Kritik an Pochettino nach missglücktem Kane-Comeback

APA Ticker / 02.06.2019 • 09:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Wochenlang zitterte man bei Tottenham Hotspur, ob Stürmerstar Harry Kane für das Fußball-Champions-League-Finale fit wird. Am Samstag wurde der Stürmer gegen Liverpool tatsächlich eingesetzt – doch am Ende stellen viele fest: Das war wohl ein Fehler. Angelastet wurde dieser „Spurs“-Trainer Mauricio Pochettino. „Ich bereue diese Entscheidung nicht“, verteidigte sich der Argentinier.

Jahrelang haben die beiden Trainer-Größen Arsene Wenger und Jose Mourinho ihre sportliche Rivalität und ihre persönliche Abneigung in der englischen Premier League ausgelebt. Bei diesem Champions-League-Finale waren sie sich auf einmal sehr einig. Beide saßen am Samstagabend in Madrid als Experten des TV-Senders „BeIN Sports“ nebeneinander und beide hielten den Verlierer Tottenham Hotspur beim 0:2 gegen Liverpool für ziemlich schwach.

Vor allem aber ließen beide selten einmütig durchklingen, dass sie Kane in diesem Endspiel wohl nicht eingesetzt hätten. „Er sieht nicht bereit aus“, sagte die Arsenal-Legende Wenger schon während der Pause. Der frühere Chelsea-Coach Mourinho nickte dazu.

Fast zwei Monate hatte der Kapitän und Topstar der englischen Nationalmannschaft wegen einer Knöchelverletzung pausiert. Das Comeback des WM-Torschützenkönigs sollte eigentlich Tottenhams Trumpf an diesem Abend werden. Tatsächlich aber war es einer der Gründe für die Niederlage. Denn der 25-Jährige konnte sich gegen Liverpools Betonabwehr nie durchsetzen. Seine Bewegungen wirkten schwerfällig und hilflos. Die Statistiker von Opta notierten ganze elf Ballkontakte in der ersten Halbzeit.

Die Entscheidung für Kane bedeutete eben auch, dass Tottenhams Trainer Pochettino dafür den Spieler draußen ließ, der die „Spurs“ mit seinen drei Toren gegen Ajax Amsterdam erst in dieses Finale geschossen hatte. Der Brasilianer Lucas Moura saß 65 Minuten auf der Bank. Pochettino wies bei der Pressekonferenz im Estadio Metropolitano allerdings zurück, einen Fehler gemacht zu haben, was ihm von zahlreichen Beobachtern vorgeworfen wird.

„Meine Entscheidung war sehr analytisch, und ich habe sie auf der Basis aller meiner Informationen getroffen. Ich bereue diese Entscheidung nicht“, sagte der Argentinier. Kane habe zwar nicht getroffen, „aber er war am Ende immer noch frisch“.

Der Stürmerstar selbst verließ das Stadion, ohne ein Wort zu sagen. Seine Enttäuschung muss er ohnehin schnell wieder verdrängen. Denn schon am Donnerstag spielt er mit den „Three Lions“ im Halbfinale der Nations League gegen die Niederlande.

Was Pochettino dagegen macht, ist die große Frage. Es ist weiterhin offen, ob der 47-Jährige nach fünf erfolgreichen Jahren überhaupt bei den „Spurs“ bleibt. „Das ist nicht der Moment, um über die Zukunft zu sprechen“, sagte er nach dem Finale.

„Wir sind alle enttäuscht. Aber die Saison war trotzdem fantastisch. Ich bin stolz auf mein Team“, betonte Pochettino, der sich in den vergangenen Monaten wiederholt darüber beklagt hatte, dass sich der Bau des neuen Stadion so verzögert hat und dass er in Folge dessen im Sommer und Winter keine neuen Spieler kaufen konnte.

Über allem steht die Frage, was er mit diesem Club nach dem Finale der Champions League noch erreichen kann. „Wenn man eine solche Erfahrung macht, möchte man wieder hierhin kommen. Ich hoffe, dass wir das in der Zukunft noch einmal erleben dürfen“, meinte Pochettino nach dem Spiel.