Was Ärzte in Feldkirch bei Hitze-Patienten jetzt häufiger sehen

26.06.2026 • 15:20 Uhr
Was Ärzte in Feldkirch bei Hitze-Patienten jetzt häufiger sehen
In Feldkirch kommen wegen der Hitze mehr Menschen in die Notfallambulanz, weiß Oberarzt Alexander Vonbank. VOL.AT

Die anhaltend hohen Temperaturen bescheren auch den Krankenhäusern Mehrarbeit: Ein Arzt warnt vor Warnzeichen, die viele unterschätzen.

Feldkirch Das kann ja heiter werden. Bevor uns der Sommer eine kleine Atempause gönnt, dreht er noch einmal kräftig auf. Bis zu 37 Grad sagt der Wetterdienst für dieses Wochenende voraus. Die anhaltende Hitzewelle macht vielen zu schaffen, und das spüren mittlerweile auch die Spitäler. “Vor allem ältere Menschen sind belastet”, berichtet Oberarzt Alexander Vonbank von einem vermehrten Patientenaufkommen in der Notfallambulanz des Landeskrankenhauses Feldkirch.

Herz und Kreislauf

Herz und Kreislauf setzen den Leuten dabei besonders zu. Andererseits kann Vonbank positiv vermerken: “Wir mussten bislang deutlich weniger schwere Sonnenbrände behandeln.” Der Umgang mit der Sonne habe sich gebessert. Auch Notfälle mit Kindern gab es glücklicherweise noch keine: “Da schauen die Eltern inzwischen gut dazu.” Mehr geworden sind, wie die VN berichteten, die Einsätze des Roten Kreuzes, dessen ärztlicher Leiter der Internist ebenfalls ist.

Was Ärzte in Feldkirch bei Hitze-Patienten jetzt häufiger sehen
Wer kann, sucht derzeit Abwechslung von der Hitze, wo immer es möglich ist. APA

Rechtzeitig reagieren

Während sich die einen an den hochsommerlichen Temperaturen laben, werden sie für andere zum Gesundheitsrisiko. Gefährdet sind in erster Linie ältere Menschen. “Das Herz kann seine Leistung nicht mehr bringen. Es kommt zu Atemnot und Wassereinlagerungen”, beschreibt Alexander Vonbank typische Auswirkungen von zu großer Hitze, die sich nicht nur draußen zusammenbraut, sondern oft auch die Wohnung in einen Backofen verwandelt. Deshalb sollte rechtzeitig reagiert werden. “Während des Tages die Räume beschatten, Ventilatoren einsetzen und erst in der Nacht lüften”, lauten einige ärztliche Empfehlungen. Auch Kneippen kann vor Überhitzung bewahren, etwa mit kühlenden Arm- und Fußbädern. Ausreichend zu trinken gehört ebenfalls zur Vorsorge. Vonbank rät zu eineinhalb bis zwei Litern und “trinken, wenn man Durst hat”. Besteht eine Nierenfunktionsstörung oder ein Herzleiden, sollte die Trinkmenge jedoch mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden. Der Klassiker: einen Bewegungsdrang nur in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden ausleben. Bekannt, trotzdem sei es noch einmal betont: Kinder und Tiere nicht im Auto lassen.

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Ein Dach über dem Kopf ist auch bei Hitze pures Gold wert. DPA

Sensibilisierung

Die Zunahme an Hitzetagen wird nach Ansicht von Oberarzt Vonbank aber auch die Medizin fordern, speziell, was die Kommunikation mit den Patienten angeht. Er spricht damit in erster Linie die niedergelassenen Ärzte an. “Sie sollten ihre Patienten schon während des Jahres für den Umgang mit dem Hitzethema sensibilisieren und sie aufklären.” Als Beispiel nennt Vonbank die Einnahme von entwässernden Tabletten: “Bei großer Hitze muss damit unter Umständen pausiert werden.” Auf solche Dinge gelte es, die Patienten gezielt vorzubereiten.

Was Ärzte in Feldkirch bei Hitze-Patienten jetzt häufiger sehen
Gemeinsam an einem schattigen Ort sitzen: So lässt sich die Hitze leichter ertragen. APA

Nachbarschaftshilfe

Das Hitzeschutzbündnis der aks gesundheit verweist darauf, dass Nachbarschaftshilfe und soziale Kontakte eine der wirksamsten und zugleich einfachsten Hitzeschutzmaßnahmen darstellen. “Gerade in Zeiten zunehmender Hitzewellen wird gesellschaftlicher Zusammenhalt zu einem wichtigen Gesundheitsfaktor. Ein kühles Getränk vorbeizubringen, gemeinsam Zeit im Schatten zu verbringen oder Hilfe anzubieten, kostet wenig, kann aber entscheidend sein”, ruft Projektleiterin Marlene Brettenhofer zur gegenseitigen Hilfe auf.

Digitale Hitzewarnungen

Seit 1. Juni 2025 ist es möglich, sich bei der Landeswarnzentrale für digitale Hitzewarnungen registrieren zu lassen. Die Warnungen kommen dann per SMS oder Text-Mail. „Sie sind ein wichtiges Instrument, um die Bevölkerung frühzeitig auf Belastungssituationen aufmerksam zu machen“ sagt Steff Claus, Amtsärztin in der Landessanitätsdirektion. Bei der Bekanntheit dieses Angebots gibt es allerdings noch Luft nach oben. Das bestätig auch Claus: „Eine breite Information der Bevölkerung bleibt daher wichtig.“

Bis dato waren für die Hitzewarnungen im Bezirk Bregenz 69 SMS- und 70 Text-Mail-Abonnements, im Bezirk Dornbirn 58 SMS- und 64 Text-Mail-Abonnements, im Bezirk Feldkirch 54 SMS- und 68 Text-Mail-Abonnements sowie im Bezirk Bludenz 36 SMS- und 55 Text-Mail-Abonnements registriert. Eine Aussage über die tatsächliche Anzahl der Abonnements sei nicht möglich, da Mehrfachabonnements, etwa für mehrere Bezirke oder verschiedene Benachrichtigungsarten, systemseitig nicht ausgewiesen würden.

Bei längeren Hitzeperioden wird in der Landessanitätsdirektion zudem ein gesteigertes Informationsbedürfnis in der Bevölkerung ausgemacht. Die Anfragen betreffen laut Claus häufig den richtigen Umgang mit Hitze, Schutzmaßnahmen für ältere Menschen, Kleinkinder und chronisch Kranke sowie Fragen zu gesundheitlichen Beschwerden, die mit hohen Temperaturen in Zusammenhang stehen können.

Links für Informationen und Tipps zum Hitzeschutz

www.hitzeschutz-vorarlberg.at: Wissensplattform des Hitzeschutzbündnisses Vorarlberg

Kostenloses Hitzetelefon 0800 880800

Hitzewarnungen von Geosphere: für aktuelle Hitzewarnungen, Wetterlagen und Verhaltenstipps

Vorarlberger Landeswarnzentrale: um sich für automatische Hitzewarnungen anzumelden

Was Ärzte in Feldkirch bei Hitze-Patienten jetzt häufiger sehen
Das sind die schönen Seiten eines intensiven Sommers. VN/Serra

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