Zwei Freunde auf großer Benefiztour

Johannes Lins und Samuel Summer wollen mit dem Fahrrad bis nach Indien fahren. Mit ihrer Spätzle-Tour sammeln sie Spenden für ein Bildungsprojekt in einem Lepradorf im Senegal.
Frastanz/Nofels Die beiden Freunde Johannes Lins (24) und Samuel Summer (24) zog es schon früh in die Fremde. Mit 19 Jahren absolvierten sie ihren Zivildienst im Ausland. Johannes arbeitete mit tibetischen Flüchtlingen in der Stadt Dharamsala – das ist die indische Exilheimat des Dalai Lama. Samuel verschlug es nach Toronto. Dort arbeitete er für das Holocaust-Gedenkzentrum.
Nach dem Zivildienst ging Johannes für den Dornbirner Verein “Wissen macht stark & Leprahilfe” für acht Monate in den Senegal. In dem Dorf Mballing leben viele leprakranke Menschen. Der junge Frastanzer koordinierte dort ein Bildungsprojekt. “Mit wenig Geld kann man viel bewirken. Mit nur 5 Euro hat ein Leprakranker einen Monat lang zu essen.”

Samuel kam zu Besuch und blieb zwei Monate in dem westafrikanischen Land. “Wenn man sieht, wie diese Menschen leben, wird man mit dem eigenen Leben zufrieden”, so Samuel, der mittlerweile ein Volkswirtschaftsstudium abgeschlossen hat. Auch Johannes hat inzwischen ein Diplom in der Hand. “Ich habe in Steyr und Japan humanitäre Logistik studiert.” Das Studium qualifiziert ihn für humanitäre Hilfeeinsätze in Kriegs- und Krisengebieten.
Soziales Engagement eint die beiden Freunde aus Nofels und Frastanz. “Wir wollen etwas für die Gesellschaft machen.” Johannes und Samuel engagieren sich weiterhin für das Lepradorf im Senegal. “Es bräuchte dort einen Kindergarten und eine Spielgruppe.” Um dafür Geld aufzutreiben, haben sich die beiden etwas Außergewöhnliches einfallen lassen. Die jungen Männer möchten eine Benefiz-Radtour machen. Und was für eine! “Wir wollen mit dem Bike nach Indien radeln.”

Start ist am 6. September in Frastanz. Rund zehn Monate später wollen sie in Dharamsala ankommen. Es gilt 15.000 Kilometer zu fahren. “Pro Tag möchten wir mit dem Rad 50 Kilometer zurücklegen.” Durchfahren werden knapp 20 Staaten, unter anderem exotische Länder wie Turkmenistan und Usbekistan. Nicht jedes Land ist sicher. Länder, in denen kriegerische Auseinandersetzungen toben, meiden die beiden. “Wir durchqueren nur Länder, in denen es die Sicherheitslage zulässt. Das haben wir unseren Eltern versprochen.” Ihre Fahrräder sind vollbepackt. Im Gepäck dabei: zwei Zelte, zwei Luftmatratzen, zwei Schlafsäcke, Reparaturmaterial fürs Rad, eine Reiseapotheke, ein Campingkocher und – ein Spätzlehobel. “Unsere Reise läuft unter dem Namen Spätzle-Tour. Denn wir möchten in jedem Land, in dem wir sind, Kässpätzle mit lokalen Zutaten kochen. So können wir etwas aus unserer Kultur mitbringen. Vielleicht stellen wir auf diese Weise sogar einen Weltrekord auf.”

Johannes und Samuel gehen ohne Angst in das “Abenteuer unseres Lebens”. Aber sie haben großen Respekt vor den Herausforderungen, die auf sie zukommen. Die größte Gefahr, so glauben sie, ist der Straßenverkehr. “Wie werden die Autofahrer mit uns umgehen?” Eine Gefahr könne auch von Wildtieren ausgehen. “Ich denke dabei zum Beispiel an einen Schlangenbiss”, so Johannes. Auch auf die unterschiedlichsten Temperaturen muss sich das Duo einstellen – von plus 45 Grad bis zu minus 20 Grad.

Aber die Freunde trauen sich die Spätzle-Tour zu. Denn schon einmal machten sie zusammen eine große Radtour. “Vor zwei Jahren sind wir von Bulgarien nach Österreich gefahren. Das hat wunderbar funktioniert.” Mit ihrer Spätzle-Tour verfolgen sie ein Ziel. “Schön wäre es, wenn wir noch einige Sponsoren für unser Bildungsprojekt im Senegal auftreiben könnten. Vielleicht knacken wir sogar die Marke von 100.000 Euro. Wir können versprechen, dass jeder Spenden-Cent in das Projekt fließt. Die Radtour finanzieren wir aus eigener Tasche.”
Infos unter www.spaetzletour.at