Deutschland dürfte Fachkräfte-Zuzug aus Ausland erleichtern

Ticker / 06.02.2022 • 14:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Der große Facharbeiterinnen- und Facharbeitermangel und eine hohe Zahl unbesetzter Arbeitsstellen beschäftigt wie Österreicher viele andere Staaten. Hierzulande meldete die Statistik Austria fürs vergangene Jahr erst am Freitag mit durchschnittlich 146.000 nicht besetzten eine Rekordzahl offener Stellen. In Deutschland waren es zuletzt 465.000 Jobs. Der dortige Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) will den Zugang ausländischer Fachkräfte nun erleichtern.

Der steigende Fachkräftemangel trifft laut der Untersuchung des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) den gesamten Arbeitsmarkt. Besonders ausgeprägt sind die Engpässe jedoch bei der Bauplanung und -überwachung, bei der Informatik sowie in der Altenpflege und in der Physiotherapie. Hier konnten rein rechnerisch 2021 im Schnitt mehr als acht von zehn offenen Stellen nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden.

Ein Problem sind nach Ansicht von Habeck die hohen Hürden, denen Fachkräfte aus dem Ausland ausgesetzt seien. “Abschlüsse werden nicht anerkannt, Anträge müssen von Botschaften bearbeitet werden”, sagte Habeck den Zeitungen der Funke-Mediengruppe und der französischen Zeitung “Ouest-France” (Wochenende). Es reiche nicht, Fachkräfte einfach nach Deutschland einzuladen. “Sonst stehen sie im Regen vor dem Frankfurter Flughafen und kommen nicht weiter. Wir müssen viel Infrastruktur aufbauen, um das zu organisieren.”

“Es geht darum, die Zuwanderungsvoraussetzungen auch für andere – insbesondere diejenigen mit Berufsabschlüssen – zu erleichtern”, sagte der deutsche Vizekanzler. Dies sei ein Kraftakt. Schon im Ausland müssten daher Kapazitäten zur Vorqualifikation aufgebaut werden. “In Deutschland müssen wir uns dann auch kümmern und hierfür die nötigen Ressourcen zur Verfügung schaffen. Und wir müssen die rechtlichen Voraussetzungen ändern, damit Zuwanderer leichter Zugang in den deutschen Arbeitsmarkt bekommen.”

In Österreich sind derzeit gut 400.000 Menschen ohne Job, gleichzeitig waren in den vergangenen vier Quartalen im Durchschnitt 146.000 Posten unbesetzt. Das ist ein Rekordwert, im Jahr 2020 waren es 102.600 und ein Jahr davor 128.200 Stellenangebote gewesen. Den größten Zuwachs an offenen Stellen gab es im produzierenden Bereich mit einem Plus von 50 Prozent im Jahresvergleich. “Hier waren im Jahr 2021 durchschnittlich 40.200 Stellen vakant”, so Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas am Freitag.