Leserbrief: Schönheit der Kunst

Leserbriefe / 19.01.2026 • 12:45 Uhr
Leserbrief: Schönheit der Kunst

In seinem letzten Gastkommentar befasst sich Gerald Matt mit dem Stellenwert der Schönheit in der Kunst. “Nur oberflächliche Menschen urteilen nicht nach dem äußeren Erscheinungsbild”, zitiert er unter anderem den Dichter Oskar Wilde und resümiert: “Vielleicht besteht der letzte Rest von Freiheit der Kunst genau darin, schön sein zu dürfen.” Kunst soll heute politisch korrekt, divers und schockierend sein, um aufzurütteln, und sie schwingt ständig eine opportune Moralkeule. In den TV-Kulturbeiträgen, denen man im Rahmen der Tagesnachrichten ausgesetzt ist, ist man schon beinahe irritiert, wenn ausnahmsweise niemand in der Unterwäsche auf der Bühne steht. VN-Kulturkommentator Walter Fink argumentiert an anderer Stelle, Kunst erfülle den Auftrag, die Demokratie zu schützen, wozu er unsere zeitgenössisch-aktionistische wohl für geeignet hält, und dürfe deshalb nicht finanziell gekürzt werden. In derselben VN-Ausgabe bezieht die Kabarettistin Lisa Eckhart zu ihrer so ganz anderen Kunstform Stellung. “Es muss eine Fallhöhe geben zwischen Inhalt und Form”, meint sie trotz der untrennbaren Verflechtung des Kabaretts mit dem Zeitgeschehen und dessen Stilmitteln wie Ironie oder Übertreibung. Ich füge hinzu, wenn der Inhalt vieler “Aktionstheater” schon so seicht ist, darf man sich über ihre Form nicht mehr wundern. Was heute serviert wird, ist oft nicht einmal mehr staatlich subventionierte Mittelmäßigkeit.

Gerald Grahammer, Lustenau