“Ohne das gehe ich nicht los“ – was Skitourengeher jetzt für ihre Sicherheit wissen müssen

14.01.2026 • 15:00 Uhr
"Ohne das gehe ich nicht los“ – was Skitourengeher jetzt für ihre Sicherheit wissen müssen
Elmar Obwegeser aus Rankweil trainiert regelmäßig für den Ernstfall. Philipp Steurer

Während immer mehr Menschen auf Skitour gehen, packt Elmar Obwegeser aus Rankweil vor jeder Tour dieselbe Frage ein.

Darum geht’s:

  • Skitouren boomen, Beliebtheit und Risiken steigen.
  • Sicheres Vorarlberg betont Ausbildung und Ausrüstung.
  • Training reduziert Risiko, Grenzen respektieren schützt.

Laterns Elmar Obwegeser ist ein Einheimischer. Laterns kennt er seit Jahren und trotzdem verlässt er sich nicht auf Routine. “Jeder Tag ist anders”, sagt er. Schnee, Temperatur, Sicht, eigenes Gefühl – alles fließt in seine Entscheidung ein. Im einfachen Gelände fühlt er sich sicher. Geht es ins Alpine, ändert sich alles. Dann ist die komplette Notfallausrüstung Pflicht: Lawinenverschütteten Suchgerät (LSV-Gerät), Sonde, Schaufel, Airbagrucksack. “Ohne das gehe ich nicht los”, sagt er beim VN-Lokalaugenschein.

Doch Ausrüstung allein reicht nicht. Der Rankweiler trainiert den Ernstfall regelmäßig. Mit Tourenpartnern und Bergführer übt er Verschüttetensuche, Sondieren, Ausgraben. “Zum Glück nur bei Übungen”, sagt er. Aber genau das gibt ihm ein gutes Gefühl. Die Organisation “Sicheres Vorarlberg” betont: Notfallausrüstung verhindert keine Lawine. Erst Wissen, Erfahrung und realistische Selbsteinschätzung reduzieren das Risiko.

Ohne Sonde und Schaufel unterwegs

Der Skitourenboom bringt viele Anfänger in die Berge. So auch zwei Frauen, die heute ganz ohne Ausrüstung und nur für ihre Fitness unterwegs sind. Sie bewegen sich bewusst am Rand des Skigebiets, teilweise durch den Wald, teilweise entlang der Piste. “Wenn genug Schnee ist, gehen wir durch den Wald. Wenn nicht, bleiben wir ganz außen an der Piste”, erzählen sie. Ins freie Gelände gehen sie nicht. Der Grund: fehlende Erfahrung bei der Abfahrt. “Meine Skikenntnisse reichen nicht aus, um sicher im Gelände abzufahren. Deshalb lasse ich es”, berichtet eine der beiden Damen. Notfallausrüstung wie LVS-Gerät, Sonde oder Schaufel haben sie nicht dabei – ebenfalls eine bewusste Entscheidung. “Wir bewegen uns ausschließlich auf gesichertem Terrain.” Für sie steht der sportliche Aspekt im Vordergrund. Doch sie wissen: Würde es ins freie Gelände gehen, wären Ausbildung und Ausrüstung unverzichtbar.

"Ohne das gehe ich nicht los“ – was Skitourengeher jetzt für ihre Sicherheit wissen müssen
Nach dem Aufstieg fahren die beiden Frauen ins Tal.Philipp Steurer

Das empfehlen Experten

Genau darauf weist auch “Sicheres Vorarlberg” hin. Wer Skitouren abseits gesicherter Pisten unternimmt, muss nicht nur konditionell fit sein, sondern seine Skier auch bei schwierigen Schneeverhältnissen sicher beherrschen. Eine solide skifahrerische Basis ist Voraussetzung. Empfohlen wird, Technik gezielt im Skigebiet zu trainieren – auch neben der Piste in unpräpariertem, aber kontrolliertem Gelände. Fahrtechniktrainings mit Experten helfen, Sicherheit aufzubauen.

Skitouren – sicher unterwegs

  • Im freien Gelände Pflicht: LVS-Gerät, Sonde, Schaufel (Airbag empfohlen)
  • Ausrüstung allein reicht nicht: Ausbildung, Erfahrung und Training senken das Risiko
  • Einsteiger: zuerst Pistentouren, freies Gelände nur bei max. Lawinenwarnstufe 2
  • Fahrkönnen zählt: sichere Abfahrt bei wechselnden Schneeverhältnissen nötig
  • Gruppendynamik beachten: Tempo bestimmt der Langsamste
  • Grundregel: Im Zweifel umdrehen

Sicherheit ist oberstes Gebot

Für Einsteiger empfiehlt die Sicherheitsorganisation klare Schritte: Der Einstieg sollte über Pistentouren erfolgen. Sie ermöglichen, Gehtechnik, Tempo und Ausdauer zu trainieren, ohne zusätzliche alpine Gefahren. Der Übergang ins freie Gelände sollte langsam erfolgen – und für Anfänger nur bei maximal Lawinenwarnstufe 2. Kurse bei Alpinorganisationen, Skischulen oder Bergführern sind dringend anzuraten.

"Ohne das gehe ich nicht los“ – was Skitourengeher jetzt für ihre Sicherheit wissen müssen
Elmar Obwegeser wartet auf seine Gruppe, bevor ins Tal abgefahren wird. Philipp Steurer

Ein weiterer zentraler Punkt: Tempo und Gruppendynamik. Am Berg gibt nicht der Schnellste das Tempo vor, sondern der Langsamste. Wer sich unter Druck setzen lässt, ermüdet schneller, verliert Konzentration – und trifft riskantere Entscheidungen. Regelmäßige Pausen, ausreichendes Trinken und ein gleichmäßiger Rhythmus gehören zur Sicherheitsstrategie, empfiehlt “Sicheres Vorarlberg” weiter.

Laut dem Saisonbericht der österreichischen Lawinenwarndienste verzeichnet Vorarlberg im Winter 2024/2025 ein Lawinenopfer. Doch das ist eines zu viel. Passiert ist dieser Unfall bei Lawinenwarnstufe 3.

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