Geplante Paketabgabe trifft tausende kleine Händler
Die geplante Paketabgabe von zwei Euro stößt bei der Wirtschaftskammer auf scharfe Kritik. Wie WKÖ-Handelsvertreter Alexander Smuk am Freitag im Ö1-“Mittagsjournal” betonte, würde die Maßnahme 4.000 bis 5.000 kleine und mittlere heimische Händler massiv treffen, die auf Online-Marktplätze angewiesen sind. Zudem zeigt eine aktuelle Studie der Linzer Kepler-Universität, dass sich die Abgabe kaum durch Selbstabholung im Geschäft umgehen lässt.
Die großen Plattformbetreiber würden die Steuerkosten an die Händler weiterverrechnen, warnte Smuk. Das sei für die betroffenen Einpersonen- und Kleinunternehmen ein “fataler Einschnitt”. Im Wettbewerb mit asiatischen Großanbietern würden sie dadurch weiter zurückfallen. Letztlich müssten die Konsumentinnen und Konsumenten die zwei Euro pro Paket tragen. Auch der stationäre Handel sei betroffen, sobald Waren – etwa nach einer telefonischen Bestellung – auf Kundenwunsch verschickt werden. Kommende Woche will die Wirtschaftskammer ihre Bedenken und Finanzierungsalternativen bei einem Termin im Finanzministerium darlegen. Präferiert wird eine europäische Lösung über den Zoll.
“Mehr Chancengleichheit”
Dass die im Gesetzesentwurf vorgesehene Ausnahme für das sogenannte “Click & Collect” wenig Entlastung bringt, zeigt eine Analyse des Instituts für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) der Kepler-Universität. Dieser Vertriebsweg machte 2025 nicht einmal sechs Prozent der heimischen Online-Ausgaben aus, Tendenz sinkend. Die Dominanz internationaler Anbieter ohne Filialnetz mache eine Abholung oft unmöglich: 87 Prozent der österreichischen Online-Shopper kaufen bei Amazon, 58 Prozent bei Plattformen wie Temu oder Shein. Zudem bevorzugen laut den Forschern 59 Prozent der Konsumenten ausdrücklich die Zustellung nach Hause.
Von der heimischen Wirtschaft gibt es aber auch positive Stimmen zur geplanten Paketabgabe: Das Austrian Council of Shopping Places (ACSP) sieht in der Maßnahme “einen wichtigen Schritt in Richtung fairerer Wettbewerbsbedingungen zwischen international agierenden Online-Plattformen und dem stationären Handel in Österreich”, so die Interessensvertretung des stationären Einzelhandels in einer Stellungnahme. Die Abgabe sei zumindest ein erster wichtiger Schritt hin zu mehr Chancengleichheit für Händlerinnen und Händler in Innenstädten, Einkaufsstraßen und Shopping Malls.