Leserbrief: Post

Zum Leserbrief “Die Post lernt nicht” von Robert J. Bösch, VN vom 24. Juni:
Franz Kafka erhielt in Prag vor mehr als 100 Jahren die sehnsüchtig erwarteten Briefe seiner Verlobten Felice Bauer viermal am Tag per k. k. Post zugestellt. Etwa 60 Jahre später brachte in Lauterach Herr M. jeden Werktag die Post. Er war ein allseits geschätzter Wälder und noch Beamter der Post. In wetterfester Adjustierung, schwer bepackt, war er auf privatem Fahrrad unterwegs. Er konnte ohne Zentralmatura unleserliche Anschriften deuten, unvollständige oder falsche Adressen richtig zuordnen und war einem Schwätzchen oder Schnäpschen nicht abgeneigt. Er verfügte sohin über alle erwartbaren Kompetenzen eines Briefträgers. Heute wird die Post im Idealfall einmal pro Woche von einem eher unzureichend alphabetisierten, dafür aber elektrisch anbrausenden Mitarbeiter zugestellt. Er hält die Regeln der Straßenverkehrsordnung nicht immer ein, verwechselt in Eile Postleitzahlen und Namen und oft das Zeitungsrohr mit dem Briefkasten. Einen an den Kindergarten Wolfurt – Rickenbach adressierten Brief habe ich neulich zugestellt. Das örtliche Postamt wurde zur Poststelle, beschäftigt sich zeitraubend mit Rücksendungen vieler online bestellter Pakete und verkauft Briefmarken nicht einzeln, sondern nur im Fünferpack; wohl in der irrigen Annahme, es gäbe noch Nachfrage wie zu Zeiten von Franz und Felice.
OStR. Prof. Dipl. -Ing. Götz Knall, Lauterach