Leserbrief: Vorarlberger Nahverkehr spart am falschen Ende

Die ÖBB und die Politik loben den „modernen“ Nahverkehr in Vorarlberg. Die Realität für viele Fahrgäste sieht jedoch anders aus. Die meisten Regionalzüge – selbst Doppelstockzüge – fahren ohne Zugbegleiter. Was als effizient verkauft wird, wird zunehmend zu einem Sicherheitsproblem. Heute in einem Regionalzug Richtung Feldkirch: Eine offensichtlich verwahrloste Frau ohne Hose pöbelte Fahrgäste an und spuckte Menschen an. Erst in Feldkirch kann die Polizei einschreiten. Während der gesamten Fahrt gab es jedoch keinen Zugbegleiter, keinen Ansprechpartner, niemanden, der unmittelbar eingreifen konnte. Kürzlich schilderte mir zudem ein junges Mädchen, dass sie sich abends allein im Zug massiv unsicher fühlte. Auch hier: kein sichtbares Personal, kein Sicherheitsgefühl. Die ÖBB verweisen gerne auf Kameras, Notrufeinrichtungen und mobile Kontrollteams. Doch Kameras greifen nicht ein. Ein Notruf beruhigt keine verängstigten Fahrgäste. Und mobile Teams sind oft gerade nicht dort, wo Probleme entstehen. Noch absurder wird es im Ernstfall: Was passiert bei einem Brand oder einer Evakuierung in einem voll besetzten Doppelstockzug? Soll ein einzelner Lokführer gleichzeitig den Zug sichern, Fahrgäste informieren, Menschen evakuieren und Einsatzkräfte koordinieren? Diese Politik ist weder den Fahrgästen noch dem eigenen Personal gegenüber zumutbar. Darüber sollten die Entscheidungsträger im Landhaus und in der ÖBB-Verwaltung endlich ernsthaft nachdenken.
Gerta Fischer, Wolfurt