Leserbrief: Vorarlberger Filmkunstszene

Der Appell rund um das Grimme-Institut ist kein Einzelfall, sondern Symptom eines Systems: Sobald Politik Juryentscheidungen “korrigiert”, wird aus fachlicher Auswahl politische Opportunität. Kunstförderung soll dort greifen, wo der Markt versagt. Der künstlerische Film ist auch in Vorarlberg darauf angewiesen. Doch das System kippt: Nach außen offen, in der Praxis ist es ein Abschreckungsparcours – Verwaltungsfolklore aus unklaren und wechselnden Kriterien, fehlende Protokolle, verweigerte Begründungen. Verzögerungstaktiken wie späte “Sprechtage” wirken dabei als zusätzlicher Filter: Wer nicht aufgibt, wird hingehalten. Wer einreicht, bleibt im Nebel; selbst erlaubte Neueinreichungen scheitern – sie sollen begründet werden, obwohl nie fachliche Gründe genannt werden. Unabhängige Kommissionen als Schutzraum der freien Kunst? Durch Personalunion und fehlende Compliance werden sie zu Feigenblättern. Fachliche Begründungen “lohnen sich zeitlich nicht” – während Hunderte Seiten Abrechnungen von Krimiserien minutiös geprüft werden. Prioritäten sprechen für sich. Seit Jahren fließen Mittel in kommerziell verwertbare Produktionen. Dass diese nicht rückzahlbare Förderung nutzen, ist rational. Dass man es zulässt und damit Kunst verdrängt, ist politisch gewollt oder zumindest geduldet. Was fehlt – und nichts kostet außer politischem Willen: echte Interessenvertretung der Kunstschaffenden, Veröffentlichung auch abgelehnter Projekte, Einhaltung eigener Regeln, eine offene Berichterstattung. Ohne Transparenz schwindet Vertrauen. Eine Filmkunstszene existiert nicht – sie wird verhindert.
Christian I. Peintner, Bregenz