AK stemmt sich gegen Teilzeit-“Bashing”
In Österreich arbeiten laut Arbeiterkammer 1,4 Millionen Menschen Teilzeit – aus vielen unterschiedlichen Gründen. Die AK stemmt sich gegen Teilzeit-“Bashing” und wünscht sich fairere Arbeitsbedingungen. Konkret fordert sie bei regelmäßiger Mehrarbeit einen Rechtsanspruch auf Stundenaufstockung sowie 50 statt 25 Prozent Zuschlag – und das ab der ersten Stunde Mehrarbeit, hieß es am Freitag in einer Aussendung. Eine Petition für faire Teilzeit wurde nun gestartet.
Zahlreiche Unternehmen suchen laut AK auch gezielt nach Teilzeitkräften – vor allem im Einzelhandel, in der Reinigungsbranche, in der Aus- und Weiterbildung sowie in der Pflege. Hier herrsche “rege Nachfrage durch viele Betriebe”. Das geht den Angaben zufolge aus einer aktuellen Stichprobe des Marktforschungsunternehmens Media Affairs vom März 2026 hervor, die auf vier Jobportalen – karriere.at, willhaben.at, jobs.at und ams.or.at – durchgeführt wurde.
Vollzeitjobs dominierten demnach wiederum im Bau- und Baunebengewerbe, in der Elektronik- und Elektrotechnikbranche, im Bereich Handwerk und Montage sowie in der Produktion.
Nicht immer freiwillig
Nicht immer arbeiten die Beschäftigten laut AK freiwillig Teilzeit. Viele leisteten regelmäßig Mehrarbeit. Für diesen Fall fordert die Interessenvertretung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nun den Rechtsanspruch auf Stundenaufstockung und gleiche Zuschläge wie bei Vollzeit.
“Das wäre nur gerecht”, betonte AK-Präsidentin Renate Anderl auch in Richtung Arbeitgebervertretung. “Ich fordere die Wirtschaftskammer auf, darüber mit uns in Verhandlungen zu treten.” Die Petition für faire Arbeit ist im Internet unter mitmachen.ak.at zu finden.
WKÖ und IV gegen Besserstellung
Ablehnend auf den Vorstoß der AK reagierten auf Arbeitgeberseite die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und die Industriellenvereinigung (IV). WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger zeigte wenig Verständnis für die AK-Forderung nach einem Rechtsanspruch auf Stundenaufstockung und zur höheren Abgeltung des Mehrarbeitszuschlags.
“Arbeitszeitmodelle müssen für beide Seiten passen und sind Ergebnis einer Vereinbarung – fair ist daher eine Lösung, die den Bedürfnissen sowohl der Arbeitnehmer als auch der Arbeitgeber gerecht wird und nicht eine, bei der eine Seite etwas erzwingt”, teilte er via Aussendung mit. Zudem sei es “mehr als fair, dass ein Vollzeitbeschäftigter, der Überstunden leistet, einen höheren Zuschlag bekommt als ein Teilzeitangestellter”. Einen gesetzlichen Mehrarbeitszuschlag gebe es ohnehin nur in Österreich.
Eine Aufstockung der Arbeitszeit zahle sich für viele Beschäftigte finanziell oft nicht aus, vermerkte IV-Generalsekretär Christoph Neumayer in einer Stellungnahme gegenüber der APA. Die dabei hohe Steuerbelastung reduziere den Nettostundenlohn deutlich. Vor allem die starke Progression in der Einkommenssteuer trage wesentlich dazu bei, dass Teilzeit in Österreich so verbreitet sei.
“Was wir brauchen, sind klare Anreize für mehr Vollzeit – nicht zusätzliche Belastungen”, meinte der IV-Chef. In dieselbe Kerbe schlug der WKÖ-Generalsekretär und forderte die Steuerbefreiung von Überstunden und leistbare, ganztägige Kinderbetreuung.