“Sentimental Value” großer Gewinner

Der Film von Joachim Trier räumte beim Europäischen Filmpreis sechs Auszeichnungen ab.
Berlin Warum nur sind Familien so kompliziert? Und wie findet man wieder zueinander, wenn man sich entfremdet hat? Darum geht es im Film “Sentimental Value”, der beim Europäischen Filmpreis gleich sechs Auszeichnungen gewonnen hat. Das Drama des norwegischen Regisseurs Joachim Trier wurde unter anderem als bester Film geehrt. Ähnlich wie bei seinem vorherigen Film “Der schlimmste Mensch der Welt” erzählt Regisseur Trier eine zarte, zwischenmenschliche Geschichte. “Sentimental Value” handelt von einem gealterten Regisseur, der eine komplizierte Beziehung zu seinen beiden Töchtern hat. Die beiden Hauptdarsteller Stellan Skarsgård und Renate Reinsve gewannen jeweils den Schauspielpreis, Trier wurde selbst für die beste Regie und das Drehbuch ausgezeichnet. Die Norwegerin Reinsve bedankte sich in einem emotionalen Moment bei ihren eigenen Schwestern: “Ohne euch hätte ich es nirgendwohin geschafft.” Skarsgård hatte gerade auch einen Golden Globe gewonnen – könnte ein Oscar folgen? “Sentimental Value” werden auch Chancen als bester internationaler Film eingeräumt. Am Donnerstag werden die Nominierungen bekanntgegeben. Der Europäische Filmpreis wird abwechselnd in Berlin und einer anderen Stadt vergeben. Die rund 5.400 Mitglieder der Europäischen Filmakademie konnten über viele Preisträgerinnen und Preisträger abstimmen. Die Eröffnungsrede hielt der iranische Regisseur Jafar Panahi (“Ein einfacher Unfall”), der auf die Lage in seinem Heimatland hinwies und Filmschaffende aufrief, ihre Stimme zu erheben. Der Machtapparat im Iran war zuletzt mit aller Härte gegen Demonstranten vorgegangen.

Panahi warnte, wenn Gewalt unbeantwortet bleibe, werde sie normalisiert. Und wenn sie normalisiert werde, breite sie sich aus. Auch auf dem roten Teppich zeigten sich mehrere Filmschaffende solidarisch mit den Menschen des Landes.
Politisch wurde es mehrfach an dem Abend. Bei einer Pressekonferenz wurden der Norweger Trier und sein Team gefragt, was sie vom Streit um Grönland halten. US-Präsident Donald Trump will, dass Amerika sich die zum Staatsgebiet Dänemarks gehörende Insel einverleibt. “Das ist ziemlich absurd, oder?”, sagte der schwedische Schauspieler Skarsgård, als er nach einem Kommentar gefragt wurde. Ein kleiner Mann mit Größenwahn versuche, sich die Welt zu nehmen.
Regisseur Trier sagte, Grönland gehöre nur den Grönländern. Das Völkerrecht müsse respektiert werden, weil sonst ein Dominoeffekt drohe in der Frage, wie andere Supermächte mit anderen Ländern umgingen. Die Auszeichnung für das Lebenswerk ging an die norwegische Schauspielerin und Regisseurin Liv Ullmann (“Szenen einer Ehe”). Als bester Dokumentarfilm wurde “Fiume o Morte!” des Regisseurs Igor Bezinović ausgezeichnet, der von der Besetzung der heutigen Stadt Rijeka in Kroatien erzählt. Bester Animationsfilm wurde die Produktion “Arco”. Ausgezeichnet wurden auch Maren Ade, Janine Jackowski und Jonas Dornbach von der Berliner Produktionsfirma Komplizen Film. Die italienische Regisseurin Alice Rohrwacher (“Glücklich wie Lazzaro”) wurde für ihre Verdienste um den weltweiten Einfluss des europäischen Kinos geehrt.