Leserbrief: Kormoranmanagement am Bodensee

Der Artikel zum Drohneneinsatz gegen Kormorane greift ein wichtiges Thema auf, lässt aber entscheidende Fakten außer Acht. Die Kormoranart Phalacrocorax carbo sinensis ist seit 1997 keine gefährdete Vogelart mehr. Nach gründlichen Bestandsaufnahmen (1,2–1,5 Mio. Individuen) wurde sie schon 1997 aus dem besonderen Schutz der EU-Vogelschutzrichtlinie gestrichen. Am Bodensee entnehmen heute rund 7000 Kormorane jährlich über 800 Tonnen Fisch. Das ist mehr als das Sechsfache dessen, was die gesamte Berufsfischerei im Jahr fängt. Viele Fischer sehen darin einen der Hauptgründe für den raschen Niedergang ihres Berufsstandes. Innerhalb von nur zehn Jahren ist die Zahl der Berufsfischer am Bodensee von 113 auf 52 gesunken; eine Reduktion, die endlich ernst genommen werden muss. Einzelne regionale Maßnahmen reichen nicht aus. Kormorane sind sehr mobil, sie weichen einfach in andere Gebiete aus. Deshalb bleiben lokale Eingriffe meist wirkungslos. Was seit mehr als zwei Jahrzehnten dringend gebraucht wird, ist ein international funktionierendes, bodenseeweites Kormoranmanagement mit klaren und wirksamen Maßnahmen nach dem Vorbild Vorarlbergs. Nur abgestimmtes Handeln aller Anrainerstaaten kann Fischbestände, Fischerei und besonders gefährdete Fischarten (Äsche, Aal, Karausche, Nase, …) langfristig schützen, ohne dass der Kormoran wieder auf die Rote Liste kommt.
Andreas Lunardon, Obmann Bodensee-Fischereirevierausschuss Vlbg., Hard