Rainbacher Spiele bringen Romane von Gründer auf die Bühne

Ticker / 13.06.2026 • 07:00 Uhr
Rainbacher Spiele bringen Romane von Gründer auf die Bühne

Heuer weht spürbar neuer Wind im Theaterstadel in Rainbach im Innkreis (Bezirk Schärding). Statt wie seit 2009 Biblisches, kommen ab 18. Juni die ersten beiden Teile von Friedrich Zauners Romantetralogie “Das Ende der Ewigkeit” auf die Bühne. Das entstandene Stück “Im Schatten der Maulwurfshügel” spielt von 1900 bis 1916 im ländlichen Innviertel. Band drei und vier folgen, verriet Tochter und Leiterin der Rainbacher Spiele Anne Zauner der APA.

Der Theaterstadel ist ein Vermächtnis des Schriftstellerehepaars Roswitha und Friedrich Zauner, aus eigenen Mitteln erbaut, um Friedrichs Theaterstücke zu Stoffen aus dem Alten und Neuen Testament (“Hiob”, “Tamar oder wie eine Stele”, “Johannes, der Täufer”, u.a.) aufführen zu können. Nach dem Tod der Mutter (2021) setzten die Töchter Anne, Christa und Agnes sowie Sohn Jakob gemeinsam mit Friedrich die Arbeit fort. Nach dessen Tod 2022 übernahm Anne die Leitung der Rainbacher Evangelienspiele. Mit “Ruth”, “Elias” und “Noah” folgten noch drei weitere Bibelstücke aus der Feder des Vaters, seit 2025 bereits unter dem Namen “Rainbacher Spiele”.

Monumentalwerk über ländliches Innviertel

“Es ist das Projekt unserer Eltern, wir wollen ihnen Platz einräumen, aber es muss auch für uns passen und das kann nicht immer ein Evangelienspiel sein”, erklärte Anne Zauner. Ihr Vater hätte heuer den 90. Geburtstag gefeiert, aus diesem Anlass kommt sein Monumentalwerk “Das Ende der Ewigkeit” auf die Bühne. In vier Bänden, erschienen von 1992 bis 1996, stellt er die Umwälzungen am Beginn des 20. Jahrhunderts dar, anhand des bäuerlichen Lebens an der österreichisch-deutschen Grenze im Innviertel, der Schicksale der – unerwünschten, vierten – Tochter Theres eines Wirtspaars und des Findelkinds Maurits.

Regisseurin Babett Arens, die bereits mehrere Evangelienspiele inszenierte, goss die ersten beiden Romane in eine Bühnenfassung mit knapp drei Stunden reiner Spielzeit. “Babett hat die Figuren verdichtet, einige Elemente wurden gestrichen”, erzählt Zauner. Da die Hauptpersonen anfangs noch Kinder sind, die Rollen für Kinder aber zu groß wären, entschied sich Arens, lebensgroße Kinderpuppen von den erwachsenen Darstellenden führen zu lassen. Die Musik von Matthias Deger bedient sich an traditionellen Weisen, die er für das Stück variiert hat.

“Gespannt, wie Leute es aufnehmen”

Das Stück wird über drei Wochen gespielt, eine “große Produktion” mit 30 Mitwirkenden auf der Bühne. “Es ist neu, spannend, ein Risiko”, ist Zauner gespannt, “wie die Leute es aufnehmen”. Der Einzelverkauf laufe gut. “Budgetär wird es eine haarscharfe Geschichte, wir sind heuer im sechsstelligen Bereich”, sagte Zauner. Ein Crowdfunding soll 15.000 Euro für unvorhergesehene technische Ausgaben bringen, noch sei man nicht am Ziel. Für Band drei und vier, “Früchte vom Taubenbaum” und “Heiser wie Dohlen”, die “nach dem Ersten Weltkrieg, bis die ersten Nazis über die Grenze kommen”, spielen, gibt es bereits eine Rohfassung. Ob es ein oder zwei Stücke werden, ist noch nicht entschieden. In zwei Jahren wäre Roswitha Zauner 90 und das soll ebenfalls gewürdigt werden. “Sie war eine fantastische Dichterin”, hat Anne vor, das Schreiben ihrer Mutter ins Zentrum zu stellen.

Kulturstadel, niemandem verpflichtet

Generell wollen die Geschwister das Holzgebäude öffnen. “Musik bietet sich an, weil die Akustik so toll ist”, freut sich Zauner auf ein Konzert des Bruckner Orchesters Linz 2027. Sie beschreibt die Vision eines “Kulturstadels, wo die Eltern ihren Fixplatz haben”, aber auch Musik, Literatur, gesellschaftspolitische Vorträge und Kabarett stattfinden. “Es ist spannend für uns, wir brauchen die Kooperationen auch als Multiplikatoren.” Bespielt werden kann der rund 550 Zusehende fassende Bau von Mai bis Oktober.

“Unser Riesenvorteil ist, dass es ein rein privater Stadel ist. Wir müssen gelegentlich Geld aufstellen, sind aber niemandem verpflichtet und haben die Freiheit auch ‘Nein’ zu sagen”, erklärt Zauner, die stellvertretende Geschäftsführerin des Literaturhaus Wien ist. Die Rainbacher Spiele “mache ich in meinem Urlaub”, schmunzelt die 62-Jährige. Ähnlich geht es Fotografin und Buchhalterin Christa, ebenfalls Wahl-Wienerin, sowie der in London lebenden Agnes, die in Druck und Design tätig ist. Die 61-jährige Agnes “kümmert sich um die Begleit-Veranstaltungen, die Öffnung des Stadels”, die um ein Jahr jüngere Christa unterstützt Anne in der Organisation. Allein Jakob, der Älteste, ist nicht operativ im Verein Rainbacher Spiele tätig.

(S E R V I C E – Rainbacher Spiele “Im Schatten der Maulwurfshügel”, im Theaterstadel Rainbach im Innkreis, nach Romanen von Friedrich Ch. Zauner, mit Musik von Matthias Deger, Bühnenfassung und Regie: Babett Arens, musikalische Leitung: Lina vom Berg, mit u.a. Lisa-Carolin Nemec (Theres), Georg Hasenzagl (Maurits), Florentin Grill (Erzähler) und dem Juvenis Chor. Premiere am 18. Juni, 19.00 Uhr, weitere Vorstellungen am 19., 20., 21., 25. – 28. Juni sowie 2. – 5. Juli, Karten unter Mail: ticket@rainbacher-spiele.at oder Tel.: +43 699 192 06 684 und )