Bedrohte und Rebellen – was Rhesi in Koblach hervorbringt

29.01.2026 • 16:22 Uhr

Nutzungsberechtigter von Gemeindeflächen berichtet über hochexplosive Stimmung im Dorf.

Bedrohte und Rebellen – was Rhesi in Koblach hervorbringt
IRRBis der Rhein in Koblach einmal so ausschaut wie auf der IRR-Illustration, wird es wohl noch viele Jahre dauern. Das Projekt spaltet das Dorf.

Koblach Er ist einer von mehreren Nutzungsberechtigten jener Gemeindeflächen in Koblach, die aufgrund der vorgesehenen Aufweitung des Rheines im Rahmen des Hochwasserschutzprojekts Rhein-Erholung-Sicherheit (Rhesi) gepachtete Gründe abtauschen müssten. Früher hat sich der landwirtschaftlich tätige Koblacher in die Diskussion Rhesi eingebracht und dabei versucht, einen pragmatischen Zugang zum Thema zu finden. Doch weil er dadurch zwischen die Fronten von zwei kompromisslosen Lagern geriet, hat er versucht, sich aus dem Konflikt herauszunehmen. Er möchte deswegen auch seinen Namen nicht in der Öffentlichkeit nennen. “Ich wurde bedrängt, Stellung für eine der Interessengruppen zu beziehen. Es kam sogar zu Drohungen. Ich habe darunter sehr gelitten und mich völlig aus der Diskussion zurückgezogen.”

Aus Expertensicht sieht er keinen Qualitätsverlust durch den Abtausch der landwirtschaftlichen Flächen. “Es würde zwar lange dauern, aber die neuen Gründe wären irgendwann nicht schlechter als die alten.”

Bedrohte und Rebellen – was Rhesi in Koblach hervorbringt
Roland PaulitschLandwirt Mario Gächter ist zwar in der Fraktion von Bürgermeister Gerd Hölzl. In Sachen Rhesi stimmte er jedoch gegen ihn.

Stimme gegen den Ortschef

Ein anderer Landwirt, der von den Grundstücksabtäuschen betroffen wäre und gleichzeitig als Mandatar auf der Liste “Gemeinsam für Koblach” von Bürgermeister Hölzl aufscheint, ist Mario Gächter. Beim Votum zu Rhesi stimmte er jedoch gegen den Bürgermeister. “Ich bin zuallererst den Nutzungsberechtigten, den Leuten, die ich vertrete, und natürlich auch den Interessen meiner Familie verpflichtet. Von daher habe ich gegen den Grundstückstausch gestimmt. Dieser ist zudem kein 1:1-Deal. Hier sind Gründe nicht berücksichtigt, die zwar der IRR gehören, aber von der Gemeinde Koblach verwaltet werden”, sagt Gächter. Der 43-Jährige ist mutmaßlich derjenige, der als “Befangener” bei der Bezirkshauptmannschaft Feldkirch angezeigt wurde und dessentwegen die Abstimmung mit dem Patt in der Gemeindevertretung womöglich für ungültig erklärt wird.”

“Mitanand” will neu verhandeln

Scharfe Kritik an einer im Raum stehenden Aberkennung des Abstimmungsergebnisses zu Rhesi übt Philipp Wohlgenannt (37), Sprecher der Liste “Mitanand für Koblach”. “Betroffenheit vor Ort ist keine Befangenheit, sondern Grundlage kommunalpolitischer Verantwortung. Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertreter handeln im Auftrag der Bevölkerung und vertreten deren Interessen. Die nachträgliche Konstruktion einer Befangenheit wirkt wie ein Vorwand, um unliebsame demokratische Entscheidungen auszuhebeln”, heißt es in einer Aussendung der Fraktion mit ihren sechs Vertretern. Die Spaltung im Dorf nimmt auch er wahr. “Wir suchen aber keinen Streit, sondern wollen einen Schulterschluss mit den anderen Mandataren in der Gemeinde und Gespräche mit den Verantwortlichen des Landes.”

Klar deklariert sich “Mitanand für Koblach” jedoch gegen die Aufweitung des Rheins und fordert einen anderen Standort für die Zuleitung von ARA-Abwässern.

Bedrohte und Rebellen – was Rhesi in Koblach hervorbringt
Foto LerchDer Koblacher Bürgermeister Gerd Hölzl musste bei der Abstimmung eine Niederlage einstecken. Er will jedoch eine konstruktive Gesprächskultur beibehalten.

Gesprächskultur

Trotz des für ihn enttäuschenden Abstimmungsergebnisses will auch Bürgermeister Gerd Hölzl (59) die Gesprächskultur im Dorf aufrechterhalten. “Das Ergebnis ist zu akzeptieren, jetzt gilt es zu sehen, wie die weiteren Entwicklungen verlaufen.”

Bedrohte und Rebellen – was Rhesi in Koblach hervorbringt
vmhMarkus Mähr, Projektleiter bei Rhesi, lässt sich von der Koblacher Abstimmung nicht vom geplanten Zeitablauf abbringen.

Bei der Internationalen Rheinregulierung gab es noch keinen Beschluss zu einer Reaktion auf das Koblacher Abstimmungsergebnis. “Es wurde bei der Sitzung des bilateralen Ausschusses lediglich informiert. Weitere Schritte folgen im März”, bemüht Projektleiter Markus Mähr unverbindliche Formulierung zur aktuellen Situation. Fest steht: Auf den Verfahrensstart von Rhesi hat die Koblacher Abstimmung keinen Einfluss. Die Umweltverträglichkeitsprüfung soll im Mai starten.

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