Spekulation um vorzeitigen EZB-Abgang von Lagarde

Ticker / 18.02.2026 • 11:31 Uhr
Spekulation um vorzeitigen EZB-Abgang von Lagarde

EZB-Präsidentin Christine Lagarde wird einem Medienbericht zufolge voraussichtlich vorzeitig aus dem Amt scheiden. Es werde damit gerechnet, dass sie ihre achtjährige Amtszeit nicht vollständig absolvieren werde, so die Zeitung “Financial Times” am Mittwoch unter Berufung auf eine mit Lagardes Überlegungen vertraute Person. Lagarde wolle ihren Posten vor der im April 2027 geplanten französischen Präsidentschaftswahl räumen. Laut EZB ist aber noch keine Entscheidung getroffen.

Sie wolle Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz die Gelegenheit geben, eine neue Spitze für die Europäische Zentralbank zu finden. Macron darf 2027 nach zwei aufeinanderfolgenden Amtszeiten nicht erneut antreten.

EZB: Lagarde konzentriert sich voll und ganz auf ihre Aufgabe

Ein EZB-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Lagarde konzentriere sich voll und ganz auf ihre Aufgabe und habe keine Entscheidung über das Ende ihrer Amtszeit getroffen. Die Reaktion der EZB weicht von früheren Aussagen zu Lagarde ab. Voriges Jahr hieß es, Lagarde sei “entschlossen, ihre Amtszeit zu beenden”. Die erste Marktreaktion auf ihren möglichen Rücktritt fiel verhalten aus. Die Anleiherenditen und auch der Eurokurs veränderten sich im frühen Handel kaum: “Anleger tun sich schwer, die Situation zu bewerten, da weder feststeht, ob sich die Rücktrittsgerüchte bestätigen, noch, ob eine Nachfolge Lagardes eher für eine lockere oder konservative Geldpolitik stehen würde”, erläuterte Jochen Stanzl von der Consorsbank.

Ökonomen sprachen von einem plausiblen Schritt. “Europa bereitet sich auf das Risiko vor, dass die Rechtspopulisten im Frühjahr 2027 in Frankreich an die Macht kommen können”, sagte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, der Nachrichtenagentur Reuters. “Politisch ist es eine gute Nachricht, dass Europa sich auf den Ernstfall vorbereitet.” Es mindere das Risiko, dass es bei künftigen Personalentscheidungen zu einer langen Hängepartie kommen könnte, falls ein von den Rechtspopulisten geführtes Frankreich dann Entscheidungen blockieren sollte. Für die Finanzmärkte sei das zwar ein interessantes Thema. Aber auf die Geldpolitik dürfte es keinen unmittelbaren Einfluss haben.

Zwei Deutsche gelten als potenzielle Nachfolger

Als potenzielle Lagarde-Nachfolger gelten auch zwei Deutsche: Bundesbankpräsident Joachim Nagel und EZB-Direktorin Isabel Schnabel. Nagel ließ sich zuletzt nicht in die Karten schauen, ob er mittelfristig Ambitionen auf den Chefposten hegt. “Grundsätzlich dürfte jeder Notenbanker im EZB-Rat die Kompetenz zur Nachfolge für das Spitzenamt im Eurosystem haben. Und auch externe Kandidaturen mit anderen Profilen haben Chancen”, sagte er vergangenen November dem “Spiegel”. Nagel steht seit Jänner 2022 an der Spitze der Bundesbank und sitzt als Präsident der deutschen Notenbank im EZB-Rat.

Schnabel hatte gesagt, sie stehe für den Posten bereit, sollte sie gefragt werden. Die Amtszeit der Dortmunder Ökonomin im EZB-Direktorium läuft bis Ende 2027. Laut den Regularien dürfen Mandate von Direktoriumsmitgliedern nicht verlängert werden. Lagarde selbst äußerte bisher keine Präferenz für die Nachfolge an der Spitze der Europäischen Zentralbank. “Ich habe keinen Lieblingskandidaten”, sagte Lagarde im Dezember in Frankfurt. Sie habe auch nicht gesagt, dass der frühere niederländische Zentralbankchef Klaas Knot “der geeignete Kandidat” sei. Es gebe viele sehr gute Optionen. Eine davon sei auch die deutsche EZB-Direktorin Schnabel.

ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski geht davon aus, dass bei der Nachfolge Lagardes auch Länderproporz eine Rolle spielen wird: “Da Frankreich jetzt schon zwei Mal den Präsidenten gestellt hat, läuft es auf ein Rennen zwischen Spanien und Deutschland hinaus.” Spanien stellt derzeit mit Pablo Hernández de Cos den Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel. De Cos war als früherer spanischer Zentralbankchef von 2018 bis 2024 auch Mitglied des EZB-Rats.