Von Menschen und Hunden

Kultur / 21.05.2026 • 10:45 Uhr
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“Wau wau” verbindet Humor, Beobachtungsgabe und Menschlichkeit zu einem sympathischen Bühnenerlebnis.Jos Schmid

Piet Baumgartner und Julie Paucker schaffen ein feinsinniges Schauspiel voller Wärme und Witz.

St. Gallen Mit “Wau wau” ist Piet Baumgartner und Julie Paucker ein ebenso eigenwilliger wie berührender Theaterabend gelungen, der weit mehr ist als bloß ein origineller Einfall mit Hunden auf der Bühne. Was zunächst nach skurriler Versuchsanordnung klingt, entfaltet sich im Laufe des Abends zu einer fein beobachteten Studie über Nähe, Vertrauen, Kommunikation und die oft komischen, manchmal schmerzhaften Missverständnisse zwischen Menschen und Tieren und letztlich auch zwischen Menschen selbst.

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Die Hunde werden nicht zu dressierten Attraktionen degradiert.Jos Schmid

Dabei liegt die große Stärke dieser Produktion darin, dass sie nie in bloße Effekthascherei verfällt. Die Hunde werden nicht zu dressierten Attraktionen degradiert, sondern bleiben eigenständige Wesen mit eigenem Rhythmus, eigener Würde und einer Präsenz, die das Bühnengeschehen immer wieder auf überraschende Weise verändert. Gerade diese Unberechenbarkeit macht den Reiz des Abends aus. Jeder Blick, jedes Zögern, jede spontane Bewegung eines Hundes bekommt Bedeutung und zwingt auch die Menschen auf der Bühne dazu, aufmerksam zu bleiben, zu reagieren, sich anzupassen.

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Die Produktion lebt von feinen Beobachtungen, leisen Momenten und einem Humor, der nie laut oder aufgesetzt wirkt. Jos Schmid

Piet Baumgartner und Julie Paucker gelingt es dabei mit bemerkenswerter Sensibilität, aus dieser Offenheit theatrale Spannung zu erzeugen. Die Produktion lebt von feinen Beobachtungen, leisen Momenten und einem Humor, der nie laut oder aufgesetzt wirkt. Immer wieder entstehen Szenen von großer Zärtlichkeit, dann wieder Situationen von beinahe absurdem Witz, wenn die Logik der menschlichen Ordnung an der Eigenwilligkeit der Tiere scheitert.

Poetische Beobachtung

Besonders beeindruckend ist, wie fein die Inszenierung die Beziehung zwischen Kontrolle und Kontrollverlust auslotet. Die Menschen versuchen, Signale zu geben, Regeln zu etablieren, Nähe herzustellen und werden doch ständig daran erinnert, dass echte Begegnung nicht planbar ist. Genau darin liegt eine stille Wahrheit dieses Abends. “Wau wau” erzählt von der Sehnsucht nach Verbindung in einer Welt, die oft von Missverständnissen geprägt ist.

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Jos Schmid

Auch formal überzeugt die Produktion durch ihre Klarheit. Die Bühne bleibt reduziert, wodurch der Fokus ganz auf den Begegnungen liegt. Nichts wirkt überladen oder künstlich verstärkt. Vielmehr entsteht eine fast dokumentarische Atmosphäre, die dem Abend eine besondere Glaubwürdigkeit verleiht. Musik, Sprache und Bewegung greifen organisch ineinander und schaffen einen Rhythmus, der den Zuschauer sanft, aber konsequent in diese ungewöhnliche Theaterwelt hineinzieht.

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Jos Schmid

Gerade weil “Wau wau” sich jeder einfachen Kategorisierung entzieht, entwickelt die Produktion eine seltene Kraft. Sie ist Schauspiel, Versuchsanordnung, poetische Beobachtung und stille Komödie zugleich. Vor allem aber ist sie ein Abend voller Aufmerksamkeit gegenüber den Tieren, gegenüber den Menschen und gegenüber den kleinen, oft übersehenen Momenten des Zusammenlebens. Die Produktion “Wau Wow” von Piet Baumgartner und Julie Paucker wird derzeit in der Lokremise des Theaters St. Gallen aufgeführt, genauer in der Lokremise in St. Gallen. Die Vorstellungen laufen bis Anfang Juni 2026.