Wie Morbus Bechterew das Leben beeinflusst

Betroffene lassen sich von ihrer unheilbaren Erkrankung trotzdem nicht einschüchtern.
Altach Es wird geplaudert, gelacht, gegrillt und getrunken. Die Frauen und Männer, die sich beim Obst- und Gartenbauverein Altach treffen, wirken wie eine normale gesellige Runde, die zu feiern weiß. Dabei sind die meisten von ihnen krank, doch das lassen sie sich nicht anmerken. Das Beste daraus machen, lautet stattdessen die Devise für die von Morbus Bechterew Betroffenen. Auch Brigitte Walter (84) strahlt Lebensfreude aus. Sie war 50, als die Diagnose ihr Leben auf den Kopf stellte. Um der Schmerzen Herr zu werden, schloss sie sich einer Turngruppe der Bechterew-Selbsthilfe an. „Das Turnen tut mir gut“, sagt sie und merkt mit einem schelmischen Lächeln noch an: „Bechterew braucht Bewegung.“

Konsequent dabei
Morbus Bechterew ist eine chronisch-entzündliche rheumatische Erkrankung, die überwiegend die Wirbelsäule befällt, aber auch Augenentzündungen auslösen kann. Typisch sind tiefe Rückenschmerzen begleitet von Morgensteifigkeit, die sich bei Bewegung bessern. Die Erkrankung ist nicht heilbar, lässt sich durch Medikamente und gezielte Physiotherapie jedoch gut behandeln. Bei Brigitte Walter waren es Nackensteifigkeit und häufige Entzündungen der Sprunggelenke, bei Robert Dejaco (66) Entzündungen der Augen. „Auf einem Auge habe ich plötzlich nichts mehr gesehen“, erzählt er. Kortisonspritzen lösten das Übel. Sobald es sich wieder ankündigt, weiß Robert, was zu tun ist. Auch beim wöchentlichen Turnen ist er konsequent. „Er hat die meisten Turntage“, verrät Selbsthilfe-Obmann Peter Amann. Für Meinrad Waldthaler (84) gehört das Turnen ebenfalls zum Therapiegeschehen. Bei ihm dauerte es acht Jahre, bis die Diagnose feststand. „Die langen Zeiträume sind ein großes Problem“, flicht Angelika Hämmerle ein. Meinrad plagten vor allem Schmerzen in den Lendenwirbeln und Hüftgelenken. Bereits 1984 schloss er sich der Turngruppe in Dornbirn an. „Ich bin immer dabei, außer im Urlaub.“ Seine Augen blicken spitzbübisch.

Kameradschaft und Austausch
Obmann Peter Amann (65) bekräftigt: „Für uns sind sie große Vorbilder.“ Seit dem vergangenen Jahr leitet er die Landesstelle der bundesweit organisierten Vereinigung. Etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung leiden an dieser Autoimmunerkrankung, die Selbsthilfegruppe umfasst aktuell 84 Mitglieder. Amann geht deshalb von einer höheren Dunkelziffer aus. Vor ihm führte Thomas-Jan Waller die Landesstelle gleich zweimal. Zuletzt übernahm er sie in einer schwierigen Situation: „Ich wollte nicht, dass die gut funktionierenden Therapiegruppen verloren gehen.“ Turngruppen gibt es in Dornbirn, Feldkirch und Bludenz. „Jedes Mal kommen 10 bis 15 Teilnehmende“, freut sich Waller über den Zuspruch. Für ihn sind Wissensaufbau, Kameradschaft und Erfahrungsaustausch die Motivation. Peter Amann fügt noch an: „Wir würden gerne auch im Bregenzerwald eine Turngruppe einrichten.”

So, wie das Turnen gehört auch Physiotherapie zur Behandlung von Morbus Bechterew-Patienten. „Es geht bei beidem vor allem um den Erhalt der Beweglichkeit“, erklärt Isabella, eine der begleitenden Physiotherapeutinnen. Bewegt war auch das Abschlussfest. Jetzt geht es in die Sommerpause. Die Turngruppen starten Mitte September wieder. „Dann vielleicht mit einer Gruppe im Bregenzerwald?“ Peter Amann würde es sehr begrüßen.



