Nordirland: Minister verurteilt “rassistisches Schlägertum”
Nach schweren rassistisch motivierten Ausschreitungen in Nordirland hat die Polizei im Großraum der Hauptstadt Belfast am Mittwoch nach eigenen Angaben Wasserwerfer gegen gewalttätige Demonstranten eingesetzt. Der britische Nordirland-Minister Hilary Benn verurteilte die tagelangen fremdenfeindlichen Ausschreitungen in der Provinz scharf. Benn sprach Donnerstag früh im Fernsehsender Sky News von “rassistischem Schlägertum”.
Zwar habe es in der Nacht auf Donnerstag in Belfast weniger Unruhen gegeben als in der vorangegangenen. Randalierer hatten jedoch versucht, zu einem Hotel außerhalb der nordirischen Hauptstadt vorzudringen, das in der Vergangenheit als Unterkunft für Asylbewerber genutzt worden war. Der Polizei sei es aber gelungen, sie daran zu hindern.
Dutzende vermummte Randalierer errichteten zudem Barrikaden und setzten Fahrzeuge in Brand. Die Polizei wurde mit Steinen und Molotow-Cocktails beworfen. Zwölf Polizistinnen und Polizisten wurden verletzt. Festgenommen wurden 16 Menschen, wie Minister Benn mitteilte. Anders als in der Nacht zuvor waren die Ausschreitungen aber weitgehend auf den Stadtteil Newtownabbey im Nordwesten von Belfast beschränkt.
Angst unter ethnischen Minderheiten in Nordirland
Auslöser der Gewalt war ein Messerangriff am Montagabend, nach dem ein Mann aus dem Sudan wegen versuchten Mordes angeklagt wurde. In der Nacht auf Mittwoch hatten Randalierer gezielt Häuser und Fahrzeuge von Angehörigen ethnischer Minderheiten in Brand gesteckt. Die Gewalt habe bei den Betroffenen schwere Traumata hinterlassen, erklärte Nordirland-Minister Benn.
Die Angst unter den ethnischen Minderheiten in Nordirland sei derzeit kaum zu beschreiben, so Benn. Es gebe Berichte über Menschen, deren Autos gestoppt und die nach ihrer Nationalität gefragt worden seien. “Das ist schrecklich”, sagte der Minister.
Die Polizei rief Verkehrsteilnehmer und Passanten in der Vorstadt Newtownabbey am Mittwoch auf, den Bereich zu meiden, weil Gegenstände wie Ziegelsteine, Flaschen und Steine auf die Polizei geworfen worden seien. Zudem seien Mistkübel in Brand gesetzt worden, hieß es. Nach Angaben der BBC versammelten sich in Newtownabbey rund 200 Menschen. Menschenansammlungen gab es nach britischen Medienberichten wie am Tag zuvor auch außerhalb der Hauptstadtregion.