Chipmangel belastet Autokonzerne weltweit

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Der Engpass bei Halbleitern führt jetzt auch beim Branchenprimus Toyota zum Einbruch der Autoproduktion. Die Nachrichten drückten die Papiere des japanischen Konzerns um mehr als vier Prozent ins Minus und schickten Autoaktien auch in Europa auf Talfahrt. Im September werde Toyota weltweit rund 40 Prozent weniger Autos produzieren als ursprünglich geplant, erklärte das Unternehmen am Donnerstag. Auch bei deutschen Autokonzernen stockt die Produktion.

Bei Toyota sind aktuell 14 Fabriken betroffen und damit mehr als bisher. Auf einen Schlag verzögert sich die Fertigung von rund 360.000 Neuwagen. Der weltweit größte Autobauer war bisher dank Vorratshaltung besser als andere durch die Chipkrise gekommen, hatte aber bereits davor gewarnt, dass die Engpässe anhielten. Die Absatzprognose von 8,7 Millionen Fahrzeugen 2021 hatte Toyota kürzlich bekräftigt.

Auch bei deutschen Autobauern stockt die Fertigung. Denn Corona-Ausbrüche in Südostasien, etwa in Malaysia, führten zu Fabrikschließungen bei den Chipherstellern. So könne das VW-Stammwerk Wolfsburg nach der Sommerpause in der kommenden Woche nur eingeschränkt wieder starten, sagte ein VW-Sprecher. Auf allen Fertigungslinien werde nur in einer Schicht produziert. „Die anhaltend eingeschränkte Liefersituation bei Halbleitern sorgt weiter herstellerübergreifend für erhebliche Störungen in der weltweiten Fahrzeug-Produktion.“ Der Konzern gehe davon aus, dass die Versorgung im dritten Quartal angespannt bleibe. Daher seien weitere Produktionsanpassungen nicht auszuschließen. Bis Jahresende soll sich die Lage bessern, sodass der Produktionsrückstand im zweiten Halbjahr möglichst aufgeholt werde. Der deutsche Mehr-Markenkonzern hatte wegen des Chipmangels im ersten Halbjahr eine hohe sechsstellige Zahl an Fahrzeugen nicht produzieren können.

Bei Audi stehen die Bänder in Deutschland auch in der kommenden Woche noch still, erklärte eine Sprecherin. Eigentlich hätten einige Linien anlaufen sollen. Bei Audi in Ingolstadt und Neckarsulm müssen rund 10.000 Beschäftigte ihren Sommerurlaub verlängern und in Kurzarbeit, weil Halbleiter fehlen. Wie ein Unternehmenssprecher am Donnerstag sagte, können mehrere tausend eingeplante Autos nicht gebaut werden.

Im Stammwerk Ingolstadt stehen alle Bänder bis zum 30. August still: Auf der Linie 1 wegen Umbauarbeiten für den Produktionsstart des vollelektrischen Q6 etron, auf den beiden anderen Linien wegen Chipmangels. Hier sind deshalb 6.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit. In Neckarsulm steht der größere Teil der Produktion mit etwa 4.000 Mitarbeitern mehrere Tage lang wegen Chipmangels.

Für September hat Audi ebenfalls vorsorglich Kurzarbeit angemeldet, aber zugleich Zusatzschichten an mehreren Wochenenden geplant. Audi hat volle Auftragsbücher, konnte aber wegen fehlender Bauteile schon im ersten Halbjahr etwa 50.000 Autos nicht bauen. Wenn Bauteile geliefert werden, versucht das Unternehmen die Produktion aufzuholen. „Man muss von Woche zu Woche planen. In der Vergangenheit mussten auch schon geplante Zusatzschichten wieder abgesagt werden“, erklärte der Sprecher.

Mercedes-Benz drosselt nach Medienberichten die Produktion in dieser Woche in den Werken Bremen, Rastatt und Sindelfingen. Bei BMW dagegen soll es einem Sprecher zufolge nach den Sommerferien planmäßig wieder losgehen, nachdem der Konzern zuvor die Fertigung vergleichsweise wenig einschränken musste.

Der Autozulieferer Hella rechnet mit einer längeren Chipkrise. „Wir werden noch über das komplette Geschäftsjahr hinweg damit zu tun haben“, sagte Hella-Chef Rolf Breidenbach. Überwunden haben werde man den Engpass wohl erst Mitte 2023.

Vier von fünf deutschen Unternehmen klagen über Preisanstiege oder Lieferprobleme bei Rohstoffen, Vorprodukten und Waren, wie eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter fast 3.000 Unternehmen ergab. „Wir haben in der Fahrzeugindustrie tatsächlich den Wirtschaftszweig, wo der Reaktionszwang zu Stopps oder Drosselungen am höchsten ist“, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. 58 Prozent der Firmen der Branche planten dies. „Das ist die Ursache für unsere konjunkturellen Sorgen.“