l’architecture in Paris, im Museo ICO in Madrid, im V&A Museum in London und auf der Biennale in Venedig zu sehen. Ausgezeichnet wurde sie unter anderem mit dem Aga Khan Award for Architecture, dem Global Award for Sustainable Architecture und dem Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik.