Papst-Messe in Madrid mit mehr als 1,2 Millionen Menschen

Ticker / 07.06.2026 • 14:51 Uhr
Papst-Messe in Madrid mit mehr als 1,2 Millionen Menschen

Papst Leo XIV. hat am Sonntag in Spaniens Hauptstadt Madrid eine Messe unter freiem Himmel zelebriert, an der nach offiziellen Angaben rund 1,2 Millionen Menschen teilnahmen. Es war die bisher größte Menschenmenge bei einem Gottesdienst Leos, seit der US-Amerikaner im Vorjahr zum Papst gewählt worden war. Die Polizei musste laut Medien wegen des Andrangs letztlich die Zugänge sperren. Der Papst warnte vor Polarisierung und der Verachtung der Mitmenschen.

“Jesus bleibt nicht eingeschlossen im Tempel, sondern kommt uns entgegen. Jesus geht durch die Straßen, überquert die Plätze, besucht unsere Stadtviertel und wohnt an den Orten unseres alltäglichen Lebens”, sagte er auf der Plaza de Cibeles im Zentrum der Hauptstadt, wo sich auch das Rathaus befindet. Im Anschluss an die Messe fand auch eine Fronleichnamsprozession statt.

Leo erwähnte keine bestimmten Parteien, noch US-Präsident Donald Trump, doch es sei stets klar, wen er mit seinen subtilen Botschaften meinte, kommentierte die spanische Zeitung “El País”. Er warnte vor “identitätsbasierten Ansätzen, die alles erklären zu können glauben, aber die Welt mit Gespenstern und Feinden füllen”. Er forderte, statt auf “Waffen und Mauern” zu setzen, die Vielschichtigkeit der Welt als Bereicherung anzunehmen. Es gehe darum, gemeinsam voranzugehen. Notwendig sei eine Bildungsinitiative, Hass müsse Dialog und Versöhnung weichen. “Vermeiden wir Worte, die erniedrigen oder gegeneinander aufbringen”, sagte Leo.

“Niemand kann vor dem Herrn knien und seinen Bruder verachten”

Bei der Messe unter freiem Himmel am Sonntag auf der Plaza de Cibeles warnte der Papst vor Kräften, die unter dem Banner des Christentums christliche Werte missachten. “Niemand kann vor dem Herrn knien und seinen Bruder verachten”, sagte der Pontifex. Angesichts einer zunehmenden Polarisierung der Politik nicht nur in Spanien mahnte der Papst, auf “spaltende und polarisierende Äußerungen” zu verzichten. Statt “fruchtloser Vereinfachungen” der Gegenwart müsse man zu einer “fruchtbaren Anerkennung ihrer Komplexität” gelangen. Europa habe hier eine besondere Berufung. “Das ist das Geschenk, das der Alte Kontinent der Welt machen kann”, sagte der Pontifex.

Bei einer Begegnung mit Vertretern des Staates, der Zivilgesellschaft und ausländischen Diplomaten in Madrid bedauerte der Papst zudem, dass “die Botschaft des Friedens in diesen Zeiten leider für manche naiv und für andere provokativ klingt”. Trump hatte ihn nach Kritik am Iran-Krieg im Mai scharf angegriffen und aufgefordert, sich gefälligst aus der Politik herauszuhalten. Zugleich veröffentlichte er ein Gemälde von sich selbst als Jesus. Der Pontifex dankte Spanien, dessen linke Regierung sich ebenfalls bereits Trumps Zorn zuzog, für die “Treue zum Völkerrecht und zum Multilateralismus”.

Die Veranstaltung auf der Plaza de Cibeles galt als das größte Ereignis während seines einwöchigen Besuchs in Spanien. Zehntausende säumten die Straßen, schwenkten Fahnen und riefen “Lang lebe der Papst”, als Leo im Papamobil ankam. Zuvor hatte Leo in ein Gästebuch geschrieben, er hoffe, Madrid möge “eine einladende und integrative Stadt bleiben, in der das gesellschaftliche Leben von echten menschlichen Werten inspiriert ist”. Er erhielt vom Bürgermeister die Schlüssel der Stadt.

Leo hatte seine Reise am Samstag mit Treffen mit Migranten und Obdachlosen sowie einer Andacht mit rund 600.000 jungen Menschen in Madrid begonnen. Er hoffe, dass der Besuch, sein erster in einem EU-Land außerhalb Italiens, ein Beispiel für die Welt sei, jeden Menschen zu respektieren, sagte er.

