Israel greift Vororte Beiruts an

Ticker / 14.06.2026 • 20:42 Uhr

Nach Angriffen der libanesischen Hisbollah-Miliz auf den Norden Israels hat die israelische Luftwaffe erneut Ziele in Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut angegriffen. Es seien “Terrorziele” der Hisbollah in den als Dahiyeh bekannten südlichen Vororten beschossen worden, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung des israelischen Ministerpräsidenten Netanyahu und des Verteidigungsministers Katz. Laut libanesischen Angaben wurden mindestens drei Menschen getötet.

“Der Angriff erfolgte als Reaktion auf den Beschuss israelischen Territoriums durch die Hisbollah”. Die israelische Armee teilte mit, es sei ein Kommandozentrum der Hisbollah in Beirut angegriffen worden. Es seien Schritte unternommen worden, um mögliche Schäden für Zivilisten zu minimieren, einschließlich des Einsatzes von präziser Munition und Luftaufklärung.

Der libanesische Zivilschutz berichtete von mindestens drei Toten und sechs Verletzten. Augenzeugen sagten, in dem getroffenen Gebäude habe die Hisbollah ein Büro gehabt. Aus libanesischen Kreisen hieß es, Israel habe erneut einen Kommandant der Miliz angegriffen. Arabische Fernsehsender zeigten Bilder eines Luftangriffs in dem Gebiet. Dabei stiegen hohe Rauchwolken auf, anschließend waren auch schwer beschädigte Gebäude und eine verwüstete Straße zu sehen. Anrainer berichteten örtlichen Medien zufolge von mindestens zwei Explosionen.

Israelische Armee rief zur Evakuierung auf

Die israelische Armee hatte zuvor die Menschen in 29 Orten im Süden des Libanon dazu aufgerufen, sich wegen geplanter Angriffe in Sicherheit zu bringen. Der arabischsprachige Armeesprecher Avichay Adraee gab am Sonntag im Onlinedienst X zwei aufeinanderfolgende Warnungen aus, zunächst eine für 13 Orte im Süden des Libanon, anschließend für 16 weitere Orte nördlich des Flusses Sahrani. Zuvor hatte die proiranische Hisbollah-Miliz den Norden Israels mit Sprengstoff-Drohnen angegriffen.

Das israelische Militär berichtete am Sonntag über zwei Einschläge nahe der Grenze zum Libanon. Dabei sei niemand verletzt worden. Infolge der Angriffe hatten Warnsirenen in Orten an der Nordgrenze geheult. Das israelische Nachrichtenportal “ynet” berichtete, eine Drohne sei im Bereich des Grenzorts Schlomi eingeschlagen. Israel warf der proiranischen Hisbollah-Miliz daraufhin einen Verstoß gegen die Waffenruhe vor. Von der Hisbollah gab es zunächst keine Reaktion.

Für die Bewohner von Beiruts Vororten sind die Angriffe teils zu einem schrecklichen Alltag geworden. “Jeden Sonntag ist es dasselbe. Für zwei Stunden nach einem Angriff verlassen wir die Gegend, dann kehren wir zurück”, sagte eine Anwohnerin der dpa. Die Menschen seien kriegsmüde.

Hisbollah setzt Angriffe auf Nordisrael fort

Die Hisbollah-Miliz setzte nach dem israelischen Beschuss in Beirut ihre Angriffe auf den Norden Israels fort. Ein aus dem Libanon abgefeuertes Geschoss sei in der Nähe der Grenzstadt Kiriat Schmona eingeschlagen, teilte die israelische Armee am Abend mit. Es sei zu weiteren Einschlägen “verdächtiger Flugkörper” auf israelischem Gebiet nahe der Grenze zum Libanon gekommen. Außerdem seien mehrere Geschosse in der Nähe israelischer Soldaten im Südlibanon niedergegangen. Es gab zunächst keine Berichte zu Verletzten.

Israelische Minister forderten Vergeltung

Vor den israelischen Gegenangriffen hatten zwei israelische Minister Vergeltung für die Angriffe der Hisbollah gefordert. “Für jede Drohne – eine Rakete. Für jeden Verstoß – Feuer. Für jede Drohne – Dahiyeh muss zittern. Für jedes Haar auf dem Kopf eines IDF-Soldaten – tausend Hisbollah-Terroristen”, schrieb der rechtsextreme Polizeiminister Itamar Ben Gvir auf der Onlineplattform X.

Zudem beschrieb der rechtsradikale israelische Finanzminister Bezalel Smotrich den Angriff der Hisbollah als Test für die “Dahiyeh-Doktrin” von Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu. Der Begriff bezeichnet eine israelische Militärdoktrin, die den Einsatz massiver Gewalt gegen zivile Infrastruktur und Zivilisten vorsieht. Dahiyeh sind die südlichen Vororte von Beirut, die als Hochburg der Hisbollah gelten. Dort leben auch viele Zivilisten.

Vor einer Woche hatte Israel die Vororte als Reaktion auf Hisbollah-Raketenfeuer auf den Norden des Landes angegriffen. Daraufhin reagierte der Iran mit Raketenangriffen auf Israels Norden. Smotrich forderte von Netanyahu, “noch heute” Gebäude in Dahiyeh zu zerstören. “Wir befinden uns in entscheidenden Tagen für die Gestaltung der Region auf viele Jahre hinaus”, schrieb er. “Wir haben den Bewohnern des Nordens Sicherheit versprochen – und dieses Versprechen müssen wir einhalten!”

Beschuss im Libanon: Hilfskonvoi muss Route ändern

Israels Armee und die Hisbollah-Miliz greifen sich immer wieder gegenseitig an. Am Donnerstag musste etwa ein Konvoi mit Hilfsmittellieferungen für drei christliche Dörfer im Südlibanon aufgrund von Schusswechseln seine Route ändern. Der Konvoi aus 45 Lastwagen und Fahrzeugen sollte Lebensmittelhilfen, Medikamente und Treibstoff transportieren. Darüber berichtete die Katholische Presseagentur Kathpress am Sonntag.

Betroffen von dem Vorfall war auch der Apostolische Nuntius im Libanon, Erzbischof Paolo Borgia, der den Konvoi begleitete. “Wir befinden uns in einer Kriegssituation, aber wir werden den Menschen weiterhin helfen”, bekräftigte der Nuntius gegenüber Radio Vatikan.

Iran will Waffenruhe im Libanon

Der mit der Hisbollah verbündete Iran will als Teil eines Rahmenabkommens mit den USA zur Beendigung des Iran-Kriegs auch eine Waffenruhe im Libanon erreichen. Nach den israelischen Angriffen auf Beiruter Vororte am Sonntag stellte der Iran die Einigung mit den USA daher infrage. Israel ist strikt gegen eine solche Verbindung der beiden Fronten. Im Libanon strebt Israel eine Zerstörung der Hisbollah und eine Friedensregelung mit der Regierung an. Die Hisbollah fordert unter anderem einen vollständigen Abzug israelischer Bodentruppen aus dem Land.