Robotaxis vor der Haustür – warum Vorarlberg noch ausgebremst wird

22.03.2026 • 16:30 Uhr
Robotaxis vor der Haustür – warum Vorarlberg noch ausgebremst wird
Der Robotaxi-Entwickler Waymo testet derzeit in London. Das Google-Schwesterunternehmen betreibt bereits rund 1000 Fahrzeuge in San Francisco.AFP

In San Francisco längst Alltag, in der Ostschweiz bald Realität: autonome Taxis ohne Fahrer. Doch während rund um den Bodensee bereits getestet wird, steckt Österreich noch im rechtlichen Korsett. In Vorarlberg hat der Landtag nun reagiert, doch bis zur Umsetzung ist es noch ein weiter Weg.

Darum geht’s:

  • Autonome Taxis fahren in Städten wie San Francisco seit 2023.
  • Österreich hat rechtliche Einschränkungen für autonome Fahrzeuge im Regelbetrieb.
  • Pilotprojekte für autonomes Fahren sollen in Vorarlberg starten.

Schwarzach In Städten wie San Francisco verkehren seit 2023 rund um die Uhr Taxis, ganz ohne Chauffeur. Auch in der Ostschweiz nimmt die Entwicklung Fahrt auf: Unter dem Namen “AmiGo” sollen ab 2027 Robotaxis regulär im Einsatz stehen. Die Schweiz bereitet sich seit Jahren auf den selbstfahrenden Verkehr vor und erlaubt seit März 2025 auf Autobahnen Systeme, die das Lenken, Bremsen und die Geschwindigkeit eigenständig steuern – wenn auch weiterhin unter menschlicher Aufsicht.

Robotaxis vor der Haustür – warum Vorarlberg noch ausgebremst wird
Bei Level-4-Fahrzeugen handelt es sich um vollautomatisierte Autos, die ohne menschlichen Fahrer unterwegs sind. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden sie daher oft auch als Robotertaxis bezeichnet.AFP

Ein Tempo, mit dem Österreich nicht ganz mithalten kann. Denn der rechtliche Rahmen setzt weiterhin enge Grenzen. “Serienmäßige Fahrassistenzsysteme sind im Alltag erlaubt, hoch- bzw. vollautomatisierte Fahrzeuge dürfen derzeit nur im behördlich genehmigten Testbetrieb eingesetzt werden”, heißt es aus dem Ministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) auf VN-Anfrage. Im Regelbetrieb ist aktuell maximal teilautomatisiertes Fahren zulässig – also Systeme, bei denen der Mensch jederzeit zum Eingreifen bereit sein muss. Grundlage dafür ist die sogenannte Automatisiertes-Fahren-Verordnung.

Fünf Stufen

Zur Einordnung: Experten unterscheiden beim autonomen Fahren fünf Entwicklungsstufen – von Assistenzsystemen bis zum vollständig fahrerlosen Auto. Während heute vor allem Systeme der Stufen 1 und 2 verbreitet sind, bei denen der Mensch die Kontrolle behält, bewegen sich Projekte wie Robotaxis bereits in Richtung der höheren Stufen 4 und 5, bei denen das Fahrzeug selbstständig fährt und der Mensch nur noch Passagier ist.

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Auf diesem Niveau des autonomen Fahrens braucht es Genehmigungen und ein dichtes Sicherheitsnetz: definierte Testgebiete, geschulte Sicherheitsfahrer, Notfallkonzepte sowie laufende Berichte sind Pflicht.

Einen fixen Zeitplan für den Regelbetrieb autonomer Fahrzeuge in Österreich gibt es derzeit nicht. “Ein Übergang ist realistisch, setzt aber weitere rechtliche, technische und organisatorische Klärungen voraus”, so das Ministerium. Europaweit gebe es jedoch noch kein Level-4-Fahrzeug mit EU-Typgenehmigung, heißt es aus dem Ministerium.

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In Vorarlberg soll Pilotprojekt starten

Umso wichtiger sind Pilotprojekte, die es derzeit bereits in Niederösterreich und Salzburg gibt und bald auch in Vorarlberg starten sollen. Anfang Februar hat der Landtag einen Antrag von ÖVP und FPÖ zu einem Pilotprojekt für autonomes Fahren mehrheitlich angenommen. Gemeinsam mit Gemeinden, Verkehrs- und Logistikunternehmen sowie Forschungspartnern soll autonome Mobilität unter realen Bedingungen getestet, Erfahrungen gesammelt und die Ergebnisse evaluiert werden.

Robotaxis vor der Haustür – warum Vorarlberg noch ausgebremst wird
Bis fahrerlose Autos durch Vorarlberg fahren, wird es wohl noch dauern. AFP

FPÖ-Klubobmann und Verkehrssprecher Markus Klien, Mitinitiator des Antrags, sieht darin eine Chance für das Land: “Wir sehen für die Zukunft vielfältige Einsatzmöglichkeiten, in erster Linie als First- und Last-Mile-Lösung.” Gerade im ländlichen Raum könnten autonome Angebote helfen, Mobilitätslücken zu schließen und den öffentlichen Verkehr ergänzen. Es gebe vor allem aus den Reihen der Wirtschaft Überlegungen und Initiativen für ein Forcieren des autonomen Fahrens. Ein Pilotbetrieb zu Testzwecken könnte bei positiver Prüfung und entsprechender Zusammenarbeit mit Partnern in den kommenden Jahren starten, so Klien.

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Prototypische Visualisierung eines “AmiGo”-Fahrzeugs, wie es im Einsatz sein wird.Postauto

Auch auf Bundesebene wird an der Weiterentwicklung gearbeitet. Plattformen wie SAAM Austria, der Strategischen Allianz für automatisierte Mobilität, sollen Erfahrungen bündeln und den Übergang vom Testbetrieb in den Alltag vorbereiten.

Vorerst bleibt autonomes Fahren in Vorarlberg aber noch Zukunftsmusik, während es andernorts schon längst Fahrt aufgenommen hat.

Factbox: Was ist AmiGo?

AmiGo ist ein Mobilitätsangebot von PostAuto Schweiz, das automatisiertes Fahren mit On-Demand-Verkehr kombiniert. Ab 2027 können Fahrgäste in einem definierten Gebiet in der Ostschweiz per App ein selbstfahrendes Fahrzeug bestellen, das sie flexibel an ihr Ziel bringt.

Das Angebot ergänzt den bestehenden Linienverkehr.

Ein zentrales Element ist das sogenannte Ride-Pooling: Wenn mehrere Fahrgäste eine ähnliche Strecke zur gleichen Zeit zurücklegen, werden Fahrten gebündelt. Dadurch sollen die Fahrzeuge besser ausgelastet und effizienter genutzt werden.