Von Texas auf den Küniglberg: Larcher will den ORF führen

Vor seiner Bewerbung war er nur Insidern in Österreich ein Begriff, mit dem Schaulaufen der vergangenen Tage hat sich das geändert: Mit Johannes Larcher will jemand an die ORF-Spitze, der schon einige gewichtige Medienunternehmen im Ausland gemanagt hat. Er betätigte sich etwa bei der Streamingplattform Hulu, dem arabischsprachigen Streamer Shahid und bei HBO MAX in der Führungsetage. Beim ORF war er Anfang der 90er-Jahre für die Sendereihe “KunstStücke” tätig.
Der 58-jährige gebürtige Tiroler – Bruder des renommierten Komponisten Thomas Larcher -, der mittlerweile auch US-Staatsbürger ist und in Austin/Texas wohnt, betonte wiederholt seine Unabhängigkeit als Stärke. Bei politischen Spielchen wolle er nicht mitmachen, sagte er und teilte bei Diskussionen gegen “Systemkandidaten” aus. “Ich stehe für einen ORF, der niemandem verpflichtet ist außer seinem Publikum und dem österreichischen Gemeinwohl.” Dass er nach Jahrzehnten im Ausland zu wenig Einblick in den österreichischen Medienmarkt habe, verneinte er. Er habe Österreich immer sehr aufmerksam verfolgt und sich in seiner Karriere wiederholt rasch in neue Märkte eingearbeitet.
Hulu, Shahid, HBO Max, Storytel
Nach einem Studium der Theaterregie am Max-Reinhardt-Seminar betätigte er sich als freier Theaterregisseur und ORF-Redakteur bei der Sendereihe “KunstStücke”. Nach Stationen beim Filmfestival Viennale und dem Wiener Filmfonds arbeitete er für das Beratungsunternehmen McKinsey, später für Yahoo. Von 2009 bis 2013 war er bei der Streamingplattform Hulu für das internationale Geschäft zuständig, später verantwortete er den arabischsprachigen Streamingdienst Shahid der in Dubai angesiedelten MBC Group.
Von Gerhard Zeiler, Österreichs wohl gewichtigstem Medienmanager im Ausland, wurde er schließlich 2020 zu Warner Media geholt. Dort kümmerte sich Larcher für zwei Jahre als General Manager von HBO MAX International darum, dass der Streamingdienst in viele Teile der Welt ausgerollt wurde. Als letztes großes Unternehmen scheint die schwedische Storytel Group (2022 bis 2024) in seinem Lebenslauf auf, wo er als CEO dem Hörbuch-Streamingdienst erfolgreich eine strategische Neuausrichtung verpasste, wie er schreibt.
ORF 1 als “Sorgenkind”, UKW-Aus für FM4
Sollte er vom ORF-Stiftungsrat zum nächsten ORF-Generaldirektor gewählt werden, will er verloren gegangenes Vertrauen wiederherstellen. Österreich will er mit seinen Regionen, seiner Kultur und seinem Humor noch stärker ins Zentrum rücken. Dabei will er besonders in Inhalte für junge Menschen investieren, um diese Zielgruppe wieder besser zu erreichen. Dafür will er auf Kooperationen mit jungen Creators setzen und auch den digitalen Vertrieb auf Plattformen wie Youtube und TikTok breitflächig ausbauen.
ORF ON will er aufwerten und ORF.at zu einem “kooperationsgetriebenem Aggregationsprodukt in Partnerschaft mit privaten Medien machen”. ORF 1 bezeichnete er als “Sorgenkind”, das er stärker als jungen und österreich-fokussierten Unterhaltungskanal positionieren will. Die UKW-Übertragung von FM4 will er mittelfristig einstellen und den Radiosender in eine innovative, digitale Contentplattform überführen. ORF III soll als Tochterunternehmen aufgelöst, in die Hauptorganisation des ORF integriert und von einem Channelmanager geführt werden, um Doppelgleisigkeiten zu eliminieren.
100 Mio. Euro einsparen, Infodirektion etablieren
Larcher hat auch den Abbau von Mitarbeitern – 15 Prozent bis 2030 – im Sinn, um mindestens 100 Mio. Euro jährlich einzusparen. “Das Geld lässt sich finden, wenn man es finden will”, verwies er auf seine Erfahrung bei diversen Unternehmen. Dass viele ORF-Angestellte bald in Pension gehen, kommt ihm hier gelegen. Die Anliegen und Bedürfnisse der Belegschaft will er ernst nehmen und einen Chief People Officer installieren. Interventionen vonseiten der Politik sollen in einem transparenten Register gesammelt werden.
Die gegenwärtige ORF-Direktionsstruktur – Programm, Technik, Finanzen, Radio – will er abändern. Die Radiodirektion soll in die Programmdirektion übergehen und eine Informationsdirektion unter Führung eines Chefredakteurs, der “über allen Verdacht erhaben ist”, neu eingeführt werden.