“Was weg ist, ist weg” – Zahnarzt warnt vor Folgen von Nikotinbeutel

23.02.2026 • 21:00 Uhr
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Velo sind tabakfreie Nikotinbeutel, die in Österreich legal verkauft werden dürfen. VOL.AT/SKÖ

Der Trend zum Nikotinbeutel wächst – auch in Vorarlberg. Doch was viele als harmlose Alternative sehen, hinterlässt laut einem Bregenzer Zahnarzt sichtbare Spuren im Mund.

Bregenz Snus und Nikotinbeutel boomen – auch in Vorarlberg. Während Zigaretten weiter dominieren, greifen vor allem Junge zu den Beuteln unter der Lippe. Ein Zahnarzt warnt vor Zahnfleischrückgang und “Lederhaut” im Mund. Was steckt hinter dem Trend?

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Snus ist klein, diskret und geruchloser als eine Zigarette. Ein weißes Säckchen, geschoben unter die Oberlippe. Kein Rauch, kein Feuerzeug, kein Aschenbecher. Dafür Nikotin – teils in beachtlicher Dosis. In Vorarlberg ist das längst kein Randphänomen mehr.

Zahnarzt schlägt Alarm: “Man sieht es sofort”

Dr. Tarik Crnkic (32), Zahnarzt in Bregenz, erlebt den Trend täglich in seiner Praxis. “Die Patienten, die Nikotinbeutel konsumieren, erkennt man sofort”, sagt er. “Bei jeder Kontrolle sieht man es auf den ersten Blick – selbst wenn sie versuchen, die Stelle zu wechseln. Die Veränderungen an der Mundschleimhaut sind so typisch, dass man sie klar zuordnen kann.”

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Dr. Tarik Crnkic (32) aus Bregenz ist Zahnarzt und beobachtet in seiner Praxis regelmäßig die Folgen von Nikotinbeuteln. VOL.AT/SKÖ

Besonders problematisch sei der Zahnfleischrückgang. „Was weg ist, ist weg. Es bildet sich nicht mehr zurück“, betont Crnkic. In schweren Fällen könne es zu mehreren Millimetern Rückgang kommen. Zudem beobachte man häufig chronische Reizungen der Mundschleimhaut. Langfristig könne sich daraus eine sogenannte Leukoplakie – eine weißliche Schleimhautveränderung – entwickeln, die im schlimmsten Fall zu Mundkrebs führen könne.

Der Bregenzer berichtet von einem jungen Patienten, der über Jahre hinweg zwei Packungen täglich konsumiert habe. An den typischen Stellen im Oberkiefer sei das Zahnfleisch “richtig braun gefärbt” gewesen, “wie ein braunes Leder”. Vier Millimeter Zahnfleischrückgang habe man gemessen – ausschließlich an diesen Punkten.

Trafik: “Snus wird immer beliebter”

In der Tabak-Trafik Silberlion in Bregenz steht Amando Silva Erne (22) aus Wolfurt seit acht Jahren hinter dem Verkaufspult. Zigaretten seien nach wie vor “unser Hauptgeschäft”, sagt er. “Aber Snus wird schon immer beliebter, vor allem bei jüngeren Leuten.”

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Amando Silva Erne (22) aus Bregenz arbeitet in einer Trafik und beobachtet, dass immer mehr Kundinnen und Kunden von der Zigarette auf Nikotinbeutel umsteigen. VOL.AT/SKÖ

In Österreich sind klassische Snus-Produkte mit Tabak verboten. Deshalb verkauft man auch in der Trafik in Bregenz kein originales Snus, sondern sogenannte “White Snus” – also tabakfreie Nikotinbeutel mit synthetischem Nikotin, die ebenfalls unter die Oberlippe gelegt werden.

Die Nachfrage? Steigend. Besonders gefragt seien stärkere Varianten. “Beliebt sind die Vierer, die sind so um die 11 Milligramm”, sagt er. Es gebe aber auch Produkte mit “16 bis 17 Milligramm Nikotin”.

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“Beliebt sind die Vierer, die sind so um die 11 Milligramm”, sagt Amando. VOL.AT/SKÖ

Viele Kunden seien bereits auf Nikotinbeutel umgestiegen. In der Praxis beobachte er meist ein klares Entweder-oder: “Meist wird entweder zur Zigarette oder zum Nikotinbeutel gegriffen – beides nehmen die wenigsten”, sagt Amando.

Auch der Automat gewinnt an Bedeutung. “Die Automaten sind mittlerweile sehr wichtig geworden, weil auch junge Leute lieber zum Automaten gehen, anstatt ins Geschäft zu gehen”, sagt er.

Was sagen die Zahlen?

Bei einer nicht repräsentativen Online-Umfrage von VOL.AT nahmen 215 Personen teil. Rund 50 Prozent der Befragten sind zwischen 26 und 40 Jahre alt, lediglich 10 Prozent jünger als 26 Jahre.

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Trotz wachsendem Trend bei Nikotinbeuteln bleiben Zigaretten weiterhin das meistverkaufte Produkt. VOL.AT/SKÖ

Knapp 44,2 Prozent gaben an, Nikotinbeutel regelmäßig zu konsumieren. In der Risikoeinschätzung zeigt sich ein gespaltenes Bild: 45 Prozent halten Snus beziehungsweise Nikotinbeutel für genauso schädlich wie Zigaretten, während 30 Prozent sie als weniger schädlich einstufen.

Als Hauptgrund für den Konsum nennen mehr als die Hälfte der Befragten den diskreten Gebrauch – etwa in Schule oder am Arbeitsplatz.

Info

Snus enthält Tabak und ist in der EU – außer in Schweden – nicht zum Verkauf erlaubt. Nikotinbeutel sind tabakfrei, enthalten synthetisches Nikotin und dürfen in Österreich ab 18 Jahren verkauft werden.