Leserbrief: Gegenrede: Wer daneben stand, redet anders über Tierleid

Sehr geehrter Herr Dr. Petras, Ihren Brief liest man leicht aus der Distanz. Ich kenne Landwirte in meinem Bekanntenkreis und habe selbst erlebt, was es bedeutet, wenn der Wolf in eine Herde fährt. Da geht es nie nur um einen “materiellen Verlust”. Da steht ein Bauer mitten in der Nacht auf der Weide bei Tieren, die er mit der Flasche aufgezogen hat und denen er einen Namen gegeben hat. Was er vorfindet, ist kein “kurzes Tierleid”. Wölfe töten nicht sauber. Sie hetzen, reißen und fressen an. Sie beißen Schafen das Euter ab, durchtrennen Rindern die Sehnen und lassen sie bewegungsunfähig im eigenen Blut liegen. Ich habe selbst ein Lamm gesehen, das noch atmete, während sein Bauch offen lag. Stundenlanges Siechtum, das der Bauer am Ende eigenhändig erlösen muss. Sie sprechen von “einzelnen, wenigen” Fällen. Die offiziellen Zahlen des Landes Vorarlberg sprechen eine andere Sprache: Allein 2024 wurden laut Landwirtschaftskammer zwölf bestätigte Nutztierrisse registriert – erstmals auch Rinder. Heuer sind es bereits wieder elf entschädigte Tiere. Laut Landes-Wildbiologen streifen mittlerweile bis zu zehn Wölfe durch Vorarlberg. Das ist keine Einzelerscheinung mehr, das ist eine Entwicklung, die unsere Alpwirtschaft existenziell bedroht. Ihr Vergleich mit dem Schlachtschwein ist zudem schief und unfair: Gerade unsere Vorarlberger Bergbauern stehen für das Gegenteil von lebenslangem Leid – für ein gutes Leben auf der Weide. Dieses gute Leben wird nun durch den ungebremsten Wolfsschutz bestraft. Wer das Leid auf der Weide als “kurz” verharmlost, hat noch nie danebengestanden.
Mag. Konstantin Eleftheriadis, Dornbirn