Hilfe aus dem Bauchfett für marode Kniegelenke

31.07.2026 • 13:49 Uhr
Hilfe aus dem Bauchfett für marode Kniegelenke
Bettina Netzweil reiste aus Wien an, um sich von Michael Fink behandeln zu lassen. VN/Steurer

Stammzellentherapie bei Gelenksarthrose zeigt belegbar gute Wirkung. Patienten erzählen.

Bregenz Seit mehr als sechs Jahren setzt Michael Fink bei der Behandlung von Gelenksarthrose auf Stammzellen. Inzwischen verfügt der Orthopäde in Bregenz über ein Kompetenzzentrum. Dort führt er Ärzteschulungen, zur Hauptsache aber Therapien durch. Pro Jahr lassen sich rund 80 bis 90 Patientinnen und Patienten ihre angegriffenen Knie-, Sprung- oder Hüftgelenke mittels eigener Stammzellen sanieren. „Tendenz steigend“, ergänzt Fink. Bis Anfang November ist sein Terminkalender voll. Der Eingriff dauert 90 Minuten, danach kann das Gelenk sofort belastet werden. Doch nicht allen hilft diese Therapie. Jedem dritten Patienten muss Michael Fink absagen. Ausschließungsgründe sind unter anderem der Schweregrad der Arthrose. Auch eine Fehlstellung der Beinachse kann dem Vorhaben hinderlich sein.

Lange Leidenswege

Bei Bettina Netzweil traf nichts von alledem zu. Die Pensionistin reiste extra aus Wien an, um sich frische Stammzellen für das rechte Knie zu holen. „Zum Schluss konnte ich fast nicht mehr gehen“, erzählt sie von einem langen Leidensweg. Es gab nichts mehr, was der bewegungsfreudigen Frau geholfen hätte. Sogar eine Eigenbluttherapie schlug fehl. Von einem Freund in Zürs erfuhr Netzweil von der Stammzellentherapie. Eineinhalb Stunden nach dem Eingriff sitzt die Wienerin entspannt im Wartebereich. Nur ein Pflaster erinnert an die in örtlicher Betäubung durchgeführte Behandlung. „Ich bin zuversichtlich, dass alles gut wird“, sagt sie.

Hilfe aus dem Bauchfett für marode Kniegelenke
Anton Schmidler (l.) und Mario Waidacher sind nach langer Zeit endlich schmerzfrei und können wieder lachen. VN/Steurer

Die Stammzellen werden aus dem Bauchfett gewonnen, mechanisch isoliert, mit Blutplasma verdünnt und dann in das Gelenk gespritzt. „Je mehr Stammzellen, desto besser ist das Ergebnis“, erläutert Michael Fink. Auch Anton Schmidler konnte er mit der Methode helfen. Dem 63-jährigen Langenegger machte jahrelang eine Arthrose im Sprunggelenk zu schaffen. Als die Abstände, in denen er Spritzen zur Linderung benötigte, immer kürzer wurden, machte ihn ein Arbeitskollege auf die Möglichkeit der Stammzellentherapie aufmerksam. „Jetzt läuft es wieder“, resümiert Schmidler zufrieden. Kurz nach dem Eingriff spulte er in den Südtiroler Bergen 3000 Höhenmeter ab. Mario Waidacher (38) bekam im Spital gesagt, er solle mit dem von einer schweren Arthrose gezeichneten Knie so lange weitermachen, wie es geht. Für danach wurde ihm eine Knieprothese in Aussicht gestellt. Das war 2016. Doch der Familienvater aus Doren wollte die Operation nicht. Stattdessen unterzog er sich im März bei Michael Fink einer Stammzellentherapie. „Es ist ein anderes Leben“, bekennt Waidacher dankbar.

Hilfe aus dem Bauchfett für marode Kniegelenke
In dieser Tischzentrifuge erfolgt die Aufbereitung der Stammzellen. VN/Steurer

Erfolgsquote 75 bis 80 Prozent

Krimhild König (62) kann ebenfalls nur Positives berichten. Zwei Jahre litt sie, musst sich an der Tischkante festhalten, wenn sie aufstehen wollte. Die Frau aus Thüringen stieß über Mundpropaganda auf den Bregenzer Orthopäden. Ihr Hausarzt meinte: „Lass es anschauen.“ Das tat König und noch mehr. Heute, drei Jahre später, ist sie immer noch voll des Lobes: „Ich kann alles machen.“ Kritisch merkt sie an, dass die Kosten selbst zu bezahlen sind: „Dabei würde sich das Gesundheitssystem eigentlich viel Geld ersparen.“ Bettina Netzweil will die Rechnung bei ihrer Versicherung einreichen und schauen, „was herauskommt“.

Am besten funktioniert die Stammzellentherapie aktuell bei Kniegelenksarthrose. Michael Fink gibt die Erfolgsquote mit 75 bis 80 Prozent an. Er sieht in der Methode bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzung eine erwägenswerte Alternative zu einer Operation. Inzwischen würden auch Studien die Wirksamkeit belegen. Die Therapie kann wiederholt werden, wobei eine neue Beurteilung erfolgen muss, und ist in jedem Alter möglich.