Steirische ÖVP für flexiblere Arbeitszeiten bei Lehrlingen

Die steirische ÖVP unternimmt einen Vorstoß in Richtung Lehrlingsarbeitszeiten. Nach Ansicht der ÖVP-Landesparteichefin Manuela Khom sollten diese von acht auf zehn Stunden pro Tag erhöht werden können – bei gleichbleibender Wochenarbeitszeit von 40 Stunden. “Flexible Arbeitszeitmodelle sind in vielen Unternehmen gelebte Realität – Lehrlinge davon auszuschließen, ist weder wirtschaftlich sinnvoll noch zeitgemäß”, wurde sie in der “Kleinen Zeitung” (Online) am Samstag zitiert.
Die Betriebe bräuchten “praxisnahe und zeitgemäße Rahmenbedingungen, um im Wettbewerb um Fachkräfte bestehen zu können”, forderte die steirische Vize-Landeshauptfrau. Mit der Flexibilisierung wäre zugleich eine Vier-Tage-Woche für Lehrlinge möglich. Diese Regelung solle jedoch nur in Betrieben gelten, in denen solche Modelle bereits von der Belegschaft gelebt werden.
Besonders in Branchen wie der Gastronomie oder im Außendienst sei die Anpassung notwendig: Hier sei es schon zu Situationen gekommen, wo beispielsweise Lehrlinge “auf Montage”, die nicht wie die erwachsenen Mitarbeiter zehn Stunden arbeiten dürfen, dann trotzdem im Firmenwagen warten müssen, bis es zurück in den Betrieb gehe. Khom appellierte an Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ), das Kinder- und Jugendlichen-Beschäftigungsgesetz (KJBG) entsprechend zu novellieren.
Wirtschaftsbund will Anpassung an Betriebsrealität
Unterstützt wird die steirische ÖVP-Chefin vom Wirtschaftsbund. Direktor Jochen Pack bezeichnete in dem Bericht der “Kleinen Zeitung” den Vorschlag als “notwendigen Schritt, um die duale Ausbildung an die Realität der Betriebe anzupassen”. Die Flexibilisierung bringe keine Mehrarbeit, sondern mehr Planbarkeit und Motivation für die Jugendlichen, wurde betont. Bereits 2025 hatten alle Fraktionen im Wirtschaftsparlament der Wirtschaftskammer Steiermark eine entsprechende Gesetzesänderung gefordert. “Unsere Betriebe wollen ausbilden. Jetzt braucht es die passenden Rahmenbedingungen”, drängte Pack auf eine rasche Umsetzung des Vorschlags.
Von den steirischen NEOS kam am Samstag scharfe Kritik dazu: “Die ÖVP hat den Wirtschaftsstandort jahrelang gegen die Wand gefahren und jetzt sollen das Jugendliche ausbaden”, hielt Klubobmann Niko Swatek per Aussendung fest. Ein wirtschaftlicher Turnaround komme “nicht auf dem Rücken junger Menschen” zustande.
Auch die Gewerkschaftsjugend kritisierte am Samstag den Vorstoß für einen 10-Stunden-Tag bei Lehrlingen: “Wer die Lehre attraktiver machen will, muss in Ausbildung investieren, nicht Arbeitszeiten ausdehnen”, so Matthias Hauer, Bundesjugendsekretär des ÖGB. Angesichts sinkender Lehrlingszahlen und steigender Jugendarbeitslosigkeit sei es absurd, junge Menschen zusätzlich zu belasten. “Ausbildung muss qualitativ hochwertig, praxisnah und fair sein – nicht länger, nur weil es manchen Betrieben gerade passt”, so die Gewerkschaftsjugend (ÖGJ). Sie fordert u. a. ein Mindestlehrlingseinkommen von 1.000 Euro im ersten Lehrjahr, bessere Rahmenbedingungen für die Ausbildung der Lehrlingsausbildenden und regelmäßige Überprüfung der Lehrbetriebe bei den Ausbildungsvoraussetzungen.
Angespannte Entwicklung
Die steirische Lehrlingsbilanz für das Jahr 2025 zeigt eine angespannte Entwicklung. Mit Ende Dezember wurden 14.442 Lehrlinge ausgebildet – das sind um 3,3 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Insgesamt 4.292 Jugendliche starteten im Vorjahr neu in eine Lehre – ein Minus von 5,3 Prozent.