Gute Noten – gute Chancen? Worauf Vorarlberger Unternehmen bei Bewerbungen wirklich Wert legen

07.02.2026 • 08:00 Uhr
Gute Noten – gute Chancen? Worauf Vorarlberger Unternehmen bei Bewerbungen wirklich Wert legen
Wie wichtig ist das Zeugnis für die Lehrstelle? Unternehmer geben Auskunft. VN/Rhomberg, APA

Gute Noten gelten für viele Schülerinnen und Schüler noch immer als Eintrittskarte in die Berufswelt – doch wie entscheidend sind sie bei Bewerbungen tatsächlich? Die VN haben bei Vorarlberger Unternehmen nachgefragt.

Darum geht’s:

  • Noten bleiben wichtig, alternative Beurteilungen gewinnen an Bedeutung.
  • Unternehmen schätzen Motivation und praktische Kompetenzen.
  • Bewerbungsgespräch und Soft Skills sind entscheidend.

Schwarzach Das erste Halbjahr ist für 56.000 Schülerinnen und Schüler geschlagen, am Montag beginnen die wohlverdienten Semesterferien. Doch mit der Schulnachricht in der Hand stellt sich für viele weniger Erleichterung als Nervosität ein. Ein schlechter Test, ein verpatzter Schulabschluss nach der Mittelschule oder ein nicht ganz perfekter Notenschnitt – für viele Schülerinnen und Schüler ist die Sorge um gute Noten allgegenwärtig, schließlich sollen sie die Basis für eine erfolgreiche Bewerbung sein. Doch wie relevant sind Schulnoten heutzutage überhaupt noch bei Bewerbungen? Ein VN-Rundruf unter großen Vorarlberger Unternehmen und ein Blick auf die Einschätzung der Bildungsdirektion liefern Antworten.

Aussagekraft von Noten

In den Bewerbungsmappen ist das Schulzeugnis zwar nach wie vor vorhanden, doch viele Unternehmen sehen es eher als grobe Orientierung. “Motivation, Auftreten und praktische Kompetenzen gewinnen zunehmend an Bedeutung, teils mehr als reine Schulnoten”, heißt es vom Bregenzer Bauunternehmen Rhomberg Bau auf Anfrage. Gleichzeitig spielt auch der Schultyp eine Rolle: Während die Allgemeinbildende Höhere Schulen (AHS), also die Gymnasien, für breite Allgemeinbildung steht, bringen Absolventinnen und Absolventen der berufsbildenden Schulen (BHS und BMS) bereits praxisorientierte Kenntnisse, teilweise sogar vergleichbar zu einem Lehrabschluss, mit. Ein Vorteil für Unternehmen, die gezielt nach Fachkräften suchen.

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Darauf legen Vorarlberger Betriebe Wert

Die illwerke vkw und Spar heben hervor, dass insbesondere Fachwissen in berufsrelevanten Fächern beachtet wird, während kleine Schwächen selten entscheidend sind. Beim landeseigenen Energieanbieter spielen darüber hinaus Schnuppern, der Kompetenztest der Industrie und ein Elterngespräch eine zentrale Rolle im Auswahlprozess. Der Baumaschinenhersteller Liebherr in Nenzing betont, dass es Lehrberufe gibt, bei denen bestimmte Fächer wie Mathematik bereits auf einem gewissen Niveau beherrscht werden sollten, da auch die Berufsschule entsprechende Anforderungen stellt.

Gleichzeitig unterscheiden die Betriebe bei Abgängern der höheren Schulen anhand des Schwerpunktes: “Aufgrund unseres Bedarfs an qualifizierten Fachkräften haben die BHS-Absolventen für uns fast noch mehr Relevanz als die AHS-Absolventen”, heißt es von Liebherr. Dass zudem das Bewerbungsgespräch sehr wichtig ist, unterstreicht Doppelmayr: “Bei einem Bewerbungsgespräch geht es oft nicht nur darum, wie Fragen beantwortet werden, sondern auch, welche Fragen eine Bewerberin oder ein Bewerber stellt.”

Soft Skills im Fokus

Der Trend ist klar: Wer sich authentisch präsentiert, Interesse zeigt und ins Team passt, hat oft bessere Chancen als jemand mit perfekten Noten, aber schwacher Kommunikation. Praktische Erfahrungen, etwa durch Schnuppertage oder Ferienjobs, wiegen bei vielen Personalverantwortlichen schwerer als ein exzellentes Zeugnis. “Für uns sind zusätzlich auch Soft Skills wie Eigeninitiative, Teamfähigkeit und eine gemeinsame Wertebasis – passend zur Blum-Kultur – zentrale Kriterien im Bewerbungsprozess”, hebt Thomas Hagen, Personalleiter von Blum, hervor.

Portfolio und verbale Feedbacks rücken in den Fokus

Die Vorarlberger Bildungsdirektion unterstreicht auf VN-Anfrage, dass Noten weiterhin eine wichtige Rolle spielen: “Noten haben nach wie vor ihre Geltung, gleichzeitig haben alternative Leistungsbeurteilungen bzw. -beschreibungen an Bedeutung gewonnen und ergänzen die Ziffernnote.” Überlegungen für verbale Feedbacks, Kompetenzraster oder Portfolioarbeit rücken immer mehr in den Fokus.

So finden auch ab dem Ende der 2. Schulstufe in allen Pflichtschulen regelmäßige Gespräche mit den Erziehungsberechtigten und dem Kind statt. “Dabei werden Leistungsstand, besondere Stärken, aber auch Entwicklungspotenziale des Kindes sowie mögliche Fördermaßnahmen besprochen”, heißt es vonseiten der Bildungsdirektion. Ob über Projekte, Praxiserfahrungen oder persönliche Gespräche: Der Mensch hinter dem Zeugnis rückt zunehmend in den Vordergrund. SOR, MAF

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