US-Grönland-Zölle würden auch Österreichs Wirtschaft schaden

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US-Grönland-Zölle würden auch Österreichs Wirtschaft schaden

Die von US-Präsident Donald Trump im Streit um Grönland angedrohten Zölle würden nicht direkt für Österreich gelten, sich aber auf das Wirtschaftswachstum hierzulande auswirken. Kurzfristig würden die Wertschöpfungsverluste bei 0,02 Prozent liegen, langfristig könnte der Rückgang 0,15 Prozent betragen, geht aus einer Analyse der Österreichischen Nationalbank (OeNB) hervor. Am stärksten betroffen wären demnach die Branchen Metallherstellung, chemische Erzeugnisse und Bergbau.

Trump will ab 1. Februar zusätzliche Zölle im Ausmaß von 10 Prozentpunkten (PP) auf Waren aus acht NATO-Ländern verhängen, falls diese sich gegen seine Besitzansprüche an Grönland stellen. Ab 1. Juni sollen die Zölle um weitere 15 auf 25 PP steigen. Betroffen wären Dänemark, Deutschland, Frankreich, Schweden, Norwegen, das Vereinigte Königreich, die Niederlande und Finnland.

Wirtschaftliche Verflechtungen sorgen für weitreichende Auswirkungen

Globale Produktions- und Lieferketten und wirtschaftliche Verflechtungen sorgen dafür, dass auch Österreich indirekt von den neuen Zöllen betroffen wäre. Auf kurze Sicht würden Zölle in Höhe von 10 PP zu einem Rückgang der österreichischen Wertschöpfung im Ausmaß von 0,02 Prozent führen, Zölle in Höhe von 25 PP hätten einen Effekt von -0,06 Prozent. Längerfristig würden sich die Wertschöpfungsverluste bei diesem höheren Zollsatz auf 0,15 Prozent summieren. Damit wäre Österreich allerdings deutlich weniger stark betroffen als der Euroraum-20 und die EU, wo die Verluste kurzfristig 0,1 und langfristig 0,5 Prozent betragen würden.

“Die angekündigten US-Strafzölle gegenüber mehreren europäischen Ländern wären ein weiterer Bruch mit den über Jahrzehnte bewährten Prinzipien regelbasierter Handelspolitik und dem Abbau von Handelshemmnissen im Interesse aller beteiligten Staaten”, sagte Nationalbank-Gouverneur Martin Kocher laut Aussendung. Problematisch sei vor allem die gestiegene Unsicherheit, die Investitionsentscheidungen belaste, das Vertrauen von Unternehmen und Haushalten schwäche und sich damit “weit über die unmittelbaren Handelseffekte hinaus negativ” auswirke.

“Handelspolitische Drohungen als politisches Druckmittel zu nutzen, erhöht die Risiken für die Weltwirtschaft insgesamt und schadet mittel- und langfristig allen Beteiligten”, sagte Kocher.