Die Musiktheatertage Wien wollen das Unbekannte berühren

Ticker / 10.06.2026 • 05:00 Uhr

Die Musiktheater Tage Wien gehen in ihrer 10. Ausgabe auf Tuchfühlung mit dem Unbekannten – in der Ambivalenz des Begriffs zwischen Bedrohung durch Fremdes und Neugier auf Selbiges: Ab dem 16. September lautet das Motto des Festivals “Berührung mit dem Unbekannten”. Dabei bespielt man wieder verschiedenste Locations in der Bundeshauptstadt. Dazu gehören der Stephansdom, Wasserturm Favoriten oder das WUK sowie erstmals das LOT in der Brotfabrik.

Den Auftakt des Premierenreigens markiert im Theater Odeon “The Mass Mann” von Wouter Van Looy, der sich auf Canettis “Masse und Macht” bezieht. Einen humorvollen Rückblick auf die Corona-Pandemie wagen Imre Lichtenberger Bozoki und Johannes Schrettle mit “Maria und die Fledermaus”, wenn eine Fledermaus in einer Tierarztpraxis vom Aufstand der Tiere erzählt.

Wasserturm und Stephansdom

Den Stephansdom machen Brigitte Wilfing und Jorge Sánchez-Chiong für “Uchronia” zu einem Ort der Kunst und setzen dabei auf gregorianischen Chor und die Riesenorgel des Baus. Der Genius Loci wird auch in Favoriten beschworen, wo der leer stehende Wasserturm als Spielort für “Fluide III: Wasser” des Künstlerkollektivs spitzwegerich dient, wobei das Publikum im Turm an Installationen vorbei aufsteigt.

Die Kammeroper “The Sailmaker’s Wife” von Kristin Norderval lässt eine Frau alles für einen Mann opfern, der ohne Bewusstsein für sein Tun die Erde zerstört. Und Lisa Horvath lässt in “Zoé” zwei Performerinnen durch eine berührungsempfindliche Landschaft wandeln.

Nicht zuletzt ist aber auch Festival-Co-Chef Thomas Cornelius Desi wieder auch als Künstler aktiv. Nicht das Rauchen hat der Komponist bei “Smoking Kills” im Fokus, sondern die moralische Frage des Umgangs von Künstlern mit Totalitarismus, wenn er im Hamakom Anton Webern auf einen jungen Komponisten treffen lässt. Und beim Abschluss seiner Tetralogie “Synkope – Kollapsologie” über fallende Systeme soll nun das Publikum mitentscheiden, wie es weitergeht.

(S E R V I C E – )