Bauern melden erste Schäden wegen Dürre

Ticker / 05.05.2026 • 15:37 Uhr

Die Rekord-Trockenheit im März und April in weiten Teilen Österreichs sorgt in der Landwirtschaft für Nervosität. Bäuerinnen und Bauern verzeichnen erste Schäden. “Es wird Ausfälle geben, vor allem bei Wintergetreide, Mais, Soja, aber auch im Grünland”, sagte Landwirtschaftskammer-Österreich-Präsident Josef Moosbrugger zur APA. Ohne “ordentlichen Regen” in den nächsten zwei Wochen werde es “deutliche Ertragseinbußen geben”.

Die Lage in der Landwirtschaft wird sich wohl vorläufig nicht entspannen, weil für die kommenden Tage und Wochen derzeit österreichweit keine größeren Regenmengen prognostiziert sind.

Um bis zu 85 Prozent weniger Niederschlag im April

Besonders von der Dürre betroffen ist aktuell die Landwirtschaft in Niederösterreich, Oberösterreich, Kärnten, Burgenland, Wien und der Steiermark. Das bisher niederschlagsarme Jahr hat in Österreich mit einem der trockensten Aprilmonate einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Laut vorläufiger Geosphere-Bilanz verliefen nur vier Aprilmonate seit 1858 trockener. In sieben Bundesländern waren die Niederschlagsdefizite mit minus 65 bis 75 Prozent besonders hoch – und an manchen Orten fiel nicht einmal 15 Prozent der Regenmenge, die in einem April durchschnittlich anfällt.

Rund 70 Prozent der Grundwasserstände sind Ende April zu niedrig gewesen, geht aus einer am Montag präsentierten Analyse der Umweltschutzorganisation Greenpeace hervor. Besonders betroffen seien Oberösterreich, Salzburg und Kärnten, hieß es. Die NGO fordert von der Bundesregierung, das im Regierungsprogramm angekündigte Wasserentnahme-Register umzusetzen.

Die extreme Trockenheit kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Im April werden die Frühjahrssaaten ausgesät, die dann keimen und wachsen sollten. Durch den fehlenden Niederschlag und wenig Feuchtigkeit im Boden sind die Keimung und das Pflanzenwachstum – etwa bei Mais und Zuckerrüben – nur schwer möglich. Bei Getreide findet das Hauptwachstum im April und Mai statt, heuer hat es in diesen beiden Monaten praktisch noch nicht geregnet. “Wenn Kulturen schlecht mit Wasser versorgt und geschwächt sind, steigt auch der Schädlingsdruck”, sagte der Landwirtschaftskammer-Chef.

Fehlender Grünschnitt trifft Milchbauern

Die Dürre im Grünland wird auch bei den Rinder- und Milchbauern zu fehlendem Futter führen. Tiefwurzelnde Dauerkulturen (u.a. Wein und Obst) sind von der Trockenheit derzeit noch weniger betroffen.

Trockenheit aktuell kein Thema für Spargelbauern

Für die Spargelbauern, die derzeit mitten in der Vollernte stehen, ist die Trockenheit kein wirkliches Problem. Denn die Pflanze hat ihren größten Wasserbedarf nicht in der Erntezeit, sondern im Juni, wenn sie sich für das Folgejahr regeneriert. Sollte es in dieser Phase zu trocken sein, stößt die Pflanze neue Triebe ab, was es zu vermeiden gelte, erklärte Werner Magoschitz vom Verein Marchfeldspargel im Gespräch mit der APA. In dem Fall müsse man zwar künstlich beregnen, diese “Blockberegnung” erfolge aber ohnehin in den meisten Jahren. “Die Trockenheit ist beim Spargel nicht so dramatisch wie bei anderen Kulturen”, so Magoschitz’ Fazit.

Rübenbauern besorgt

Besorgter sind die Rübenbauern. Mit der aktuellen Trockenheit sei die Lage “alles andere als optimal”, zumal diese die Ausbreitung des Rüsselkäfers begünstige, der die Zuckerrüben auffrisst. Von einer Bedrohung für die Ernte will Markus Schöberl vom Rübenbauerbund jedoch zum aktuellen Zeitpunkt – Haupternte ist im Oktober – nicht sprechen. “Wir hatten solche Situationen schon früher. Wenn im Juni genügend Regen fällt, sehe ich die Ernte großteils nicht in Gefahr”, so Schöberl zur APA. Besser seien Niederschläge allerdings schon in den kommenden zwei Wochen, hielt er fest.

Teilweise Bewässerung bei Gemüseanbau

Die Obst- und Gemüseproduktion im Eferdinger Becken in Oberösterreich kann ausreichend mit Wasser versorgt werden. 2006 wurde dazu die Wassergenossenschaft Eferdinger Becken gegründet, die heute rund 235 Mitglieder mit etwa 2.000 ha Fläche zählt. Rund ein Drittel der Fläche werde bewässert, sagte Geschäftsführer Christian Adler zur APA. Ein Großteil sei mit Tropfbewässerung ausgestattet, erklärte Stefan Hamedinger, Geschäftsführer der Obst- und Gemüseproduzenten OÖ und einstiger Ideengeber des Projekts. “Das ist die beste Einsparungsmöglichkeit, weil die Leitungen direkt zu den Wurzeln unter der Erde gehen, viel weniger verdunstet.” Erdbeeren, Essiggurkerl, Zwiebeln, Zucchini und Melonen, in einem ersten Versuch auch Erdäpfel werden so mit Wasser versorgt.

Es gebe aber auch “exponierte Betriebe, die nicht auf das System zugreifen können”, so Hamedinger. Diese seien gezwungen, Wasser von der Gemeinde zu beziehen “zu einem Preis von-bis”. Das rechne sich jeder Obst- und Gemüsebauer genau durch. Die Wassergenossenschaft müsse jährlich einen Bericht über Grundwasserstände, Niederschlag und Wasserentnahme liefern. “Daher wissen wir, dass es bisher zu keiner Änderung im Bereich des Grundwassers gekommen ist”, sprach Adler die Wassersicherheit an. Man sei in gutem Kontakt mit den Trinkwasserversorgern im Eferdinger Becken und stimme sich ab. Dennoch müsse man sich fragen, ob Wasser für Poolbefüllungen höher zu bewerten sei als für die Gemüsebewässerung, gab Adler zu Bedenken.

Erzeugerpreise niedrig

Trotz möglichen Ernteausfällen im laufenden Jahr sind die Erzeugerpreise für die Bauern, etwa bei Weizen und Kartoffel, weiterhin niedrig. Im Vorjahr habe es “eine gute Ernte” gegeben, deswegen seien “die Preise nach wie vor tief”, sagte der Ackerbau-Experte der Landwirtschaftskammer Österreich, Andreas Pfaller, zur APA. Auf der anderen Seite seien die Bauern mit stark gestiegenen Sprit- und Düngemittelkosten aufgrund des Iran-Kriegs konfrontiert.