Literatur gegen die Macht der alten Bilder

Kultur / 13.05.2026 • 14:51 Uhr
Anne_Sauer_Foto_Tara_Wolff.jpg
Am Freitag, 22. Mai, steht Anne Sauers Debütroman „Im Leben nebenan“ im Mittelpunkt.Tara Wolff

Drei Abende unter dem Motto „Patriarchale Mythen. Eine literarische Spurensuche“ am Saumarkt.

Feldkirch Patriarchale Mythen sind zäh, weil sie sich selten als solche zu erkennen geben. Sie stecken in Bildern, Gewohnheiten und Rollen, die als selbstverständlich gelten, in Vorstellungen von Normalität, Körper, Herkunft, Liebe, Mutterschaft und Macht. Genau diesen oft unsichtbaren Erzählungen widmen sich die Feldkircher Literaturtage, die vom 21. bis zum 23. Mai im Theater am Saumarkt stattfinden. Unter dem Motto „Patriarchale Mythen. Eine literarische Spurensuche” laden drei Abende dazu ein, jene Muster zu hinterfragen, die unser Zusammenleben bis heute prägen, und zu zeigen, was Literatur kann, wenn sie eingefahrene Deutungen verschiebt.

Rebekka Endler (c) Andrew Collberg.jpg
Rebekka Endler sucht in „Witches, Bitches, It-Girls“ nach den Ursachen patriarchaler Ordnung.Andrew Collberg

Den Auftakt macht am Donnerstag, dem 21. Mai um 19.30 Uhr, der Abend „Warum das Patriarchat kein Mythos ist“. Zu Gast sind Rebekka Endler und Svea Mausolf. Endler wurde 2021 mit ihrem Buch „Das Patriarchat der Dinge“ bekannt. In „Witches, Bitches, It-Girls“ sucht sie nach den Ursachen patriarchaler Ordnung und blickt dabei auf die Menschheitsgeschichte, Kunstkanons, Normalitätsbegriffe, die Cancel-Culture und Transfeindlichkeit. Sie fragt, wie patriarchale Mythen täglich stabilisiert werden. Svea Mausolf, vielen als Meme-Queen @sveamau bekannt, führt in „Image” mitten in eine bürgerliche Gegenwart, in der Rich Kids, Millennials und Boomer unter spätkapitalistischen und patriarchalen Prägungen stehen und die Frage aufwerfen, wer hier eigentlich das Monster ist.

Erwartungen, Konflikte und Zuschreibungen

Am Freitag, 22. Mai, um 19.30 Uhr steht Anne Sauers Debütroman „Im Leben nebenan“ im Mittelpunkt. Moderiert von Angelika Atzinger, Geschäftsführerin des Vereins Amazone, geht es um eine Frage, die harmlos klingt und doch ganze Lebensentwürfe öffnet: Was wäre, wenn? Sauer erzählt von zwei möglichen Realitäten einer jungen Frau, einmal mit Kind, einmal ohne Kind, und untersucht Erwartungen, Konflikte und gesellschaftliche Zuschreibungen, die gerade im Blick auf Mutterschaft bis heute erstaunlich wirksam sind. Die freie Autorin und Moderatorin empfiehlt im Podcast „Monatslese“ und auf Instagram als @fuxbooks Gegenwartsliteratur.

Gutkind_Mausolf_Svea_c_p_l_zzo photography.jpg
Svea Mausolf ist vielen als Meme-Queen @sveamau bekannt.c p l zzo photography

Der dritte Abend am Samstag, 23. Mai, führt „Über alle Grenzen hinaus“. Ozan Zakariya Keskinkılıç liest aus „Hundesohn“. Keskinkılıç erzählt von Liebe und Begehren, von Herkunft, Religion, Männlichkeit, Rassismus und Queerfeindlichkeit. Sein Text fragt, wie diese Erfahrungen miteinander verbunden sind, und sucht über Grenzen von Ländern, Sprache und Körper hinweg nach Möglichkeiten, patriarchale Vorstellungen hinter sich zu lassen. 2022 erschien sein Lyrikdebüt „Prinzenbad“, 2023 das Sachbuch „Muslimaniac“, 2025 wurde er mit dem zweiten Preis des Feldkircher Lyrikpreises ausgezeichnet.

Keskinkilic-02557(c)MaxZerrahn_SV.jpg
Ozan Zakariya Keskinkılıç liest aus seinem Roman „Hundesohn“.Max Zerrahn SV

Ergänzt werden die Literaturtage durch ein Rahmenprogramm am Freitag um 15 Uhr in “dieBuchhändlerin”. Unter dem Titel „Buchhändler for a day“ empfiehlt Johannes Bullinger seine liebsten queeren Bücher und lädt zum Austausch ein. Wer möchte, kann gegen eine Spende ein Leseexemplar mitnehmen. Der Erlös kommt GoWest zugute. So entsteht ein Raum, in dem Literatur als Widerspruch, Erkenntnis und Einladung zur Veränderung erfahrbar wird.