Leserbrief: Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu

Leserbriefe / 07.08.2026 • 13:15 Uhr
Leserbrief: Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu

Ein bekanntes Sprichwort. Ein Satz, der in unterschiedlichen Varianten in vielen Kulturen verbreitet ist. Er beschreibt das Prinzip der Gegenseitigkeit. Jesus hat es auf besondere Weise im Matthäusevangelium geprägt. Dort heißt es: “Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch.” Ein kleiner, aber feiner Unterschied zwischen dem Sprichwort und dem Jesuswort fällt auf. Das Sprichwort ist passiv formuliert: Lass es sein – tu es nicht. Anders bei Jesus: Handelt so, wie ihr es auch von anderen erwartet – könnte man frei übersetzen. Das ist aktiv. Es geht um das eigene Tun. Plötzlich bin ich in der Verantwortung, plötzlich ist mein Handeln gefragt. Dieses weise Sprichwort sollte für unsere Politiker im Bund und im Land doch eine Anregung sein – bei Pensionsverhandlungen, bei Führerscheinprüfungen und bei vorbildlich funktionierenden KHS-Entbindungsstationen. Stellen Sie sich einfach nur vor, Sie wären “ein Betroffener”. Ein 18-Jähriger mit Lehrlingslohn, der wegen eines korrupten Beamten, Prüfers, Polizisten oder Richters mehrmals zur Kasse gebeten wird … Wo bleiben die Entschuldigungen dieser abscheulichen Betrüger?

Gerd Guderjahn, Hard