Geschichten des Unterwegsseins

Die emsiana 2026 verbindet Kunst, Geschichte und persönliche Erfahrungen.
Hohenems Die emsiana 2026 widmet sich vom 21. bis 24. Mai in Hohenems dem Thema der “Reisenden” und entfaltet daraus ein dichtes Kulturprogramm, das sich über Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, Führungen und Familienangebote erstreckt. Neu im Programm sind Film, Disco und Tanz. Das Kulturfest bespielt dabei nicht nur bekannte Plätze, sondern auch besondere, teils verborgene Orte im Zentrum der Stadt und lädt die Besucherinnen und Besucher zu einer Entdeckungsreise durch Hohenems ein. Der Kartenvorverkauf hat bereits begonnen. Die Eröffnungsrede hält Irene Aue-Ben-David, die neue Leiterin des Jüdischen Museums Hohenems.

Ausgangspunkt ihrer Festrede ist das bekannte Zitat “Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen.” Es verweist auf Erfahrungen, die auch die Geschichte von Hohenems geprägt haben: Wanderlust, Auswanderung, Flucht und Vertreibung. Die emsiana 2026 greift diese vielfältigen Formen des Unterwegsseins auf und verbindet sie mit Musik, Architektur, Geschichte und Kunst.

Initiator Markus Schadenbauer verweist darauf, dass das Thema der Reisenden der Stadt in vielerlei Gestalt eingeschrieben sei. Gerade in Zeiten der Revitalisierung werde Hohenems wieder für Menschen von nah und fern attraktiv. Das Kulturfest richte daher den Blick auf jene, die kommen und gehen, freiwillig oder gezwungen, mit Ziel oder ohne. Traditionell beginnt die emsiana mit dem Hohenemser Lied “Abschied von Ems”.

Ein Schwerpunkt des Festivals liegt auf bildender Kunst an ungewöhnlichen Orten. An insgesamt 14 Stationen zeigen Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten an Schauplätzen, die im Alltag leicht übersehen werden. Im Löwenbergkeller setzen sich Lucia Buchberger, Anna Lalouschek, Verena Repar und Kristin Wadlig mit dem Reisen als Zustand des Dazwischen auseinander. Im Gebeinhaus nähert sich das Duo Heller.Ulmer dem Begriff Heimweh an. Auf der Ruine Alt-Ems präsentiert Aaron Stöckel seine “Wanderbilder”, deren Konzept Bewegung unmittelbar einbezieht: Die Originale können von den Besucherinnen und Besuchern ausgeliehen werden, während auf dem Schlossberg jeweils eine Replik verbleibt.

Auf dem Kirchplatz zeigt Roland Adlassnigg seine Rauminstallation “Der Ring”, ein offenes Gefüge aus instabilen Möbeln. Diese Installation bildet zugleich die Kulisse für Silvia Salzmanns Tanzperformance “Perfect Match”, die sich mit häuslicher Gewalt und dem prekären Verhältnis von Sicherheit und Unsicherheit auseinandersetzt.

Auch das Erzählen und Zuhören stehen im Zentrum der emsiana. Im Erzählbus im Jüdischen Viertel, einem alten Ford Transit, können Besucherinnen und Besucher eigene Reiseerlebnisse teilen oder sich Geschichten erzählen lassen. Der gebürtige Hohenemser Schriftsteller Jürgen-Thomas Ernst führt auf den Spuren seines Romans “Anima” durch das Hohenems des 19. Jahrhunderts. Hanno Loewy verbindet eine Videoaufzeichnung aus mediterranen Landschaften mit einer Lesung aus Béla Balázs’ “Ein Baedeker der Seele”.

Ergänzt wird das Programm durch drei Kurzfilme im Schaufensterkino in der Harrachgasse, eine Time-Travel-Disco mit DJ Schamani sowie mehrere Konzerte. Dietmar Illmer nähert sich dem Leitthema musikalisch, kabarettistisch und literarisch. “The Disorientalists” zeichnen die verschlungenen Wege des Schriftstellers Essad Bey nach. Weitere musikalische Akzente setzen Quadro Nuevo, das Quartett emsiana und die Singer-Songwriterin Philomena Juen. Führungen durch den Palast, über den Jüdischen Friedhof und eine Fahrradtour nach Diepoldsau runden das Festival ab.