“Fasten soll nicht nur auf der Waage sichtbar sein” – am Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Fastenzeit

18.02.2026 • 06:00 Uhr
"Fasten soll nicht nur auf der Waage sichtbar sein" – am Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Fastenzeit
Bischof Benno Elbs möchte in der Fastenzeit wieder mehr aufs Herz hören. VN/DJSOHM


Reduktion statt Reizüberflutung, Sinn statt Selbstoptimierung: Zum Start der Fastenzeit erklären Geistliche, warum diese 40 Tage auch für junge Menschen eine Einladung sein können.

Darum geht’s:

  • Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch in der katholischen Kirche.
  • Fokus liegt auf innerer Klärung und Neuorientierung.
  • Fasten betrifft äußere Einflüsse und persönliche Gewohnheiten.

Feldkirch Am Aschermittwoch beginnt für Christinnen und Christen die Fastenzeit. 40 Tage der Reduktion, Besinnung – und für viele auch der Beginn einer Neuorientierung. Die VN haben bei Geistlichen und Jugendlichen nachgefragt, wie diese Zeit heute gelebt werden kann.

“Fastenzeit heißt – die Richtung entdecken”

Der Aschermittwoch markiert in der katholischen Kirche einen bewussten Einschnitt. Mit dem Aschenkreuz auf der Stirn beginnt eine Zeit, die weniger auf Verzicht im klassischen Sinn abzielt als vielmehr auf innere Klärung. Die Fastenzeit sei kein Selbstzweck, sondern eine Einladung, die Richtung des eigenen Lebens zu überprüfen, sagt der Feldkircher Bischof Benno Elbs.

"Fasten soll nicht nur auf der Waage sichtbar sein" – am Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Fastenzeit
Katharina Walch verzichtet in der Fastenzeit auf Handyzeiten. VN/DJSOHM

Senso unico – den Weg neu entdecken

Die Fastenzeit versteht der Bischof als Zeit der Reduktion äußerer Einflüsse. Das könne Essen und Trinken betreffen, aber genauso Medien oder Informationsflut. “Es geht darum, das Herz wieder besser zu hören – die Stimme des Gewissens, die Frage nach dem Sinn.” Elbs verwendet dafür ein Bild aus Italien: Senso unico, Einbahnstraße. “Fastenzeit hilft, diese Richtung – den Sinn – für das eigene Leben neu zu entdecken. In Beziehungen, im Alltag und auch in der Beziehung zu Gott.”

Drei einfache Fastentipps von Benno Elbs

Gerade jungen Menschen rät er zu einfachen, alltagstauglichen Schritten:

  • kurze tägliche Unterbrechungen zum Innehalten und ein sozialer Akzent.
  • Jemanden besuchen, sich versöhnen, etwas Gutes tun.
  • bewusste Reduktion der Handyzeiten

Viele junge Menschen fasten

Neben den geistlichen Botschaftern der katholischen Kirche sind immer mehr junge Menschen bereit, in der Fastenzeit zu verzichten. “Ich verzichte schon, aber nicht auf Fleisch oder Essen. Meine Handyzeit wird weniger werden und ich versuche, einen gesunden Lebensstil zu leben”, sagt Katharina Walch vom BORG Götzis.

Für Leonard König vom BORG Egg bietet die Fastenzeit Gelegenheit, an sich selbst zu arbeiten. “Ich versuche, mir gewisse Eigenschaften, die ich an mir nicht mag, abzugewöhnen.” Zudem möchte er mit seinen Mitmenschen im Alltag freundlicher umgehen, betont er und weist gleichermaßen darauf hin, dass ihm Gott in schwierigen Zeiten stets eine Stütze ist.

"Fasten soll nicht nur auf der Waage sichtbar sein" – am Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Fastenzeit
Leonard König vom BORG Egg fastet auch. VN/DJSHOM

Fasten darf nicht nur auf der Waage sichtbar sein

Auch Kaplan Gabriel Steiner, tätig im Pfarrverband Kummenberg mit Altach, Götzis, Koblach und Mäder, erlebt bei jungen Menschen eine große Sehnsucht nach Orientierung. “Was sie brauchen, ist ein offenes Ohr – und Ermutigung, sich selbst zu entdecken”, sagt der junge Priester. Glauben dürfe dabei nichts Abgehobenes sein. “Er ist bodenständig. Er betrifft mich in meiner Existenz.”

"Fasten soll nicht nur auf der Waage sichtbar sein" – am Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Fastenzeit
Kaplan Gabriel Steiner hat ein offenes Ohr für junge Menschen. VN/DJSHOM

Für Kaplan Steiner liegt die Herausforderung weniger in sinkenden Mitgliederzahlen in der Kirche als in der Frage der Glaubwürdigkeit. “Glauben muss attraktiv gelebt werden. Authentisch.” Attraktiv sei der Glaube dort, wo er Sinn, Halt, Freude und Orientierung schenke.

Wiederentdecken der Liebe

Die Fastenzeit sieht er als Übungsfeld. Gebet, Stille, Gottesdienst – aber auch die Reduktion des Terminkalenders oder eingeübter schlechter Haltungen. “Fasten, das nur auf der Waage sichtbar ist, aber nicht im Herzen, hat seinen Sinn verfehlt”, sagt Steiner. Im Kern gehe es um das Wiederentdecken der Liebe: “Dass ich erkenne, ich bin von Gott geliebt – und diese Erfahrung in meinen Alltag übersetze.”

Beide sind sich einig: Die Fastenzeit ist weniger eine Zeit des Verzichts als eine Einladung zur bewussten Lebensgestaltung. Oder, wie es Steiner formuliert: “Man übt – für ein Leben mit mehr Tiefe.”