Motorenspezialist kündigt 70 Mitarbeitern – Zylinderproduktion wandert nach Indien

19.05.2026 • 16:33 Uhr
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Im Kunert-Industriepark in Brederis hat Elko König gerade eine zweite Werkhalle übernommen und eine hochmoderne Kolbenfertigung installiert. FA

Rankweiler Motorenspezialist schließt Fortführungsgesellschaft: Das kostet rund 70 Arbeitsplätze. Zukunftsperspektive ist Partnerschaft mit indischem Hightech-Unternehmen.

Rankweil Im März 2024 verstarb der Rankweiler Industrielle Hansjörg König und hinterließ ein Unternehmen, das laut Firmenangaben eines der global führenden Spezialisten im Bereich Hochleistungsmotoren für Freizeit und Motorrad sowie für Industrie und High Performance ist. Doch das bewahrte die Firma Elko König nicht davor, wirtschaftlich in eine existenzgefährdende Schieflage zu geraten. Nach der Sichtung der Bücher zog die Eigentümer-Familie die Notbremse. Das Unternehmen meldete im Mai 2024 ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung an. Im Rahmen der Sanierung, die auch im Management zu einer Neuaufstellung führte, wurde die K-Cyl FlexCo als Fortführungsgesellschaft gegründet, um die noch bestehenden Aufträge im defizitären Zylinderbereich zu erfüllen. Nachdem dies jetzt abgeschlossen ist, hat die Geschäftsleitung den nächsten Schritt gesetzt: die Auflösung des Unternehmens und damit der Dienstverhältnisse der rund 80 Mitarbeitenden. In die Elko König, die derzeit 175 Mitarbeitende beschäftigt, werden rund zehn dieser 80 betroffenen Personen übernommen.

Fortgeschrittene Gespräche

Parallel führte und führt das Management abschließende Gespräche mit einem führenden indischen Industriepartner, um einen Teil des Zylinder-Geschäfts in eine tragfähige industrielle Perspektive zu überführen und neue Wachstumsmärkte in Indien und Südasien zu erschließen, erklärt Anja Jenner, Prokuristin und Gesellschafterin sowohl der K-SAN GmbH als Eigentümerin der König GmbH & Co. KG als auch der K-Cyl FlexCo. Geschäftsführer Dieter Angerer erklärt: Ursprünglich sollte K-Cyl FlexCo im Oktober 2025 die Tätigkeit beenden, wurde aber bis Juni 2026 verlängert. “Das war bei der Gründung schon eine zeitlich begrenzte Maßnahme des Sozialplanes, die auch so ausverhandelt und kommuniziert wurde.”

Motorenspezialist kündigt 70 Mitarbeitern – Zylinderproduktion wandert nach Indien
König-Management: Dieter Angerer und Anja Jenner nehmen weiteren Schritt, um das Unternehmen zukunftsfit zu machen: Ziel sei, das Kerngeschäft im Kolbenbereich zu konsolidieren und dort zu skalieren, wo Elko König stark ist. VN/Steurer

Nach einem halben Jahr Verlängerung ist es aber so weit – die Mitarbeitenden wurden beim AMS zur Kündigung angemeldet, am 30. Juni wird Schluss sein. In enger Abstimmung mit dem Betriebsrat habe die Geschäftsleitung die notwendigen Schritte eingeleitet und einen noch zu unterzeichnenden Sozialplan erarbeitet. “Die vereinbarten Maßnahmen bieten den betroffenen Mitarbeitenden eine bestmögliche Absicherung”, betont Jenner im Gespräch mit den VN. Auch der Betriebsrat bestätigt trotz des tiefen Einschnittes für die Mitarbeitenden konstruktive Gespräche.

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Die Kernkompetenzen bei der Produktion in Indien bleiben in König-Hand: “Man kann 80 Jahre Erfahrung nicht einfach nach Indien schicken”, so Anja Jenner. FA

Ziel sei, das Kerngeschäft im Kolbenbereich, der in Rankweil bleibt und gerade im Kunert-Areal einen neuen, hochmodernen Standort bekommen hat, zu konsolidieren und dort zu skalieren, wo das Familienunternehmen langfristig wettbewerbsfähig ist: in der präzisen Bearbeitung und Veredelung von Antriebskomponenten mit globaler Lieferfähigkeit, informiert Geschäftsführer Dieter Angerer, der auch als Gesellschafter der K-Cyl FlexCo vor zwei Jahren in die Verantwortung ging.

Zukunftsperspektive

Mit dem führenden indischen Industriepartner wurde nicht nur eine Absichtserklärung für eine Partnerschaft unterzeichnet, auch die Werkshalle steht bereits. “Das ist auch für die Inder ein hohes Investment”, so Angerer. Nun geht es um die Aufstellung der Maschinen für die Zylinderproduktion. Elko König stellt ausgewählte Kompetenzen zur Verfügung und zeichnet verantwortlich für Entwicklung und Qualität auf König-Niveau. Dafür werden auch Mitarbeitende aus Rankweil in Indien vor Ort sein.

Rankweil bleibt Stammsitz

Rankweil bleibe Stammsitz und Kompetenzzentrum für alle Aktivitäten. Mit der Partnerschaft nütze das Unternehmen seine internationale Aufstellung, um eine Markt- und Kostenposition langfristig sicherzustellen und weiterhin eine starke Verankerung in Vorarlberg beizubehalten.