“Freue mich, dass er für uns Migranten betet”

Unter den Gläubigen war auch Andrea Margarita, eine 72-jährige Peruanerin. “Ich freue mich, dass er für uns Migranten und für unsere Sicherheit betet”, sagte sie. Der Besuch des Papstes vom 6. bis 12. Juni umfasst auch Stationen in Barcelona und auf den Kanarischen Inseln. Dort will er Migranten treffen, die von Westafrika aus die gefährliche Überfahrt riskiert hatten.

Bereits im Vorfeld hatten sich knapp 400.000 Menschen aus dem In- und Ausland für die Teilnahme registriert. Da eine Anmeldung jedoch nicht verpflichtend war, kamen auch viele Menschen spontan zu der Messe. Anwesend waren unter anderem Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez, König Felipe VI., Königin Letizia, Kronprinzessin Leonor und weitere Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft.

Das Oberhaupt von rund 1,4 Milliarden Katholiken sagte, der Glaube dürfe nicht privat bleiben, sondern müsse auch im Alltag und in der Gesellschaft sichtbar werden. Zugleich hob der Pontifex die soziale Dimension hervor: Christus identifiziere sich “mit den Armen, den Niedergeschlagenen, den Einsamen und den Verlassenen”.

Übertragung auf Großbildschirmen

Die Eucharistiefeier fand auf einem eigens errichteten Altar mit einer Fläche von rund 600 Quadratmetern statt. Über dem Zentrum des Altars hing eine monumentale Christusfigur, eine Nachbildung des Christusbildes der Schwestern von Bethlehem. Zusammen mit anderen Geistlichen und Ehrengästen befanden sich nach Angaben der Organisatoren etwa 5.000 Personen im unmittelbaren Bereich um den Altar. Die Messe wurde über 42 Großbildschirme auch in die umliegenden Straßen der Stadt übertragen.

Nach der Messe stand eine Prozession entlang der Madrider Achse Recoletos-Alcalá auf dem Programm. Nach Angaben der Organisatoren sollte der Papst am Sonntag mit dem Papamobil nahezu alle Besucherbereiche durchfahren.

Am Nachmittag wollte Leo XIV. am zweiten Tag seines Besuches in Spanien in der Madrider Movistar-Arena-Halle an einer Veranstaltung mit Vertretern aus Kultur, Kunst, Wirtschaft und Sport teilnehmen und dort eine Ansprache halten. Den Abschluss des Tages sollte ein Abendessen in der Residenz des Madrider Erzbischofs, Kardinal José Cobo Cano, bilden.

Kritik von Missbrauchsopfern

Aus Kreisen von Opferorganisationen, die eine Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in kirchlichen Einrichtungen fordern, wurde Kritik laut, dass der Papst sich bei dem Besuch nur mit wenigen Opfern und unter Ausschluss der Öffentlichkeit treffen wolle. Offenbar gehe es darum, das Thema zu “verstecken”, zitierte die Zeitung “El País” die Kritik.

Der Vatikan hatte nur Stunden vor dem Besuch mitgeteilt, der Heilige Vater werde mit einigen Opfern von Missbrauch durch Geistliche in Spanien zusammentreffen. Dieses soll voraussichtlich am Montagnachmittag stattfinden. Ob es dazu Informationen geben werde, hänge vom Willen und dem Respekt der Privatsphäre der Opfer ab. Opferverbände betonten, sie wüssten nichts von einer Einladung. Leo selbst bezeichnete die Missbrauchs-Skandale auf dem Hinflug als “offene Wunde” der katholischen Kirche.

Zahl der gläubigen Katholiken in Spanien zuletzt rückläufig

Spanien war traditionell eine Bastion des Katholizismus in Europa. Die Zahl der Gläubigen ist in den vergangenen Jahrzehnten aber deutlich zurückgegangen. Laut einer Umfrage bezeichnen sich 53 Prozent der Spanier als katholisch – etwa 20 Prozentpunkte weniger als vor 15 Jahren.

Nur 16 Prozent der Spanier halten sich für praktizierende Katholiken. Spaniens katholische Kirche hofft aber, dass sich durch den Besuch wieder mehr Menschen dem Glauben zuwenden.