Leserbrief: Klimaschutz braucht Fakten und Vertrauen

Leserbriefe / 31.08.2026 • 12:30 Uhr
Leserbrief: Klimaschutz braucht Fakten und Vertrauen

Zum Kommentar von Harald Walser, VN vom 28.8.26:

Ich schätze das Engagement von Harald Walser für den Klimaschutz sehr. Gerade deshalb halte ich es für wichtig, mit Zahlen und Fakten besonders sorgfältig umzugehen. Wer Mitmenschen für den Klimaschutz gewinnen möchte, braucht Evidenz – sie schafft Vertrauen. Ein Beispiel ist die Photovoltaik: Tatsächlich stieg ihre Erzeugung in Österreich im Juli 2026 gegenüber dem Vorjahr um mehr als 54 Prozent. Die genannten 28 Prozent beziehen sich aber nicht auf den Gesamtstrombedarf, sondern auf den Anteil der PV an der erneuerbaren Stromerzeugung. Gleichzeitig brach wegen der außergewöhnlichen Trockenheit die Wasserkraft um 46 Prozent ein; auch die Windstromerzeugung ging zurück. Wasser, Wind und Sonne sind Österreichs wichtigste erneuerbare Stromquellen. Insgesamt konnten deshalb im Juli nur rund 83 Prozent des Stromverbrauchs durch Erneuerbare gedeckt werden. Der Importsaldo betrug 751 GWh. Auch bei der Industrie lohnt ein anderer Blick: Investitionen in Klimaschutz sind nicht nur Kosten, sondern können Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und neue Geschäfte schaffen. Bei der voestalpine betrifft das “0-Prozent-CO₂”-Ziel bis 2035 allerdings eine Division, nicht die gesamte Stahlproduktion. Klimaschutz ist zu wichtig für Übertreibungen. Gerade seine Befürworter sollten sich auf überprüfbare Fakten verlassen können.

Otto Bechter, Dornbirn