Wer sucht, wer alarmiert, wer rettet: Der Ablauf nach einem Mann-über-Bord-Alarm

Der Tod einer 24-Jährigen auf der Fähre zwischen Meersburg und Konstanz hat viele Fragen ausgelöst. Eine davon betrifft jeden Passagier: Was geschieht eigentlich in den ersten Minuten, wenn plötzlich jemand über Bord geht?
Darum geht’s:
- 24-Jährige fällt von Fähre, stirbt im Bodensee.
- Notfallprotokoll auf Schiffen aktiviert bei Mann-über-Bord.
- Bergungstechnik und Rettungskräfte unterstützen im Notfall.
Bregenz Nachdem eine 24-Jährige in der Nacht auf Sonntag von der Fähre Meersburg–Konstanz aus unbekannter Ursache ins Wasser gefallen und gestorben ist, stellt sich die Frage, wie Passagierschiffe auf dem Bodensee mit solchen Notfällen umgehen.
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“Jedes Mitglied der Mannschaft hat seinen festen Aufgabenbereich. Das greift wie ein Uhrwerk ineinander”, erklärt Wilhelm Slappnig, Präsident der Internationalen Vereinigung der Bodensee-Kapitäne und Kapitän auf den Bodenseeschiffen. Die sogenannten Mann-über-Bord-Manöver werden jedes Frühjahr vor Saisonbeginn geübt.

Auf den großen Kursschiffen sind in der Regel vier Besatzungsmitglieder im Einsatz: Kapitän, Steuermann, Kassier und Matrose. Sobald eine Person über Bord geht, wird das Notfallprotokoll aktiviert. Während der Kapitän das Schiff manövriert, bereitet die Crew die Bergung vor.
Zwei Schiffslängen Wendemanöver
Ein Schiff wie das Motorschiff Austria könne innerhalb von etwa zwei Schiffslängen zum Stillstand gebracht werden, erklärt Slappnig. Schwieriger sei oft das sichere Wendemanöver. “Wir müssen darauf achten, dass das Schiff nicht zu stark krängt und keine Gefahr für die übrigen Passagiere entsteht. Trotzdem handeln wir so schnell wie möglich.”
Auf dem See arbeiten alle zusammen
Die Bergung erfolgt in vielen Fällen direkt durch die Besatzung. Kassier und Matrose übernehmen dabei die Aufnahme der Person aus dem Wasser. Ist die Person verletzt oder nicht mehr selbstständig bewegungsfähig, steht auf den Schiffen spezielle Bergetechnik zur Verfügung. “Wir haben einen Bergekran an Bord, mit dem wir Menschen sicher aus dem Wasser holen können”, sagt Slappnig.
Parallel dazu werden die Rettungskräfte alarmiert. Über den internationalen UKW-Notfunkkanal oder den Euro-Notruf kann Hilfe angefordert werden. Die Seepolizei ist auf dem gesamten Bodensee präsent. “In der Regel geht das sehr schnell”, berichtet der Kapitän. In den Bereichen rund um Bregenz, Lindau oder Friedrichshafen seien Rettungsboote häufig innerhalb von etwa zehn Minuten vor Ort.

Technische Überwachungssysteme wie Kameras kommen auf den Vorarlberger Kursschiffen nicht zum Einsatz. Stattdessen verlässt man sich auf die Aufmerksamkeit von Crew und Passagieren. “Wenn jemand sieht, dass eine Person ins Wasser fällt, reagieren wir sofort und setzen das Verfahren in Gang”, erklärt Slappnig.
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Damit es gar nicht erst zu solchen Situationen kommt, gelten auf den Schiffen umfangreiche Sicherheitsstandards. Relings, Ketten und abgesicherte Bereiche sollen verhindern, dass Passagiere unbeabsichtigt über Bord geraten. “Ein normaler Passagier kann bei uns nicht einfach ins Wasser fallen”, betont Slappnig. Wer die Sicherungen überwinde und über die Reling klettere, handle bewusst.
Keine Registrierung
Vorfälle auf dem Bodensee sind selten, ganz ausschließen lassen sie sich jedoch nicht. Slappnig erinnert sich an mehrere Rettungseinsätze während seiner Laufbahn, darunter die Bergung eines Mannes nahe der Insel Mainau sowie die Rettung eines erschöpften Surfers vor Lochau. “Es kommt immer wieder einmal vor. Aber man wünscht sich natürlich, dass es nie passiert.” Passagiere werden weder auf Kursschiffen noch Fähren namentlich registriert, wenn sie an Bord gehen. Wenn eine bestimmte Person vermisst wird, ist also ist auch nicht feststellbar, ob sie sich an Bord befunden hat.